AUSZEICHNUNG: Micheline Klapproth erhält Anerkennungspreis der Gemeinde Horw

Ihre Liebe gehört der Natur und der Kultur. Auch als Journalistin hat sich Micheline Klapproth (87) dafür eingesetzt. Nun hat ihr die Gemeinde den Anerkennungspreis verliehen.

Pirmin Bossart
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Kulturpreisträgerin Micheline Klapproth bei sich zu Hause in Horw. (Bild: Corinne Glanzmann (12. Januar 2017))

Kulturpreisträgerin Micheline Klapproth bei sich zu Hause in Horw. (Bild: Corinne Glanzmann (12. Januar 2017))

Micheline Klapproth ist eine liebenswürdige Frau. Klein gewachsen und vom Alter gebeugt sitzt die 87-Jährige am Tisch. Trotz ihres Alters ist ihr Haar noch fast schwarz. Die Augen wandern lebhaft, und in wohlgeformten Sätzen erzählt sie dem Journalisten von ihrem Leben.

Nach einer Ausbildung zur Dolmetscherin in Genf hat Micheline Klapproth jahrzehntelang für Zeitungen und Magazine Artikel geschrieben. 1977 begann sie beim «Luzerner Tagblatt», später arbeitete sie für die «Luzerner Zeitung». «Ich habe geschrieben, seit ich mich erinnern kann», lächelt sie. «Schon als kleines Kind habe ich eine Zeitschrift für meine Puppen gemacht. Ich habe mit geometrischen Schablonen und Farben Bilder gemalt und die Blätter zu kleinen Heftchen gefaltet, damit auch meine Puppen etwas zum Anschauen hatten.»

Eine Puppe von Niels Bohr

Eine besondere Puppe bekam sie einmal vom bekannten Physiker Niels Bohr geschenkt. «Ich gab ihr den Namen Niels.» Ihr Vater Ferdinand Gonseth war Professor für Mathematik und Philosophie an der ETH Zürich. Er kannte Persönlichkeiten wie Jean Piaget, C. G. Jung, und auch mit der Familie Einstein waren die Eltern befreundet.

Micheline Klapproths Themen waren jedoch Theater, Musik, Tanz und Bildende Kunst. «Leider ist diese Rubrik mit der Zeit immer kleiner geworden.» Klapproth schrieb immer mit viel Wohlwollen und liess sich von den Theatervorstellungen und Bildern begeistern. «Ich habe nicht gerne kritisiert», sagt sie. «Dreimal im Leben habe ich etwas nicht so Schönes geschrieben und bereue es jetzt noch.» Aber, fügt sie an, sie habe ihre Artikel nie extra beschönigt. «Dahinter war immer ein echtes Gefühl. Es musste stimmen für mich.»

Mit ihren Artikeln und Fotoreportagen habe sie «wesentliche Aspekte der Horwer Kultur einem breiten Publikum bekannt und zugänglich» gemacht, hält die Gemeinde in der Urkunde des mit 10 000 Franken dotierten Anerkennungspreises fest, den sie Klapproth Anfang Jahr überreicht hat. Vor ein paar Jahren etwa veröffentlichte sie mit «Musette auf Schatzsuche» ein Büchlein über Eremiten, den Jakobsweg und die Pfahlbauer in Horw. Auch das Winkel-Quartier lag ihr am Herzen. In der Urkunde wird unter anderem ihr langjähriges Engagement für den Erhalt der Dreikönigskapelle und des historischen Zollhauses erwähnt.

Mindestens so wichtig wie das Kulturelle ist für Klapproth die Natur, «die Grundlage des Menschen». Diese dürfe man «nicht leichtfertig den kommerziellen Interessen opfern». Früher habe man bei Bauprojekten immer damit argumentiert, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. «Aber man muss doch nicht alles kaputtmachen, um das zu erreichen.» In den letzten Jahren habe sich die Situation auch in Horw gebessert. «Die Mentalität hat sich gewandelt. Das freut mich.»

Bis heute schreibt Klapproth gelegentlich Artikel, etwa für den «Blickpunkt Horw», das Mitteilungsblatt der Schönstatt-Patres, oder das Pfarrblatt. Lesen kann sie nur noch mit einer grossen Lupe. «Ich habe zum Glück ein paar Helfer, die mich unterstützen und meine von Hand geschriebenen Artikel in den Computer tippen.» Noch immer geht sie selber einkaufen mit Unterstützung der Spitex. Zusammen mit ihrem Sohn Werner, der den oberen Stock bewohnt, kocht sie und schaut zum Rechten. Auch ihr ältester Sohn Stephan, bekannt als Moderator beim SRF, kommt sie ab und zu besuchen.

Die zierliche Frau, deren Antennen noch quicklebendig eingestellt sind, fühlt sich mit dem Anerkennungspreis der Gemeinde Horw geehrt. «Ich sehe das als eine Bestätigung dafür, dass ich mit meinem Engagement doch auf dem richtigen Weg gewesen bin. Es war nicht immer leicht. Der Preis hat mir wahnsinnig Freude gemacht. Es ist das Schönste, das mir passieren konnte.»

Pirmin Bossart

 

region@luzernerzeitung.ch