Autobahn-Bypass: Kriens kämpft für grüne Überdachung bis zum Tunnel Schlund

Die Autobahn soll auf der ganzen Länge zwischen dem Sonnenberg-Portal und Tunnel Schlund eingehaust werden. Das fordert der Krienser Stadtrat im Auftrag des Parlaments. Die Vision heisst «Chance Bypass».

Hugo Bischof
Drucken
Teilen

Aktuell läuft das Plangenehmigungsverfahren für das Gesamtprojekt «Bypass», die vom Bund geplante Autobahn-Umfahrung im Grossraum Luzern. Dieses sieht unter anderem zwei zusätzliche Tunnelröhren durch den Sonnenberg für den Transitverkehr vor. Damit sollen die bestehenden Tunnels Reussport und Sonnenberg zur Stadtautobahn für den Lokalverkehr werden. Der umstrittenste Teil des 1,8-Milliarden-Projekts liegt dabei im Krienser Grosshof. Dort soll der Bypass in die bestehende Autobahn einmünden. Gemäss dem ursprünglichen Projekt hätte das heutige Südportal des Sonnenberg-Tunnels von 30 auf 70 Meter (neu 8 Spuren) verbreitert werden sollen. Nachdem die Standortgemeinde Kriens eine Nachbesserung des Projektes verlangt hatte, erarbeitete das Bundesamt für Strassen (Astra) einen Kompromissvorschlag, für den anfangs Juni das Plangenehmigungsverfahren begann. Er sieht eine Verlängerung des heutigen Lärmschutzdachs über die Grosshofbrücke bis zur heutigen Ein-/Ausfahrt vor. Die Verlängerung beträgt rund 240 Meter und soll ein begrüntes und begehbares Dach aufweisen:

Autobahn A2: aktuelle Situation und Vision im Vergleich

Bild: PD

Doch auch dies geht Kriens zu wenig weit. Der Krienser Einwohnerrat hat dem Stadtrat deshalb den Auftrag erteilt, sich für weitere Projektverbesserungen stark zu machen. Diesen Auftrag hat der Krienser Stadtrat jetzt umgesetzt. Am Mittwoch präsentierte er zusammen mit weiteren Projektpartnern seine städtebauliche Vision für den Raum der Autobahn A2 unter dem Titel «Chance Bypass». Dieser Name solle unterstreichen, «dass sich Kriens zusammen mit gewichtigen Mitträgern nicht gegen das Autobahnprojekt des Bundes, sondern für nachhaltige flankierende Massnahmen einsetzt», sagte Stadtpräsident Cyrill Wiget.

Als die Autobahn im Jahr 1954 eröffnet wurde, war das Gebiet weitgehend unbebaut.
6 Bilder
Historisches Bild aus der Bauzeit der Autobahn A2.
So zeigt sich die Situation bei der Autobahn in Kriens heute.
Viel Verkehr auf der A2: Die Stadt Kriens will die Anwohner vor Lärm schützen.
Mit der Vision «Chance Bypass» soll die Autobahn überdacht und begrünt werden. Die Visualisierung zeigt den Blick aus Richtung Pilatus.
So sieht die Visualisierung von Richtung Sonnenberg.

Als die Autobahn im Jahr 1954 eröffnet wurde, war das Gebiet weitgehend unbebaut.

Bild: PD

Mit der Vision «Chance Bypass» schlägt der Stadtrat die Einhausung der Autobahn auf der ganzen Länge zwischen Sonnenberg und Tunnel Schlund vor, also auf einer Länge von rund 1 Kilometer. «Die gedeckte Autobahn erweitert städtebaulich die Möglichkeiten, indem sich die Wohn- und Arbeitsgebiete in ihrer Ausrichtung nicht mehr von der lärmintensiven Autobahn abwenden müssen», sagte der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn. Auf dem Dach der eingehausten Autobahn soll neuer Lebensraum entstehen: Ein «Stadtpark» mit Freizeiträumen, Familiengärten, Spielanlagen, Wegen sowie weiteren städtebaulichen Aufwertungsmassnahmen.

Sollte das heute offene Teilstück zwischen Sonnenberg- und Schlundtunnel geschlossen werden (gemäss Wunsch aus Kriens), entsteht eine unterirdische Verbindung zwischen Rotsee und Ausfahrt Horw (ca. 6 Kilometer).

Sollte das heute offene Teilstück zwischen Sonnenberg- und Schlundtunnel geschlossen werden (gemäss Wunsch aus Kriens), entsteht eine unterirdische Verbindung zwischen Rotsee und Ausfahrt Horw (ca. 6 Kilometer).

«Dank intelligenter Planung», so Matthias Senn, «könnten zudem zerschnittene Querverbindungen innerhalb der Quartiere wieder geflickt werden, womit die Nachbargemeinden Kriens, Luzern und Horw in der Agglomeration näher zusammenwachsen. So kann zusammen städtebaulich entwickelt werden, was zusammengehört.»

Hier setzt die Vision «Chance Bypass» an: der heute überdachte Bereich beim Tunnelportal (rot) und der vom Astra vorgeschlagene Kompromiss (Überdachung Grosshofbrücken, blau) soll bis zum Tunnel Schlund erweitert und eingehaust werden (gelb).

Hier setzt die Vision «Chance Bypass» an: der heute überdachte Bereich beim Tunnelportal (rot) und der vom Astra vorgeschlagene Kompromiss (Überdachung Grosshofbrücken, blau) soll bis zum Tunnel Schlund erweitert und eingehaust werden (gelb).

Bild: PD

Der Grosshof werde ohnehin für über 10 Jahre zur Grossbaustelle, sagte Senn: «Diese Zeit soll als Chance genutzt werden, um die Einhausung zu realisieren.» So werde das «Jahrhundertprojekt» zur «Jahrhundertchance für den Kanton Luzern.» Deshalb sucht Kriens jetzt zusammen mit dem Kanton Luzern, benachbarten Gemeinden sowie dem regionalen Entwicklungsträger LuzernPlus den Dialog mit dem Bund. Dabei schliesse Kriens auch den Weg vor Gericht nicht aus. «Der Rechtsweg ist für Kriens jedoch nicht im Vordergrund, er ist eine zusätzliche Basis, um an einem runden Tisch mit dem Bund eine Lösung zu finden», betonte Cyrill Wiget.

Unterstützung erhält die Vision «Chance Bypass» auch vom Gemeindeverband Luzern Plus, dem 24 Gemeinden angehören. Dessen Geschäftsführer Armin Camenzind betonte: «Wir setzen uns für eine stadtverträgliche Lösung ein. Die jetzige Situation, wo zwei Stadtteile durch eine Autobahn getrennt sind, ist nicht im Sinn der Region.» Wegen der Nähe von Institutionen wie Südpol und Hochschule Musik sei auch die Stadt Luzern interessiert an einer städtebaulich guten Lösung, sagte Daniel Meier, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Luzern. Ein fulminantes Plädoyer zugunsten einer vollständigen Autobahn-Überdachung lieferte Räto Camenisch, Krienser SVP-Kantonsrat und Präsident des Komitees «Bypass so nicht». Er betonte: «Sorgen wir dafür, dass die Jahrhundert-Chance nicht zur Jahrhundert-Schande wird!»

Mehrkosten von 700 Millionen Franken?

Mit dem «Bypass» soll der Transitverkehr um die Stadt Luzern geleitet werden. Das Projekt beinhaltet unter anderem den Ausbau zwischen der Verzweigung Rotsee und dem Anschluss Buchrain auf je drei Fahrstreifen in jede Richtung, den Bau einer dritten Röhre beim Tunnel Rathausen sowie den Ausbau der Verzweigung Rotsee. Die Kosten dafür belaufen sich auf 1,8 Milliarden Franken und werden vollumfänglich vom Bund getragen. Wie viel die Verlängerung der Autobahn-Überdachung in Kriens kosten würde, ist noch unklar. Der Bund rechne dafür mit Mehrkosten von rund 700 Millionen Franken, sagte der Krienser Stadtpräsident am Rand der Medienkonferenz.

Es gehe nicht darum, das Bypass-Projekt zu verhindern, betonte Wiget. Dessen Nutzen für den Transitverkehr sowie für den regionalen Verkehr sei unbestritten. An der Funktion des Bypass-Projekts solle deshalb nicht gerüttelt werden. «Chance Bypass» wolle vielmehr die negativen Auswirkungen auf die Standortgemeinde nach 70 Jahren mildern, so der Krienser Stadtrat. Bei einem prognostizierten Verkehrswachstum im Sonnenberg von bis zu 25 Prozent (mit oder ohne Bypass) werde dies auch nötig sein, sind sich die Initianten der Vision einig.

Kriens kämpft für eine überdachte Autobahn: Die historischen Fakten

  • 1954: Eröffnung des Strassenabschnitts von Luzern nach Horw., der als älteste Autobahn der Schweiz gilt.
  • 1976: Eröffnung des Sonnenbergtunnels. Der Verkehr wächst schnell und stark.
  • 1983: Ein Projekt, das sich auf Lärmschutzwände beschränkt, wird von der Bevölkerung verhindert.
  • 1994: Ein Gesamtprojekt zur Lärmsanierung der Autobahn im Grosshof wird aufgelegt. Fachleute erachten eine Überdachung des Tunnelportals um 460 Meter als ideal.
  • 2000: Teilüberdachung der Autobahn in Kriens und Horw. Der Verkehr wird in den Tunnels Spier und Schlund unterirdisch geführt. Zwischen dem Tunnel Schlund und dem Sonnenbergtunnel bleibt die Autobahn offen.
  • 2003: Abschluss der Lärmsanierung im Grosshof mit drei bis fünf Meter hohen Lärmschutzwänden entlang des Trassees.
  • 2014: Bund und Kanton schicken das Gesamtprojekt «Bypass» in die Vernehmlassung. Es besteht aus einem zweiten Autobahntunnel, der Spange Nord in Luzern und flankierenden Massnahmen. Kriens will die Realisierung des Projekts nur nach grundlegenden Verbesserungen hinnehmen.
  • 2017: Das Bundesamt für Strasse (Astra) lehnt eine Einhausung ab, weil sie technisch nicht realisierbar sei. Im Sinne eines Kompromisses schlägt das Astra die Verlängerung der Überdachung auf der Grosshofbrücke um 240 Meter vor.
  • 2019: Der Krienser Gemeinderat fordert eine Verbesserung des Projekts und startet mit der Entwicklung einer Vision.
  • 2020: Die Vision Chance Bypass wird vorgestellt. Sie sieht die Einhausung der Autobahn zwischen Portal Sonnenberg und Tunnel Schlund vor.
Mehr zum Thema