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BACHELOR-ARBEIT: Anerkennung für junge Mütter

Junge Mütter stehen oft am Rande der Gesellschaft. Nun fordern zwei Hochschulabsolventen eine kantonale Anlaufstelle.
Esmeralda Nussbaum von Felten und Fabiano von Felten haben eine Diplomarbeit über frühe Mutterschaft verfasst. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Esmeralda Nussbaum von Felten und Fabiano von Felten haben eine Diplomarbeit über frühe Mutterschaft verfasst. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Sarah Weissmann

Ein Leben ohne Perspektive: Jugendliche, die in sozial schwierigen Lebensverhältnissen aufwachsen, haben oft Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden. Gerade bei jungen Frauen kann es dann vorkommen, dass sie sich in die Mutterrolle flüchten in der Hoffnung, so Anerkennung in der Gesellschaft zu gewinnen. Esmeralda Nussbaum von Felten (30) und Fabiano von Felten (32) aus Luzern haben für ihre Bachelor-Arbeit der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit über die Lebenslage der frühen Mutterschaft recherchiert.

Keine Chance auf eine Ausbildung

In der Arbeit geht es um junge Frauen, die Mütter werden, ohne zuvor eine Berufsausbildung absolviert zu haben. Sie bringen in vielen Bereichen weniger Ressourcen mit als ihre gleichaltrigen Kolleginnen. «Für diese Frauen gibt es kaum eine Chance, mit Kind eine Ausbildung zu machen, weil diese nur im 100-Prozent-Pensum absolviert werden kann», sagt Esmeralda Nussbaum von Felten. Ihr Ehemann Fabiano von Felten ergänzt, dass die Frauen aber das Recht dazu haben sollten und Möglichkeiten dafür geschaffen werden müssten.

Die beiden sind selber Eltern eines zweieinhalbjährigen Buben und können nachvollziehen, wie schwierig die Organisation neben einer Ausbildung sein kann. «Mit Teilzeitarbeiten und Unterbruch haben wir beide fünfeinhalb Jahre studiert. Wir hatten aber das Glück, dass die Strukturen an der Hochschule Luzern Soziale Arbeit sehr flexibel sind und wir ein gutes soziales Netzwerk hatten», sagt von Felten, der wie seine Frau beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz arbeitet. Doch bei der Recherche zu ihrer Arbeit hatten die beiden nie das Gefühl, dass es sich um ihre Geschichte handeln könnte. «Wir sind älter als die jungen Mütter und hatten schon vor dem Studium eine abgeschlossene Ausbildung», sagt Fabiano von Felten.

Neue Strukturen nötig

Neben der Möglichkeit, dass die jungen Frauen eine Ausbildung absolvieren können, setzten die beiden den Fokus vor allem auch auf die soziale Teilhabe. «Es ist wichtig, Strukturen zu schaffen, durch die die jungen Mütter am gesellschaftlichen Leben teilhaben können», sagt Esmeralda Nussbaum von Felten. «Ateliers für Frauen in Horw sowie Quartier- und Frauenvereine sind Beispiele dafür. Die Frauen verdienen dabei zwar kein Geld, aber ihr Beziehungsnetz wird aufgebaut.» Denn ein Problem ist laut Fabiano von Felten: «Bei den eigenen Freundinnen ist man aussen vor, weil man nicht mehr so oft weggehen kann. Die Mütter auf dem Spielplatz sind rund zehn Jahre älter da ist man dann plötzlich ziemlich allein.» In dieser Phase fehle eine Gruppe, mit der sich die jungen Mütter identifizieren können. «Sowohl in der Entwicklungsphase eines Jugendlichen als auch in der Rolle einer Mutter ist es wichtig, eine Identifikationsgruppe zu haben, um seine Erfahrungen austauschen zu können», erklärt Nussbaum von Felten.

Das Leben verändere sich mit einem Kind. Den beiden unterschiedlichen Rollenanforderungen gerecht zu werden, sei eine riesige Herausforderung, sagt Nussbaum von Felten. Bei den Recherchen zu seiner Literaturarbeit hat das Ehepaar unter anderem die Zahlen von Luzern Statistik (Lustat) berücksichtigt. So bezogen 2012 im Kanton Luzern 133 Mütter unter 26 Jahren Sozialhilfe. Davon haben zwei Drittel lediglich die obligatorische Schulzeit absolviert, und 83 Prozent waren alleinerziehend.

Bei den Lösungsvorschlägen müsse beim Individuum und bei der Umwelt angesetzt werden. «Dabei sollte der Fokus auf der finanziellen Unabhängigkeit und auf der gesellschaftlichen Teilhabe liegen», sagt Fabiano von Felten. Bestehende Angebote wie beispielsweise das Projekt Mütter in Ausbildung (MiA) der Albert Koechlin Stiftung müssten durch noch mehr Flexibilität optimiert werden. Zusätzlich sollten ergänzende Angebote geschaffen werden.

Benachteiligte fördern

In der Schweiz sind die Lebensumstände von jungen Müttern noch zu wenig erforscht, weshalb sich die beiden während ihrer Recherchen an Deutschland orientierten. Unter anderem sprechen sie sich für eine Förderung Benachteiligter aus. «Es ist ja nicht so, dass diese jungen Menschen keine Ausbildung machen wollen, sondern manchmal ist unser System zu anspruchsvoll, und sie können nicht. Eine Teilzeitausbildung wäre aus Sicht der sozialen Arbeit der richtige Schritt», sagt von Felten. Und um den Frauen einen Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen, sei eine kantonale Anlaufstelle das Richtige. «Auch hier haben wir uns von Deutschland inspirieren lassen», sagt Nussbaum von Felten. «Man müsste eine Koordinationsstelle schaffen, wo sich die jungen Frauen zu allen Lebenslagen beraten lassen können betreffend Ausbildung, psychosoziale Fragen und Schwangerschaft.» Wenn eine Ausbildung, aus welchen Gründen auch immer, noch nicht in Frage komme, sei es wichtig, dass die Mütter trotzdem einer Beschäftigung nachgehen können.

Die Frauen müssten das Gefühl erhalten, dass es für den Moment in Ordnung sei, wenn eine Ausbildung nicht in Frage komme. «Wir üben damit auch eine direkte Kritik an unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Denn es steht oft nur die finanzielle Unabhängigkeit im Fokus. Die Ansprüche an diese jungen Menschen sind deshalb extrem hoch.»

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