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Babyboom bringt Hebammen ans Limit

Weil Mütter und ihre Neugeborenen das Spital immer früher verlassen und länger zu Hause betreut werden, sind Hebammen in der Zentralschweiz stark ausgelastet. Weil zugleich Ausbildungsplätze fehlen, drohen Engpässe.
Evelyne Fischer
Hebamme Karin Bachmann (rechts) auf Visite bei Albiana Bajraj und ihrem neugeborenen Sohn Lejan. Bild: Eveline Beerkircher (Hochdorf, 1. Mai 2018)

Hebamme Karin Bachmann (rechts) auf Visite bei Albiana Bajraj und ihrem neugeborenen Sohn Lejan. Bild: Eveline Beerkircher (Hochdorf, 1. Mai 2018)


Eine Ziffer im Jahresbericht des Luzerner Kantonsspitals (Luks) erfuhr in der jüngeren Vergangenheit stets eine Anpassung nach oben: die Zahl der Geburten. Seit 2014 wird Jahr für Jahr ein neuer Rekord geschrieben – 2017 zählte das Luks an den drei Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen 3334 Neugeborene. Der Kindersegen hält Hebammen auf Trab: «Bis jetzt haben wir es zwar noch immer geschafft, alle Familien zu betreuen», sagt Karin Bachmann, Präsidentin der Hebammenzentrale Zentralschweiz. «Aber es gibt jedes Jahr Zeiten, in denen sich die Geburten häufen und das Organisieren der ambulanten Wochenbettbetreuung zur Herausforderung wird.» Namentlich während der Feriensaison oder an Feiertagen.

Das 17-köpfige Team der Hebammenzentrale (siehe Kasten rechts) hat in den letzten zehn Jahren im Schnitt 920 Wöchnerinnen betreut – ein Viertel aller Mütter im Kanton Luzern. Laut Bachmann haben 83 Prozent der Wöchnerinnen nach der Geburt eine Hebamme zu Hause.

Betreuung nach der Geburt ist aufwendiger geworden

Dass Hebammen immer öfter an den Anschlag kommen, ist Veränderungen im Gesundheitswesen geschuldet: Grund dafür sind zum einen die 2012 eingeführten Fallpauschalen. «Seither werden die Frauen mit ihren Kindern früher aus dem Spital entlassen. Viele gehen am dritten oder vierten Tag nach der Geburt nach Hause», sagt Bachmann. Vor drei Jahren wurde zudem die Wochenbettbetreuung auf 56 Tage erhöht. «Dies war ein grosses Bedürfnis der Wöchnerinnen. Viele Frauen fühlen sich in den ersten Wochen unsicher», sagt Bachmann. «Für uns Hebammen hat sich der Arbeitsaufwand pro Frau erhöht, weil die Wochenbettbesuche zunehmen. Die meisten freipraktizierenden Hebammen im Kanton sind daher stark ausgelastet.»

Hebammen suchen deshalb dringend Nachwuchs – und dies ist nicht so einfach zu bewerkstelligen. Denn: «Es gibt zu wenige Ausbildungsplätze für Hebammen», sagt Karin Bachmann. «Längerfristig kann es daher zu Engpässen kommen.» Die Attraktivität des Berufs leidet zudem unter dem Bereitschaftsdienst der Hebammen, der im Kanton Luzern derzeit nicht bezahlt wird (jüngste Ausgabe der «Zentralschweiz am Sonntag»).

Das Luzerner Kantonsspital, das Mütter aktiv auf die Hebammenzentrale hinweist, will bezüglich personeller Ressourcen noch nicht Alarm schlagen: «Dank der Anpassung von Abläufen bei den Hebammenteams, aber vor allem dank der guten Zusammenarbeit unter den Teams können die steigenden Fallzahlen und Konsultationen bewältigt werden», sagt Andreas Meyerhans von der Unternehmenskommunikation. An den drei Spitälern, im Ambulatorium für Schwangere in der Frauenklinik und in der Hebammenpraxis in Luzern sind rund 50 Vollzeitstellen durch Hebammen besetzt. «Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren kaum verändert.» Um Engpässe zu verhindern, werde die Ferienplanung koordiniert. Auch komme es «sehr selten vor, dass eine Gebärende aus Platzgründen nicht aufgenommen werden kann». Zahlen dazu gibt man nicht bekannt.

Weg zur Hebamme führt über Studium

Seit 2008 werden Hebammen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (ZHAW) und der Berner Fachhochschule (BFH) in einem Bachelorstudium ausgebildet. «Geburtshäuser und Spitäler in der Zentralschweiz beteiligen sich an der praktischen Bachelorausbildung für Hebammen und bieten jährlich rund 20 Ausbildungsplätze an», sagt BFH-Studiengangsleiterin Dorothée Eichenberger. Am Luks absolvieren jährlich 7 bis 10 angehende Hebammen ihre Praktika. Der ZHAW stehen am Kantonsspital Zug in Baar für 2018 zwölf Plätze zur Verfügung. Für freipraktizierende Hebammen ist die Begleitung einer Praktikantin wirtschaftlich nicht interessant: Denn deren Leistungen können nirgends abgerechnet werden.

Das Vollzeitstudium zur Hebamme dauert vier Jahre und umfasst sechs Semester mit Praxis- und Theoriemodulen sowie ein daran anschliessendes zehnmonatiges Zusatzmodul in der Praxis. Diplomierte Pflegefachfrauen können an der BFH einen Hebammenbachelor in einem verkürzten 5-semestrigen Teilzeitstudium erlangen.

Anlässlich des Internationalen Hebammentags vom Samstag, 5. Mai, sind die Hebammen des Kantons Luzern von 9 bis 16 Uhr vor der Hauptpost am Bahnhof Luzern präsent.

Beleghebamme kehrt nach Sursee zurück

Das Luzerner Kantonsspital kennt am Standort Luzern seit 2014 das Beleghebammensystem. Dabei begleitet eine Hebamme die Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburt im Spital und im Wochenbett. Aktuell sind in Luzern drei Beleghebammen tätig. Ab Sommer wird auch in Sursee eine Beleghebamme arbeiten, als Pilotprojekt, auf ein Jahr begrenzt. «Auf Wunsch einer Mitarbeiterin», sagt Andreas Meyerhans von der Unternehmenskommunikation.

Der Schritt lässt aufhorchen: In Sursee gab es schon einmal Beleghebammen. 1999 nämlich, ebenfalls als Pilotprojekt eingeführt. Das damalige Spital Sursee-Wolhusen entschied dann aber im Herbst 2003, das Angebot auf Anfang 2004 abzuschaffen. Sparpotenzial: 60 000 Franken. Das Aus der Beleghebammen in Sursee hat damals zahlreiche Leserbriefe und Vorstösse provoziert – bot aber auch die Chance eines Neuanfangs: Fünf Frauen, die in Sursee als Beleghebammen gearbeitet hatten, eröffneten im Herbst 2005 das Geburtshaus Terra Alta in Oberkirch.

Dort nimmt man die Neuigkeit gelassen zur Kenntnis, wie Geschäftsführerin Renate Ruckstuhl sagt. «Die Beleghebamme wird nicht in Konkurrenz zu unserem Geburtshaus stehen.» Ihr Team gewährleiste jeder Frau eine Bezugs- oder persönliche Hebamme sowie «eine kontinuierliche Betreuung». Zudem würden bei der Wahl des Geburtsortes verschiedene Faktoren – darunter etwa der Familieneinbezug oder die Wochenbettsituation – eine Rolle spielen. (fi)

Zentrale vermittelt freie Hebammen in der Zentralschweiz

Mit dem Ziel, Spitälern und Wöchnerinnen sofort eine freipraktizierende Fachfrau vermitteln zu können, hat sich 2000 die Hebammenzentrale Zentralschweiz gegründet. Seit 2013 ist diese als Verein organisiert, der sich selber finanziert, 17 Hebammen zählt und der Zentralschweizer Sektion des Schweizerischen Hebammenverbands angehört.

«Unsere Zentrale lässt sich nur aufrechterhalten, weil die Hebammen viel unentgeltliche Arbeit leisten», sagt Vereinspräsidentin Karin Bachmann. «Wir brauchen künftig ein Modell, das im Rahmen der Grundversorgung die Betreuung aller Frauen sicherstellt und den Hebammen attraktive Arbeitsbedingungen bietet.» Als Vorbilder dienen Family-Start-Organisationen, wie sie Basel und Zürich kennen und die von den Spitälern, Stadt und Kanton finanziert werden. (fi)

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