Ein Luzerner Auswanderer serviert Fondue in Vietnam

Nha Trang in Südvietnam hat nicht nur einen kilometerlangen Sandstrand, sondern auch eine aktive Schweizer Gemeinschaft. Das ist nicht zuletzt das Verdienst des Luzerners Hugo Fischli.

Peter M. Jenni
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Im Restaurant Swiss House «La Casserole» gibt’s traditionelle Schweizer Küche – mitten in Vietnam. (Bild: PD)

Im Restaurant Swiss House «La Casserole» gibt’s traditionelle Schweizer Küche – mitten in Vietnam. (Bild: PD)

«Die Heimat ist nie schöner, als wenn man in der Fremde von ihr spricht.» Das Bonmot des deutschen Schriftstellers Horst Wolfram Geissler dürfte dem Luzerner Hugo Fischli aus dem Herzen sprechen. Sehnsucht und Heimweh sind zwei Gefühle, die sein Leben stark geprägt haben. Mit 51 Jahren ist es ihm nun gelungen, beidem gerecht zu werden – auf ungewöhnliche Weise. Seit drei Jahren lebt er im fernen Vietnam und führt dort ein Schweizer Restaurant.

Das Wirten wurde Hugo Fischli in die Wiege gelegt, er wuchs als Kind einer Gastrofamilie auf und musste in den Jugendjahren immer den Eltern in den Restaurants helfen. Zwar machte er eine Lehre als Karosseriespengler, doch schon zwei Jahre nach dem Abschluss zog es ihn zurück ins Gastgewerbe, er tauchte ins Luzerner Nachtleben ein. Er übernahm als «quereinsteigender» Geschäftsführer den Metro-Music-Pub am Weinmarkt in Luzern. Zwei Jahre später arbeitete er dann in der legendären Musikbar «DownTown». Dort blieb er bis 1996.

So lokal verwurzelt Fischli auch war – die Sehnsucht nach der grossen weiten Welt packte ihn schon früh. Mit zarten 19 Jahren heiratete er eine Thailänderin. Mit ihr hat er zwei Töchter, und mittlerweile ist er stolzer Grossvater eines Enkels in der Schweiz. Im thailändischen Pattaya eröffnete er schliesslich ein Schweizer Restaurant und blieb dort bis 2005. Dann kam er in die Schweiz zurück, weil sein Vater gestorben war. Und plötzlich hatte das Leben hier wieder die Oberhand. Mit einem Mal fühlte er sich «in der pingeligen, sauberen und geregelten Schweiz» daheim. «Ich wollte nicht mehr weg. Alles, was man, wenn man im Ausland lebt, der Schweiz vorwerfen kann, hat mich angezogen.» Und er lacht: «Ja, genau. Auch die ‹Tüpflischiiser›!»

Die Kälte hat ihn vertrieben

Heute lebt er allerdings wieder fernab der Heimat. Auf die Frage nach dem Warum, lacht er herzhaft: «Das Wetter» sei der Grund. Die Kälte hat in vertrieben. Nachdem er Nha Trang in Vietnam, das er durch einen guten Freund kannte, mehrmals ferienhalber bereiste, eröffnete er vor drei Jahren das Restaurant Swiss House «La Casserole». Ein Schweizer Haus ist es wirklich. Die Karte liest sich wie in jedem gutbürgerlichen Schweizer Lokal: Rösti, Bratwurst, Geschnetzeltes, Raclette und Fondue.

Hugo Fischli, Restaurantbetreiber in Vietnam: «Alles, was man, wenn man im Ausland lebt, der Schweiz vorwerfen kann, hat mich angezogen.» (Bild: PD)

Hugo Fischli, Restaurantbetreiber in Vietnam: «Alles, was man, wenn man im Ausland lebt, der Schweiz vorwerfen kann, hat mich angezogen.» (Bild: PD)

Für Fischli ging ein Traum in Erfüllung: in einem warmen Land als Einziger ein Schweizer Restaurant zu eröffnen. Noch heute hat er von dieser Seite keine Konkurrenz, und seine Küche ist bei Schweizern, aber auch bei Deutschen und anderen Nationen weit, weit über Nha Trang hinaus bekannt.

Aber warum gerade Vietnam? Warum ging er, als er wieder die Wärme und das angenehme Klima suchte, nicht zurück nach Thailand? Er sagt: «Für Ausländer gibt es hier einiges mehr an Rechtssicherheit als in Thailand.» Auch wenn hier noch einiges auf «vielleicht» baue, so könne man doch davon ausgehen, dass die Abmachungen eingehalten werden. «Hier fühle ich mich als Ausländer willkommen», so Hugo Fischli.

Ihm ist aber auch klar – und das betont er auch –, dass gerade in Sachen politischer Sicherheit vieles im unsicheren Bereich liegt. Trotzdem: «Mir gefällt es hier. Und drei Jahre sind für ein Restaurant im Ausland eine kurze Betriebszeit.» Die gröbste Aufbauarbeit hat er nun hinter sich. Fischli sagt aber auch, im Vergleich zur Schweiz: «Hier arbeite ich viel für weniger.»

Fondue-Verbrauch steigt und steigt

Auch wenn das Leben in Südostasien als «easy» bezeichnet werden kann, das Organisieren ist mit vielen Tücken verbunden. So braucht es Beziehungen und viele Gespräche, damit das frische Fleisch vom 440 Kilometer entfernten Schweizer Metzger Norbert Ehrbar in Ho Chi Minh City zeitgerecht nach Nha Trang kommt oder damit er immer genügend Fondue oder Raclette an Lager hat. Es sind vor allem Freunde, die ihn auf ihren Reisen nach Nha Trang mit Fondue beliefern. Doch seit einiger Zeit ist der Verbrauch derart hoch, dass er direkt vom Unternehmen Emmi importiert. Hauptsaison ist zwischen Dezember und April. In dieser Zeit «überwintern» einige Schweizer in Nha Trang. Aber auch im Juni und Juli ist die Küstenstadt an der Mündung des Song Cai ein beliebtes Reiseziel. Es herrscht ein meist tropisches Klima mit einer Durchschnittstemperatur von rund 30 Grad.

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch