BAHNHOF: Ärger wegen Fasnachts-Sujet

Zu brutal und zu anstössig: Ein Sujet der Fasnachtsausstellung im Bahnhof erzürnt die Passanten. Doch der Verein Bahnhof-Guuggete will es nicht entschärfen – vorerst.

Alexander von Däniken
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«Einfach schrecklich!» – das Fasnachtssujet «Psycho» der Guuggenmusig Rotsee-Husaren im Bahnhof Luzern sorgt für rote Köpfe. (Bild Manuela Jans)

«Einfach schrecklich!» – das Fasnachtssujet «Psycho» der Guuggenmusig Rotsee-Husaren im Bahnhof Luzern sorgt für rote Köpfe. (Bild Manuela Jans)

Am Samstag haben die Fasnächtler die diesjährige Dekoration im Luzerner Bahnhof offiziell eingeweiht – und schon einen Tag später sorgt ein Sujet für Aufregung. Auf der hängenden Plattform steht eine Frau unter der Dusche, nackt und blutig. Dahinter schaut ein bärtiger Mann durchs Fenster, schelmisch grinsend, in einer Hand ein Messer.

Das Sujet Nummer 12, gebastelt von der Guuggenmusig Rotsee-Husaren aus Ebikon, hängt an prominenter Stelle, gleich neben dem Ausgang Richtung KKL. Und es treibt vielen Passanten entweder die Schames- oder die Zornesröte ins Gesicht.

«Sexistische Szenerie»

So sagt anlässlich einer Umfrage gestern Elsbeth Brühwiler aus Bern: «Bei der Frauenpuppe ist sogar der Intimbereich zu sehen. Und dann das ganze Blut – einfach schrecklich!» Günther Kronenberg und Sonja Modero aus Horw finden das Sujet zwar nicht heikel, «aber doch sehr blutrünstig». Erika Brunner aus Thun findet das Sujet «vor allem heikel, wenn es von Kindern gesehen wird».

Für einen weiteren Passanten, der nicht genannt werden will, ist das Sujet «besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung über Gewalt an Frauen in Indien unverständlich». Die «sexistische, gewaltverherrlichende und verstörende Szenerie» sei keine Frage des Geschmacks, sondern ein widerlicher Ausdruck der Gewalt an Frauen. Und Sue Badmann aus Zug fragt: «Was hat das Sujet mit der Fasnacht zu tun?» Das fragen sich auch weitere Passanten. Peter Hanimann aus Schwyz findet das Sujet schlicht «daneben»: «Ich würde das sofort abhängen.»

Rotsee-Husaren: «Keine Absicht»

Mario Köhler, Präsident der Rotsee-Husaren, erklärt: «Solche Kritik höre ich zum ersten Mal. Es war bestimmt keine Absicht, die Gefühle von einigen Passanten zu verletzen.» Das Sujet spiele auf das diesjährige Motto «Tatort Luzerner Fasnacht» an. Die dargestellte Szene stammt aus dem berühmten Hitchcock-Klassiker «Psycho». Das OK der Bahnhof-Guuggete habe keinen Einwand zu diesem Sujet erhoben. «Der Vorstand der Rotsee-Husaren hat sich an die Angaben gehalten und mottogetreu ein Sujet dargestellt», sagt Köhler.

Der Verein Bahnhof-Guuggete denkt – zumindest vorerst – nicht an eine Entschärfung, wie Präsident Werner Rast erklärt: «Das sollte man nicht so schlimm sehen. Jeder Krimi zeigt oft schlimmere Bilder.» Ob diese jetzt auch an der Fasnacht gezeigt werden müssen, «darüber lässt sich streiten».

Rast erklärt weiter: «Sollten sich bei uns in ihren Gefühlen verletzte Menschen melden, werden wir natürlich das Ganze mit allen Beteiligten sofort diskutieren und allenfalls Massnahmen einleiten», sagt Rast. Reaktionen nimmt er unter der E-Mail-Adresse  wrast@werner-rast.ch entgegen.

Ausstellung dauert bis 13. Februar

Die Bahnhof-Guuggete vom letzten Samstag war der inoffizielle Start in die Luzerner Vorfasnachtszeit. Gegründet von der Guuggenmusig Rotseemöven aus Littau, wurde die Organisation 2006 dem neu ins Leben gerufenen Verein Bahnhof-Guuggete Luzern übergeben. Die diesjährige Ausstellung dauert bis 13. Februar.