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Bär im Kanton Luzern? «Die Bevölkerung ist darauf nicht vorbereitet»

Das Braunbärenmännchen M29 ist möglicherweise im Kanton Luzern unterwegs. Darauf deuten Spuren, die kürzlich im Raum Escholzmatt gesehen wurden. Allerdings: Ein klarer Nachweis fehlt noch.
Christian Glaus
Bär M29 am 26. Mai im Eriz. Das Foto sorgte für Furore, weil es der erste Nachweis eines wilden Bären im Kanton Bern seit 190 Jahren war. (Bild: Jagdinspektorat des Kantons Bern)

Bär M29 am 26. Mai im Eriz. Das Foto sorgte für Furore, weil es der erste Nachweis eines wilden Bären im Kanton Bern seit 190 Jahren war. (Bild: Jagdinspektorat des Kantons Bern)

Ein Bär ist nahe der Luzerner Kantonsgrenze unterwegs. Möglicherweise hält er sich sogar auf Kantonsgebiet auf. Dies teilte der Kanton Luzern am Mittwoch mit. Im Gebiet Beichlen ob Escholzmatt seien vermeintliche Bärenspuren gesichtet worden. Peter Ulmann, Leiter der kantonalen Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, gibt Auskunft.

Peter Ulmann, wann war der Bär im Kanton Luzern unterwegs?

Das wissen wir nicht. Fakt ist: Wir haben an Fronleichnam von den Berner Behörden die Meldung erhalten, dass sie den Aufenthalt eines Bären im Raum Lombachalp unweit der Luzerner Grenze bestätigen können. Am letzten Samstag hat dann eine Wandererin im Raum Beichlen ob Escholzmatt mögliche Bärenspuren gesehen. Es handelte sich um zwei Tatzen-/Brantenabdrücke auf dem Wanderweg. Die präzisen Angaben zum Ort der Beobachtung haben wir aber erst gestern erhalten.

Trotzdem haben Sie keine Spuren gefunden. Weshalb?

Es hat in den letzten Tagen immer wieder geregnet und viele Wanderer waren in der Region unterwegs. Da erstaunt es nicht, dass keine Spuren mehr sichtbar waren. Trotzdem haben wir uns entschieden, die Öffentlichkeit im Sinne einer Information auf die mögliche Präsenz des Bären hinzuweisen. Denn die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass der Bär im Kanton Luzern unterwegs ist oder noch kommt. Wir wollten insbesondere die Landwirte, Holzer, Imker und generell die Bevölkerung informieren, damit sie sich darauf einstellen können.

Das Braunbärenmännchen M29 wurde schon an verschiedenen Orten in der Zentralschweiz gesehen. Gehen Sie davon aus, dass es sich wiederum um diesen Bären handelte?

Das kann man erst sagen, wenn ein genetischer Nachweis vorliegt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gross. Seit zweieinhalb Jahren bewegt sich M29 im Gebiet zwischen Uri, Obwalden und Bern und wir haben keine Hinweise darauf, dass sich noch ein weiterer Bär in der Region aufhält. Auch das Verhalten passt zu M29: Er ist unauffällig, zurückgezogen, und es gibt keine Meldungen über Risse oder Schäden. Das passt zu dem Tier, das sich aus Behördensicht sehr gut verhält.

Legen Sie sich nun auf die Pirsch, um den Bären zu finden?

Nein, ihn zu suchen wäre völlig aussichtslos. Wir könnten ihm nicht einmal bei Augenkontakt folgen. Erstens ist er ein super Kletterer, er bewegt sich selbst im hochalpinen Gebiet sehr geschickt. Zweitens ist er ein Wanderer, der auch grosse Distanzen überwindet. Hinweise nehmen wir aber ernst und gehen diesen nach, sofern die Chance besteht, noch etwas festzustellen.

«Gefühl der Unsicherheit» in Escholzmatt

In der Entlebucher Gemeinde Escholzmatt-Marbach hat man die Meldung über den Bären nicht gerade mit Freude aufgenommen, wie Gemeindepräsident Fritz Lötscher (CVP) auf Anfrage sagt: «In unserer schönen Landschaft sind jetzt sehr viele Leute unterwegs. Wenn ein Bär in der Nähe ist, besteht einfach eine gewisse Gefahr.» Er sorge sich weniger um das Dorf und seine Bewohner, sondern mehr um die vielen Leute, die ausserhalb unterwegs sind. Das seien Holzer, Bauern oder Ausflügler. «Wenn der Bär Hunger hat, dann hat er Hunger», erklärt Lötscher seine Sorge. «Ein Gefühl der Unsicherheit ist da.»

Ob der Bär Tagestouristen von Ausflügen in die Region abhalte oder im Gegenteil sogar anlocke, sei schwierig zu beurteilen, so Lötscher. «Es wird wohl beides geben.» Spezielle Vorsichtsmassnahmen würden aber nicht getroffen, zumal der Bär bereits weitergezogen sein könnte.

Das Tier könnte also längst in einem anderen Kanton oder sogar vor den Toren Luzerns sein?

Klar ist: M29 bevorzugt ruhige Räume mit grossen ausgedehnten Versteckmöglichkeiten. Aber: Er wurde Mitte Mai auch schon im Raum Thunersee gefilmt. Am besten ist, man schliesst keinen möglichen Aufenthaltsort von vornherein aus.

Müssen Halter von Nutztieren oder Imker nun spezielle Vorsichtsmassnahmen treffen?

Nein. Wenn sich ein Tier über längere Zeit im gleichen Raum aufhält, trifft man präventive Massnahmen. Das ist sehr aufwendig und im Moment nicht nötig. Wir möchten aber die Bevölkerung sensibilisieren. Dies ist immer auch eine Gratwanderung: Einerseits wollen wir unsere Verantwortung wahrnehmen und rechtzeitig informieren, andererseits wollen wir keine Angst schüren.

Würden sie sich freuen, wenn der Bär sich im Kanton Luzern aufhielte?

Ich möchte es so sagen: Das ist wie bei einem Gewitter. Einerseits ist es faszinierend, andererseits besteht ein gewisses Risiko. Die Bevölkerung ist sich die Präsenz eines Bären nicht gewohnt und entsprechend auch nicht vorbereitet. Für Mensch und Nutztiere stellt der Bär im Normalfall aber keine grosse Gefahr dar. Zum überwiegenden Teil ist er Vegetarier und nebenbei vor allem Aasfresser. Es ist kein Tier, das häufig aktiv Beute schlägt. Und M29 ist noch nie mit Nutztierrissen aufgefallen.

Trotzdem die Frage: Wie steht es um den Herdenschutz im Kanton Luzern?

Der Herdenschutz ist eher beim Wolf ein Thema, weniger beim Bären. Wo möglich werden die Herden geschützt. Aber nach fünf Jahren ohne Präsenz eines Wolfes ist auch klar, dass die Motivation, die Herden zu schützen, gelitten hat. Für Notfälle sind wir aber mit einem Set von Schutzmaterialien und einem Einsatzplan vorbereitet.

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