Kolumne

Auswandern? Nur für Leute mit guten Nerven

Unser Autor zieht Anfang Januar nach Neuseeland. Doch die dortigen Behörden stellten den Auswanderungswilligen auf eine harte Probe.

Matthias Stadler
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Matthias Stadler.

Matthias Stadler.

Visum, Umzug, Flüge und tausend weitere kleine Dinge: Auswandern kostet Nerven – und Zeit. In meinem Fall ist es das Auswandern nach Neuseeland. Vor allem mit dem Visum musste ich mich gefühlt ewig herumschlagen. Es fing an damit, dass ich mich bei einer von Neuseeland anerkannten Ärztin (davon gibt es in der Schweiz genau drei) untersuchen lassen musste. Auch Geburtsurkunde, Strafregisterauszug und eine von einem Notar beglaubigte Unterstützung meiner neuseeländischen Frau galt es einzureichen.

Zudem mussten wir beweisen, dass wir seit mindestens fünf Jahren in einer «stabilen Beziehung» leben. Bis ich alle nötigen Unterlagen für den Antrag zusammen hatte, dauerte es gut einen Monat. Ende April dieses Jahres reichte ich schliesslich den Visumsantrag für eine Niederlassungsbewilligung ein. Ich hoffte, dass die Zeit reichen würde, bis wir am 7. Januar 2020 Richtung Neuseeland abheben, aber sicher war ich mir nicht.

Doch das Warten auf grünes Licht von den neuseeländischen Behörden stellte sich als zeitintensive und bürokratische Herausforderung dar. Es dauerte ein geschlagenes halbes Jahr, bis sich die neuseeländische Einwanderungsbehörde ein erstes Mal bei mir meldete. Die Behörden baten mich, noch weitere Belege bezüglich «stabile Beziehung» einzureichen. Man muss dazu wissen: Ich bin mit meiner Partnerin seit knapp sieben Jahren zusammen, geheiratet haben wir diesen Herbst. X Seiten gemeinsame Mietverträge, Rechnungen mit gemeinsamer Adresse – notabene alle teuer übersetzt –, Fotos, Face­booknachrichten, Flugbillette, Briefe und gar die Hochzeit waren der Einwanderungsbehörde offensichtlich aber auch danach nicht Beweis genug. Ich musste erneut zusätzliche Unterlagen einschicken, um unsere stabile Beziehung zu beweisen.

Ende November war der riesige Datenhunger der Behörde dann doch noch gestillt, mein mulmiges Gefühl aber blieb. Als nächstes galt es, meinen Pass an eine Authentifizierungsstelle zu schicken, um sicherzustellen, dass mein Pass auch tatsächlich einer ist. Die nächstgelegene Stelle ist in London. Das half meinem Nervenflattern Anfang Dezember nicht, der 7. Januar war da schliesslich nicht mehr Ewigkeiten entfernt. Doch Gottseidank ging es wenigstens dieses Mal schnell, ich erhielt den Pass eine Woche später zurück.

Trotzdem blieb das Bibbern. Das wusste auch die Sachbearbeiterin in Neuseeland, doch kümmerte sie dies vorderhand nicht. Nachdem ich telefonisch und per Email mehrere Male auf mein mittlerweile dringendes Anliegen hingewiesen hatte, tat sich dann trotzdem etwas. Ich werde «bald» Bescheid erhalten, teilte sie mir mit. Gut, «bald» kann in zwei Stunden oder zwei Monaten sein, wer weiss das schon. Doch plötzlich war mein Visum da, die Freude gross. Jetzt habe ich es schwarz auf weiss. Dem Auswandern steht nichts mehr im Weg. Übrigens: Der ganze Spass hat mich rund 2500 Franken und eine Menge Nerven gekostet. Aber wenigstens habe ich jetzt Ruhe: Die Niederlassungsbewilligung gilt ein Leben lang. Neuseeland, ich komme.

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