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AUSZEICHNUNG: Luzernerin rettet Frau aus Flammeninferno – jetzt winkt der Prix Courage

Am 23. Mai brannte ein Wohnhaus in Reussbühl lichterloh. Die 21-jährige Nora Furer rettete einer Frau das Leben, die im Haus eingeschlossen war. Dafür brauchte sie die Unterstützung ihrer Nachbarn – und einen Berg Matratzen.
Nora Furer ist für den Prix Courage 2017 nominiert. (Bild: Christian Schnur)

Nora Furer ist für den Prix Courage 2017 nominiert. (Bild: Christian Schnur)

Es hätte ein ganz normaler Dienstagabend werden sollen. Aber dieser 23. Mai wird Nora Furer den Rest ihres Lebens in Erinnerung bleiben: Gerade kommt sie von einer Joggingrunde zurück, telefoniert mit ihrer Mutter. Da riecht sie den Rauch, sieht das Feuer lodern: «Der ganze Dachstock unseres Nachbarhauses stand in Flammen», sagt die 21-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Anblick geht ihr durch Mark und Bein. Doch das ist nicht alles: «Im obersten Stock sah ich eine Frau am Fenster, hörte sie schreien. Hinter ihr züngelten schon die Flammen.»

Schnell ist klar: Will die Frau überleben, muss sie aus dem Fenster springen. Zehn Meter in die Tiefe. «Ich dachte sofort, das ist viel zu hoch, das kann nicht gut gehen.» In Furer fängt es an zu rattern - wie kann sie bloss helfen? Zuerst denkt sie an Seile oder einen Klettergurt. Den Gedanken verwirft sie sofort wieder – zu kompliziert, zu umständlich. Vor allem aber: zu langwierig. Eile ist gefragt. Da kommt ihr der rettende Gedanke: «Ich habe meinen Nachbarn und Mitbewohnerinnen zugerufen, sie sollen ihre Matratzen aus dem Haus holen.» Furer hastet selber ins Haus, holt ihre eigene Matratze. Vor dem Nachbarhaus türmen sie die Schlafunterlagen zu einem Berg auf. Auf die weiche Unterlage soll die Frau springen.

Ob die Aktion gelingt, ist fraglich. Die Eingeschlossene ist verängstigt, kann sich nicht zum Sprung überwinden. Furer rennt deshalb ins brennende Haus: «Ich dachte, vielleicht kann ich der Frau helfen, indem ich sie vom darunterliegenden Fenster ins Innere ziehe.» Als sie das Haus betritt, schlägt ihr die Hitze entgegen, der Rauch raubt ihr den Atem. Sie muss einsehen, dass sie nie und nimmer in den obersten Stock kommen wird. «Die Decke drohte einzustürzen.» Also dreht sie um. In diesem Moment nimmt die Frau zuoberst allen Mut zusammen. Und springt. Die Rettung gelingt: Sie trifft die Matratzen, überlebt. Zwar verletzt sie sich laut Furer an der Bandscheibe, «aber es hätte viel schlimmer kommen können.» (wir berichteten)

«Wir waren an diesem Abend alle sehr nachdenklich»

Sehr speziell sei die Aktion gewesen, sagt die 21-Jährige im Rückblick. Während der Rettung habe sie nicht nachgedacht, nur gehandelt. «Ich war voller Adrenalin.» Danach sei der Stress abgefallen, die Erschöpfung gekommen. Und mit ihr die Gedanken über das Leben und den Tod. «Wir waren an diesem Abend alle sehr nachdenklich in unserer WG. Aber natürlich in erster Linie froh, dass alle mehr oder weniger heil davongekommen sind.»

Nun, vier Monate nach dem Brand, wird das Engagement der Luzernerin gewürdigt. Sie ist für den Prix Courage nominiert – also für jenen Preis, den der «Beobachter» seit 1997 für ausserordentliche und mutige Taten verleiht. «Die Schweiz braucht Leute, die handeln, wo Zuwarten andere gefährdet. Diese Menschen gibt es», sagt Beobachter-Chefredaktor Andres Büchi. (Hier geht es zur Abstimmung)

Was bedeutet Nora Furer diese Ehre? «Auf eine Art sehr viel. Mein Vater hat mich für den Preis vorgeschlagen. Das ist seine Art zu zeigen, dass er stolz auf mich ist.» Trotzdem überlegt die Studentin für Design Management an der Hochschule Luzern lange, ob sie die Nominierung annehmen will: «Für mich ist es selbstverständlich, jemandem zu helfen, wenn er in Not ist. Deshalb fand ich es komisch, dafür vielleicht einen Preis zu erhalten.» Nach Gesprächen in der Familie und mit Freunden entscheidet sie sich dazu, die Ehre anzunehmen: «Vielleicht kann ich andere Leute so motivieren, in einer ähnlichen Situation auch aktiv zu werden.»

Beim Sieg winkt den Mitbewohnern ein «Znacht»

Zusammen mit Furer sind sieben weitere Personen für den Preis nominiert, der am 17. November in Zürich verliehen wird. Und der mit 15'000 Franken dotiert ist. Was würde Furrer mit dem Geld tun, falls sie den Preis tatsächlich gewinnen sollte? Sicher ist sie sich noch nicht, allerdings hat sie einen Wunsch. Einen bescheidenen: «Wir sind bei uns in der WG ja alles Studenten.» Sie alle hätten darum eher knappe Budgets: «Deshalb würde ich sicher meine Mitbewohner zum Znacht einladen, Restaurantbesuche liegen bei uns üblicherweise nicht drin.»

Auch ein Goldauer für den Preis nominiert

Nebst Nora Furer aus Luzern winkt der Prix Courage auch Erwin Hammer aus Goldau. Zehn Jahre lang hat er sich dafür eingesetzt, dass eine besonders schützenswerte Landschaft erhalten bleibt - nämlich das Gebiet Bernerhöhe in Lauerz. «Das historisch und charakterlich einmalige Gebiet am Lauerzersee sollte einer rund 600'000 grossen Deponie für Aushubmaterial und Bauabfälle weichen», heisst es in einer Medienmitteilung des «Beobachters». Hammer wehrte sich gegen die Deponie - und das erfolgreich: Im Jahr 2016 anerkannte das Schwyzer Verwaltungsgericht ein Gutachten der Eidgenössischen Heimatschutzkommission, welche das Areal als Schutzgebiet von nationaler Bedeutung einstufte. (kük)

Brand eines Wohnhauses in Reussbühl. (Bild: Leserbild Theres Nussbaumer)

Brand eines Wohnhauses in Reussbühl. (Bild: Leserbild Theres Nussbaumer)

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