Autobahn A 2 braucht dringend Entlastung

Reporter Alexander von Däniken über den Anschluss Emmen Nord

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Die Situation rund um den A2-Anschluss Emmen Nord.

Die Situation rund um den A2-Anschluss Emmen Nord.

Blechlawinen wälzen sich über die Autobahn A 2 zwischen Emmen Nord und Verzweigung Rotsee – ein alltägliches Bild. Alleine zwischen 2008 und 2013 registrierte eine Zählstelle des Bundesamts für Strassen (Astra) auf der Höhe des Wohncenters Emmen einen Verkehrszuwachs von 12,5 Prozent (Ausgabe vom 11. November). Nur noch beim Gubristtunnel auf der A 1 nimmt der Verkehr noch stärker zu, um 13,1 Prozent im gleichen Zeitraum.

Und es dürfte noch schlimmer kommen: Das Astra rechnet für den Grossraum Emmen mit einem weiteren Verkehrszuwachs von 19 Prozent bis ins Jahr 2030. Das würde in absoluten Zahlen bedeuten: Fuhren im Jahr 2013 durchschnittlich 77 764 Fahrzeuge pro Tag an der oben genannten Messstelle vorbei, sind es in 16 Jahren bereits deren 92 539 pro Tag – oder 64 Autos pro Minute.

Das ist nicht nur für die Emmer ein Problem, sondern betrifft alle, die mit dem Auto von Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden nach Zürich, Bern oder Basel und zurückfahren.

Das Astra führt die Verkehrszunahme der letzten Jahre auf drei Ursachen zurück: die Eröffnungen der Autobahn durchs Knonaueramt (2009) und des Anschlusses Buchrain (2011) sowie den 6-Spur-Ausbau Blegi-Rütihof bei Cham (2012). Diese Veränderungen betrafen allerdings die A 4 und die A 14, nicht aber die A 2. Die Nagelprobe anhand der Verkehrsdaten des Astra zeigt: Zwischen 2012 und 2013 hat der Verkehr auf der A 14 beim Rathausentunnel um 5 Prozent zugenommen, auf der A 2 vor der Verzweigung Rotsee aber um 6,3 Prozent.

Zwischenfazit: Die vom Astra angeführten Veränderungen auf der A 4 und der A 14 können sich durchaus auf den Verkehrszuwachs der A 2 auswirken, diesen aber nicht vollständig begründen.

Der Mehrverkehr dürfte auch Folge einer Massnahme sein, welche das Astra im Dezember 2012 beschlossen hat. Die Rede ist von der Schliessung der Ein- und der Ausfahrt Richtung Bern/Basel beim Autobahnanschluss Emmen Nord. Zu dieser Teilschliessung hat sich der Bund entschlossen, weil im November 2011 der Autobahnanschluss Rothenburg eröffnet wurde.

Das Ziel, den Verkehr Richtung Anschluss Rothenburg zu verlagern, hat das Astra aber nur teilweise erreicht, wie eine Verkehrszählung ergeben hat. Zwischen Lohrensagi und dem Anschluss Rothenburg wurden statt der prognostizierten 18 000 Fahrzeuge nur durchschnittlich 14 300 pro Tag gemessen. Und auf der Stationsstrasse waren es statt 12 400 nur 10 000 Autos.

Weil aber der Verkehr rund um den Teilanschluss Emmen Nord abgenommen hat, hält das Astra trotzdem fest, «dass die mit dem Projekt angestrebte Verlagerung des Verkehrs eingetroffen ist und sich das neue Verkehrsregime vollumfänglich bewährt». Dass der Autobahnabschnitt zwischen Emmen Nord und Emmen Süd nun ebenfalls stärker belastet wird, begründete das Astra zuerst lapidar mit einem «Verlagerungseffekt», dann mit den erwähnten Massnahmen auf der A 4 und der A 14. Nicht aber mit der Teilschliessung von Emmen Nord.

Doch dabei bleibt es nicht: Seit der Teilschliessung berichten zahlreiche Einwohner und örtliche Politiker, dass auch die Kantons- und Gemeindestrassen im Raum Emmen stärker belastet werden. Alleine die Tatsache, dass die FDP Emmen im Sommer 2012 11 646 Unterschriften für ihre Petition zum Erhalt des Vollanschlusses gesammelt hat, spricht Bände.

Doch die Forderung aus Emmen ist in Bern bisher auf taube Ohren gestossen. Genau wie der spätere Kompromissvorschlag, die Einfahrt Richtung Basel für Fahrzeuge, die aus Rothenburg kommen, wieder zu öffnen.

Eine unglückliche Figur gibt aber nicht nur der Bund ab, sondern auch der Luzerner Regierungsrat. Zuerst sicherte er zögerlich zu, sich beim Bund für den Vollanschluss einzusetzen. Spätestens seit Bekanntgabe der Verkehrszählung lässt er die Emmer aber in der Blechlawine stehen.

Dabei hätte der Regierungsrat jetzt allen Grund, sich zumindest für eine befristete Wiedereröffnung des Vollanschlusses Emmen Nord starkzumachen: Bis 2018 wird der Seetalplatz in Emmenbrücke umgebaut – und dadurch ausgerechnet der Anschluss Emmen Süd stärker belastet.

Die Autobahn A 2 wird als Nord-Süd-Achse im Schweizer Strassenverkehr immer wichtiger. Beim Seelisbergtunnel stieg der Verkehr innerhalb eines Jahres um 7,3 Prozent an – so stark wie nirgends in der Schweiz im gleichen Zeitraum. Anders als beim Grossraum Luzern führt die A 2 in Nidwalden und Uri aber nicht durch dicht besiedeltes Gebiet. Die Zahlen bestätigen die Ausnahme, wonach es zwei Kilometer neben dem Anschluss Rothenburg auch einen vollwertigen Anschluss Emmen Nord braucht. Ob der Bund einlenkt, wird sich noch zeigen: Eine entsprechende Motion aus dem Nationalrat von Ende September ist noch hängig.