AUSZEICHNUNG: Emmen will kinderfreundlich sein

Die Gemeinde hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem Zertifikat «Kinderfreundliche Gemeinde» von Unicef ausgezeichnet zu werden. Der Themenspielplatz ist ein erster Schritt in diese Richtung.

Oliver Schneider
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Die Gestaltung des Themenspielplatzes konnten Kinder mitentwickeln. (Bild: Philipp Schmidli (Emmen, 24. Januar 2017))

Die Gestaltung des Themenspielplatzes konnten Kinder mitentwickeln. (Bild: Philipp Schmidli (Emmen, 24. Januar 2017))

Oliver Schneider

region@luzernerzeitung.ch

Das Rezept für einen Kinderspielplatz: Man nehme ein Klettergerüst auf weichem Boden, nach Bedarf zu einer Burg ausgebaut, eine ungefährliche Rutschbahn, zwei Schaukeln und eine Grünfläche. So sieht ein Kinderspielplatz ganz nach dem Geschmack eines Erwachsenen aus. Auf einem Spielplatz toben sich meist aber die Kinder aus und nicht die Erwachsenen.

Das ist einer der Gründe, weshalb die Gemeinde Emmen versucht, aktiv eine kinderfreundlichere Gemeinde zu werden. «Die Erwachsenen sind häufig in festen Normen gefangen, nach denen sie ihr ganzes Handeln richten», sagt Sozialdirektor Thomas Lehmann (FDP). Kinder wiederum seien noch frei in ihrem Denken. Durch sie würden ganz neue Ansätze einfliessen, an die Erwachsene niemals denken würden.

Prozess steht im Vordergrund

Vor gut einem Jahr habe Emmen mit Unicef Schweiz Kontakt aufgenommen, die ein Zertifikat für die kinderfreundlichen Gemeinden der Schweiz ausstellt, so Lehmann. Zuerst wurde eine Standortbestimmung erstellt. «Wir sind nicht weit von den Voraussetzungen entfernt, es gibt aber noch immer Dinge, die verbessert werden können.» In erster Linie gehe es um den Prozess und nicht darum, mit dem Label ausgezeichnet zu werden. «Es sind aber noch keine konkreten Projekte in der Pipeline», sagt Lehmann. Ziel sei es einfach, die Kinder in sämtlichen Lebensbereichen in die Gemeinschaft miteinzubeziehen. Ein Beispiel, wo dieser Gedanke bereits umgesetzt wurde, sei der Themenspielplatz in Emmen. Für die Gestaltung seien die Kinder befragt worden, die dann die Möglichkeit hatten, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Die Gemeinde will dieses Jahr mit Unicef zusammenarbeiten, um den Prozess ins Rollen zu bringen. «Unicef hat einen bewährten Leitfaden ausgearbeitet, auf den wir uns stützen können», sagt Lehmann. So müsse das Rad nicht für jede Gemeinde wieder neu erfunden werden. Habe Emmen das Zertifikat «Kinderfreundliche Gemeinde» einmal in der Hand, so werde das auch ganz anders wahrgenommen, als wenn einfach behauptet werde, man mache etwas für die Kinder, so Lehmann. «Der Prozess sieht für jede Gemeinde etwas unterschiedlich aus, dauert im Durchschnitt aber etwa zwei Jahre», sagt Charlotte Schweizer, Mediensprecherin Unicef Schweiz.

Nur wenige Gemeinden ausgezeichnet

Im Kanton Luzern sind momentan aber einzig die Gemeinden Hitzkirch und Wauwil mit dem Zertifikat ausgezeichnet. «Es braucht einfach seine Zeit, bis sich ein solches Projekt in der Gesellschaft herumgesprochen und etabliert hat», sagt Charlotte Schweizer. In den letzten Monaten habe das Interesse aber stark zugenommen. Allein in diesem Jahr sollen nach Unicef Schweiz voraussichtlich zehn neue Gemeinden zertifiziert und weitere sechs rezertifiziert werden.

Christa Thorner vom Departement für Gesellschaft und Soziales der ebenfalls zertifizierten Stadt Frauenfeld sieht den Ursprung, dass so wenige Gemeinden ausgezeichnet sind, an einem anderen Ort: «Kinderpolitik wird in der Schweiz noch immer stiefmütterlich behandelt.» Frauenfeld habe das Zertifikat dennoch angestrebt, weil es einen klaren Standortvorteil mit sich bringe. Dadurch würden Familien mit Kindern angezogen, was einen Mehrwert für die Gemeinde darstelle.

Übrigens: Auch die Stadt Luzern ist momentan dabei, eine Standortbestimmung durchzuführen, sagt Michiel Aaldijk, Leiter der Dienstabteilung Kinder ­Jugend Familie, auf Anfrage.