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BAHNHOF LUZERN: Die SBB punkten im Unglück

Bis voraussichtlich Sonntagabend bleibt der Bahnhof Luzern gesperrt. Neu: Ab 20:20 Uhr müssen auch die benachbarten Gleise der Zentralbahn gesperrt werden. Bis Betriebsschluss sind Bahnersatzbusse zwischen Luzern und Allmend Messe im Einsatz.
Eva Novak
Kein Zugang zu den SBB-Gleisen im Bahnhof Luzern. (Bild: René Meier (Luzern, 23. März 2017))

Kein Zugang zu den SBB-Gleisen im Bahnhof Luzern. (Bild: René Meier (Luzern, 23. März 2017))

Wegen Aufräum- und Instandstellungsarbeiten im Bahnhof Luzern ist die Strecke zwischen Luzern und Allmend Messe am Sonntagabend ab 20:20 Uhr gesperrt. Die Züge werden durch Shuttlebusse ersetzt, schreibt die Zentralbahn auf ihrer Internetseite.

Viereinhalb Tage lang läuft nichts nach Schema X – ein einmaliger Vorfall in der jüngeren Eisenbahngeschichte. Zumindest kann sich weder bei den SBB noch beim Bundesamt für Verkehr oder unter den sonstigen Ferrophilen im Land jemand an eine vergleichbar grosse Störung erinnern, welche sich über so lange Zeit hingezogen und so viele Menschen betroffen hätte.

Über die Gründe, welche den vierten und fünften Wagen des EuroCity 158 Mailand–Basel von Trenitalia aus den Schienen hüpfen liessen, wird weiter gerätselt. Sicher ist nur, dass die Passagiere grosses Glück im Unglück hatten. Obwohl ein Wagen kippte und ein eisernes Fahrleitungsjoch auf ihn fiel, wurde niemand ernsthaft verletzt. Ein entgegenkommender Zug konnte rechtzeitig bremsen, und es waren keine tödlichen Stromschläge zu beklagen, wie man sie aus vergleichbaren Situationen kennt. Sechs Personen erlitten Prellungen und Schürfungen, mehr war da nicht.

Die SBB haben «extrem geschickt» kommuniziert

Die Bevölkerung, die sonst bei der kleinsten Verspätung über die SBB zu schimpfen pflegt, dass diese immer höhere Preise verlange und nicht in der Lage sei, ihre Züge sauber zu halten, reagiert mit grossem Wohlwollen. «Wenn man daran denkt, wie viele Menschen jeden Tag auf der Schiene unterwegs sind, passiert verdammt wenig», formuliert es eine alte Frau im Bus in Luzern. So denken viele. Sie haben noch im Ohr, was die SBB ausgerechnet am Vortag des Unglücks vermeldet hatten: Dass ihr Schienennetz noch nie so intensiv genutzt worden sei wie 2016. Dass sie täglich 1,25 Millionen Passagiere befördert haben, mehr als je zuvor, und auch bei den Gütern einen Höchststand verbucht haben.

Für Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV), zeigt sich am Luzerner Vorfall exemplarisch, «wie gut die Transportunternehmen in unserem Land organisiert sind, dass sie in einer ausserordentlichen Situation innert kürzester Zeit ein Ersatzkonzept aufziehen können». Den SBB bindet der VÖV-Direktor ein Kränzchen: Sie haben es «extrem geschickt» gemacht, indem sie bereits früh kommunizierten, wie lange die Sperrung dauern wird. «Dann staunt man zuerst vielleicht ein bisschen, kann sich aber darauf einstellen – denn man weiss, man kommt nach Luzern, muss dafür jedoch etwas mehr Zeit einplanen».

2000 Anrufe am ersten Tag nach dem Unfall

Je nach Anschlussverbindung konnte es in den letzten Tagen zwischen zehn Minuten und bis zu einer Stunde länger dauern, bis man mit dem Bus ans Luzerner Ziel kam. Dass lange Verspätungen nicht die Regel waren, sondern die Ausnahme, wurde entsprechend honoriert: «Die allermeisten Kundinnen und Kunden haben Verständnis – und viele sind überrascht, wie wenig Zeit sie verlieren», so SBB-Sprecher Reto Schärli. Anfangs liefen die Telefone bei den SBB heiss: Bei der eigens eingerichteten Hotline gingen am ersten Tag gegen 2000 Anrufe ein. Doch dann haben sich die Pendler mit der Situation arrangiert.

Einige beanspruchten die Mitfahraktion, die das Radio SRF auf Twitter unter dem Hashtag #MitfahrenLuzern aufgezogen hatte, und freuten sich über neue Bekanntschaften. Auch das Taxigewerbe ging nicht leer aus: Die SBB liessen jene Touristen, welche kurz nach dem Unfall mit gültigem Zugbillett in Luzern feststeckten, auf vier Rädern an den Flughafen spedieren, damit sie ihren Flug nicht verpassten. So konnten die Schweizerischen Bundesbahnen auch international punkten.

«Man versucht, das Beste zu geben», resümiert Stückelberger, «und von den Kundinnen und Kunden wird das verstanden.» Mehr noch: Der VÖV-Direktor würde sogar eine Wette darauf abschliessen, «dass deswegen bei der Ombudsstelle für den öffentlichen Verkehr keine Beschwerden eingehen werden».

Detailhandel beschwert sich

LuzernDer Bahnhof Luzern war in den letzten Tagen wie leergefegt. Die SBB haben den Geschäften daher erlaubt, ihre Öffnungszeiten anzupassen. Auch der Detailhandel befürchtete wegen des Unfalls Umsatzeinbussen. Dies, weil die SBB am Mittwoch explizit von Reisen nach Luzern abgeraten hatten – und diese Meldung auch längere Zeit nicht revidierten. «Die Kommunikation war sicherlich dramatisch genug», formuliert es André Bachmann, Vorstandsmitglied der City-Vereinigung Luzern. Er habe Rückmeldungen von Geschäften bekommen, die sich darüber geärgert hätten. «Auf unser Feedback hin haben die SBB aber sehr schnell reagiert und die Kommunikation angepasst», so Bachmann. Insgesamt hätten die SBB sehr gut auf das Unglück reagiert. Der Vorfall habe gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Bahnverbindung auch wirtschaftlich sei.

Die City-Vereinigung plant in den nächsten Tagen eine Aktion am Luzerner Bahnhof, um offensiv zu kommunizieren, dass man wieder mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar ist. (ber)

Eva Novak/mbo

eva.novak@luzernerzeitung.ch

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