AWARD: Preisträger Hecht: «Nun haben wir ein Luxusproblem»

Es hat eingeschlagen wie eine Bombe: Die Seetaler Band Hecht gewinnt einen Swiss Music Award – und ist plötzlich berühmt.

Rahel Schnüriger
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Geben immer Vollgas: Die Hechten in ihrem Proberaum in Zürich mit (von links) Daniel Gisler, Stefan Buck, Rolf Furrer und Philipp Morscher (Christoph Schröter fehlt). (Bild: Rahel Schnüriger / Neue LZ)

Geben immer Vollgas: Die Hechten in ihrem Proberaum in Zürich mit (von links) Daniel Gisler, Stefan Buck, Rolf Furrer und Philipp Morscher (Christoph Schröter fehlt). (Bild: Rahel Schnüriger / Neue LZ)

So richtig fassen können es die Jungs von Hecht immer noch nicht. «Jedes Mal, wenn ich daran denke, geht es mir gleich gut», beschreibt Bassist Philipp Morscher das Gefühl. Und die Bandkollegen nicken lächelnd in Erinnerung an den Freitagabend, an dem ihr Name vor den Augen sämtlicher Schweizer Musik-Prominenz ausgerufen wurde. Gerade mal ein Album (Wer zerscht sMeer gsehd) hat Hecht herausgegeben und wurde dafür am Swiss Music Award schon als «Best Talent National» gekürt.

Ein Teil des Talents führt ins Luzerner Seetal, wo die Urformation der Hechte mit 16 Jahren als Kanti-Band in Hochdorf angefangen hat, Musik zu machen. Mittlerweile sind nochmals 16 Jahre vergangen, und die Seetaler Stefan Buck (Gesang), Christoph Schröter (Gitarre) und Rolf Furrer (Schlagzeug) haben sich mit zwei Zürchern zusammengetan, um mit ihnen vier Jahre an dem Mundart-Album zu arbeiten, das im Sommer 2012 veröffentlicht wurde. Nicht ganz so lange dauerte die Namensfindung: Der Bandname entstand an einem Hecht-Essen bei einem Kollegen, der jeweils im Baldeggersee fischen geht.

«Leute nehmen uns anders wahr»

Mit dem Award hat sich für Hecht einiges geändert: «Die Leute nehmen uns plötzlich ganz anders wahr –», sagt Stefan Buck, «irgendwie ist aus einer Bier-Trink-Tätigkeit ein offizieller Titel geworden.» Erst jetzt würden viele Leute realisieren, dass sie ja wirklich ernsthaft Musik machen würden. Denn der Weg, den Hecht bis jetzt zurückgelegt hat, war ziemlich handgestrickt. Website und Videoclips haben sie selbst gemacht. Diese glänzen zwar nicht mit Professionalität, sind dafür direkt, ehrlich und nah am Publikum. Für ihr erstes Video «24 Bilder» pilgerten die Jungs zum Beispiel in vier Schweizer Städte, wo sie Passanten dazu animierten, in ihrem Video mitzumachen. Ein ziemlich grosser Aufwand: «Wenn ich die Zeit für die Band stattdessen in Sport investieren würde, hätte ich wohl ein Sixpack», sagt Stefan lachend. Darauf muss er bis jetzt verzichten, dafür hat er einen bedeutenden Stein, den es als Award gegeben hat, zu Hause. Und davon will die Band jetzt zehren: 15 bis 20 Open Airs spielen sie diesen Sommer und erhoffen sich dadurch auch Konzerte im Winter. Doch weshalb hat ihre Musik gerade jetzt eingeschlagen? «Wir haben ganz unbeschwert angefangen, ohne jeglichen Druck», so Keyboarder Daniel Gisler. Jetzt sieht das anders aus: Bereits am Montag spielten Radios die neue Single «Italia», und die Band arbeitet bereits an ihrem zweiten Album. Die Musiker nehmens gelassen. Stefan: «Was gibt es Schöneres, als wenn die Leute ein zweites Album erwarten, weil sie das Erste toll fanden?» Das sei doch ein Luxusproblem. Den Job an den Nagel hängen und voll auf Musik setzen, würden die Hechten allerdings nicht. Denn auf das Einkommen als Banker, Sek-Lehrer oder Festival-Organisator sind die Männer immer noch angewiesen. «Als Mundartband setzt man sich ja im Prinzip den engsten Rahmen, den man sich setzen kann», sagt Stefan. Schlechter könne man es nicht machen, wenn man Geld verdienen wolle. «Ausser Liricas Analas», scherzt Philipp über die rätoromanische Band, die einen noch kleineren Sprachkreis anspricht. Geld hin oder her: Mit neuen englischen Texten die Welt erobern wollen Hecht nicht, sie bleiben im Moment ganz auf der Mundartlinie, mit der sie so erfolgreich sind. «Und auch wenn die Leute in zwei Wochen vergessen haben, dass wir den Award gewonnen haben – dann wissen wir doch, dass wir auf dem richtigen Weg sind», findet Rolf.

Musik: So tönen Hecht www.luzernerzeitung.ch/bonus.