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Automatische Rechnungskopie für Patienten: Bundesratspläne sorgen in Luzern für laute Kritik

Dass Patienten nach dem Spitalaufenthalt zwingend eine Rechnungskopie erhalten sollen, ist in Luzern umstritten.
Evelyne Fischer
Patienten sollen standardmässig mit einer Aufstellung der im Spital erbrachten Leistungen bedient werden. (Symbolbild: Eddy Risch/Keystone)

Patienten sollen standardmässig mit einer Aufstellung der im Spital erbrachten Leistungen bedient werden. (Symbolbild: Eddy Risch/Keystone)

Um die steigenden Kosten im Gesundheitswesen einzudämmen, hat der Bundesrat letzte Woche das erste von zwei Massnahmenpaketen verabschiedet. Häufiger günstigere Generika verkaufen, lautet ein Ziel. Zwingender Versand von Rechnungskopien an Patienten ein anderes. Dies soll die Kontrolle der erbrachten Leistungen erleichtern, aber auch das Kostenbewusstsein der Patienten stärken. Ärzte, Spitäler oder Therapeuten, die sich nicht an die Vorgaben des Gesetzes halten, sollen neu mit Bussen bis zu 20'000 Franken bestraft werden können (Artikel vom 22. August).

Bislang gegen den zwingenden Versand von Rechnungskopien gesträubt hat sich der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP). Bereits in der Vernehmlassung zur Bundesvorlage habe die Regierung festgehalten, dass man das Ziel der Transparenzerhöhung zwar unterstütze, ein Automatismus beim Kopienversand aber der falsche Weg dafür sei, teilt Graf mit. «Die vorgeschlagene Regelung ist nicht geeignet, weil die Rechnung kaum verständlich ist für Laien und deshalb auch viele Rückfragen gestellt würden.»

Graf sieht Krankenkassen in der Pflicht

Besser wäre es laut Graf, wenn Versicherte eine Kopie verlangen können und Krankenkassen (siehe Kasten am Ende des Textes) auf der Leistungsabrechnung die nötigen Angaben machen. «Denn diese müssen den Versicherten ohnehin eine Abrechnung über Selbstbehalt, Franchise und Spitalkostenbeitrag vorlegen.» Zur Einordnung: Das Luzerner Kantonsspital versendet heute auf Wunsch rund 500 Rechnungskopien pro Jahr.

Gesundheitsdirektor Graf hält fest, die Massnahme würde das System mit einem «enormen Mehraufwand ohne entsprechenden Nutzen» belasten. Eine konkrete Zahl kann Graf nicht nennen. Vor zwei Jahren sprach sein Departement von «Kosten in Millionenhöhe.» Graf sagt:

«Ich bin der Meinung, dass die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen besser eingesetzt werden sollten als mit zusätzlicher Bürokratie.»

Auf wann die Massnahme eingeführt werden könnte, lässt er offen. «Wir warten nun ab, wie die Vorschläge des Bundesrates im Parlament diskutiert werden.»

Kantonsspital befürchtet massiven Mehraufwand

Massgeblich davon betroffen wäre das Luzerner Kantonsspital. Das Luks behandelt pro Jahr rund 43000 Patienten stationär und verzeichnet über 600'000 ambulante Patientenkontakte. Hansjörg Schmid, Departementsleiter Finanzen und Personal, sagt:

«Patienten unaufgefordert und standardisiert eine Rechnungskopie zukommen zu lassen, würde für uns als sehr grossen Leistungserbringer einen ungemein höheren administrativen Mehraufwand bedeuten und hohe finanzielle Kosten mit sich bringen.»

Pro Tag verschickt das Luks im Schnitt 2000 Rechnungen an Krankenversicherer. «Von allen müsste auch eine Kopie an die Patienten gehen», sagt Schmid, ohne die Mehrausgaben konkret zu beziffern. Er weist darauf hin, dass gewisse Krankenkassen ihren Versicherten schon heute über elektronische Portale Einsicht in die Originalrechnungen ermöglichen. «Ohne brieflichen Massenversand.»

Hirslanden-Klinik bevorzugt Fachexperten

Auch die Luzerner Hirslanden Klinik St. Anna beobachtet die Entwicklungen in Bundesbern genau. Lukas Hadorn, Leiter der Klinikkommunikation, sagt:

«Wir halten eine Rechnungskontrolle durch die Fachexpertinnen und -experten der Krankenkassen weiterhin für die beste Lösung.»

Dies unter anderem deshalb, weil die aufgelisteten Tarifposten oft schwer verständlich sind, was zu Rückfragen führen würde. «Die Hirslanden Klinik St. Anna verschickt schon heute automatisch eine Rechnungskopie an all jene Patientinnen und Patienten, die während eines stationären Aufenthalts zusätzliche Leistungen in Anspruch genommen haben. Das ist in etwa der Hälfte unserer rund 12'000 stationären Aufenthalte pro Jahr der Fall.»

Ausserdem könne jeder Patient eine Rechnungskopie einfordern, was aber im Schnitt nur zehn Mal pro Woche vorkomme. Das automatische Verschicken von Kopien in allen Fällen «würde den Versand von rund 100'000 zusätzlichen Rechnungen im Jahr bedeuten. Der signifikante Aufwand, der damit verbunden wäre, steht in keinem Verhältnis zu einem potenziellen Mehrnutzen.»

Keine einheitliche Regelung in Zug

Im Nachbarkanton Zug ist die Handhabung in puncto Rechnungskopien unterschiedlich: Während die Andreas-Klinik (Hirslanden) in Cham ihre Patienten bereits heute automatisch mit einer Kopie bedient, ist dies beim Kantonsspital wie in Luzern nur auf Wunsch der Fall. Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister (CVP) sagt denn auch: «Bislang wird diese Massnahme noch nicht überall konsequent umgesetzt.» Er unterstütze zwar grundsätzlich die geltende gesetzliche Regelung, wonach Versicherte eine Rechnungskopie erhalten müssen. «Das stärkt einerseits das Kostenbewusstsein, andererseits können Rechnungen bei Bedarf korrigiert werden.» Dennoch gibt er zu bedenken:

«Spitalrechnungen sind für Laien in der Regel kaum verständlich. Es wäre Übersetzungsarbeit vonnöten, die bisher überall fehlt.»

Somit sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis unklar. «Darum haben wir bisher nicht interveniert.» Geklärt werden müsste zudem, wie mit den ambulanten Spitalrechnungen umzugehen ist. «Aufgrund der politischen Debatte werden wir die Situation aber nochmals überprüfen.»

Krankenkassen pochen auf die Mithilfe der Patienten

Bei den in Luzern ansässigen Krankenversicherern CSS und Concordia, die zu den grössten Krankenkassen hierzulande gehören, kommen die Pläne des Bundesrats gut an. «Diesen Entscheid begrüssen wir sehr», sagt CSS-Mediensprecherin Nina Mayer. «Mit einer konsequenten Rechnungskontrolle können Patientinnen und Patienten mithelfen, unnötige Kosten zu verhindern.» Da die CSS keinen Einblick in die erfolgte Behandlung habe, seien einzig Patienten in der Lage, Unregelmässigkeiten zu erkennen. «Etwa einen nicht korrekten Behandlungsgrund.» Mayer räumt ein: «Es kann kompliziert sein, Leistungsabrechnungen richtig zu lesen. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, den Versicherten dazu Hilfe zu bieten.»

Auch die Concordia unterstützt den automatischen Versand von Rechnungskopien. «Nur die Versicherten können kontrollieren, ob die aufgeführten Leistungen im verrechneten Umfang erbracht worden sind», sagt Astrid Brändlin, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Sie betont: Dass Versicherte eine Rechnungskopie erhalten müssen, sei bereits heute im Krankenversicherungsgesetz (KVG) festgehalten. «Nur haben diese Vorgabe bis jetzt viele Leistungserbringer nicht umgesetzt.»
Concordia hat letztes Jahr 7,8 Millionen Rechnungen verarbeitet. Durch die interne Kontrolle konnten 2018 laut Brändlin 328 Millionen Franken eingespart werden. «Hochgerechnet auf die Schweiz und alle Krankenversicherer sind das Einsparungen von rund 4,5 Milliarden Franken.» Ein enormer Betrag.

Mannigfaltige Fehlerquellen
Die CSS fordert ihre Versicherten zur Überprüfung von Rechnungen auf, setzt aber primär auf die interne Kontrolle. «Im letzten Jahr haben wir alle 17 Millionen Rechnungen, die bei der CSS eingegangen sind, unter die Lupe genommen. Dabei konnten 622 Millionen Franken eingespart werden», so Mayer. Fast jede vierte Rechnung werde aufgrund von Auffälligkeiten manuell weiterbearbeitet. Gründe für diese sogenannte «Auslenkung» seien zum einen Fehler in der Rechnungsstellung. «Tarifregeln werden falsch angewandt, inkorrekte Medikamentenpreise verrechnet», sagt Mayer. «Es kommt auch vor, dass irrtümlich nicht versicherte Leistungen in Rechnung gestellt werden.»

Concordia wies aus ähnlichen Gründen im letzten Jahr rund 400'000 Rechnungen zurück. «Es kommt auch vor, dass Leistungserbringer Positionen in Rechnung stellen, zu deren Verrechnung sie laut KVG nicht berechtigt sind», sagt Brändlin. «Der Leistungserbringer muss anerkannt sein für die Leistung, die er erbringt. Ein Physiotherapeut etwa darf kein Röntgenbild verrechnen.» Auch werde manchmal ein Notfallzuschlag verrechnet, ohne dass ein Notfall vorliege. «Oft werden überdies Tarife falsch angewandt. Wenn beispielsweise im Tarif steht, dass jemand 15 Physiotherapiesitzungen braucht, dürfen nicht 30 verrechnet werden.»

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