BAHNHOF LUZERN: Grossüberbauung verzögert sich bis 2020

Die SBB wollen das Areal Rösslimatt überbauen. Dort sollen die vom Stadtrat herbeigesehnten Grossfirmen einziehen. Doch das Projekt hat Verspätung.

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«Perron» heisst die geplante Überbauung neben dem Bahnhof Luzern. (Bild: Visualisierung PD)

«Perron» heisst die geplante Überbauung neben dem Bahnhof Luzern. (Bild: Visualisierung PD)

Auf dem fünf Hektaren grossen Areal Rösslimatt hinter dem Bahnhof Luzern soll eine Grossüberbauung mit Büros, Läden, Gastronomie, Kultureinrichtungen und Wohnungen entstehen. Der Luzerner Stadtrat setzt grosse Hoffnungen in das Bauprojekt. «Das Projekt ermöglicht ganz neue Möglichkeiten für wertschöpfungsreiche Arbeitsplätze und setzt in der Stadtentwicklung wichtige Impulse», sagt Stadtpräsident Stefan Roth. «Die Rösslimatte gehört zu den wichtigsten Projekten zur Stärkung der Wirtschaft. Um ansässigen Dienstleistungsunternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben oder neue Firmen anzusprechen, fehlen uns in der Stadt Luzern grosse, zusammenhängende Flächen an zentraler Lage. Die Überbauung Rösslimatt wird diese Lücke schliessen.»

Das Grundstück gehört den SBB, welche das Areal in Zusammenarbeit mit der Stadt Luzern entwickeln. Das Gebiet soll sich als «Village Luzern» zu einem «belebten urbanen Lebensraum entwickeln, der zur Aufwertung des Quartiers beiträgt», wie es auf der Homepage angepriesen wird. 2013, nachdem die Einzonung des Areals durch die revidierte Bau- und Zonenordnung ermöglicht wurde, hatten SBB und Stadt Luzern das Projekt des Berner Architekten Rolf Mühlethaler als Sieger auserkoren.

Mindestens 20 Jahre, bis alles steht

Die gesamte Überbauung soll in Etappen über einen Zeitraum von rund 20 Jahren entstehen. Das Gebiet mit den Abstellgleisen der SBB wird aber sicher noch lange nicht überbaut: Das Gleisfeld, wo später hauptsächlich Wohnungen entstehen sollen, kann erst eingezont werden, wenn die Gleise nicht mehr benötigt werden. Wann das sein wird, hängt vom geplanten Tiefbahnhof ab.

Weiter fortgeschritten ist hingegen die Planung eines 180 Meter langen sechsstöckigen Gebäudes, in dem rund 20 000 Quadratmeter Bürofläche für Dienstleistungsbetriebe Platz finden soll – das sind die Arbeitsplätze, von denen Stefan Roth spricht. Das Gebäude, genannt «Perron», soll direkt an den Gleisen zwischen Hotel Radisson Blu und Langensandbrücke zu stehen kommen. Heute befindet sich dort ein alter Güterschuppen, der als Zwischennutzung unter anderem Ateliers beherbergt.

Ursprünglich war der Baubeginn des «Perrons» per Mitte 2016 geplant, der Einzug der ersten Mieter 2018. Doch die Termine haben sich mittlerweile nach hinten verschoben: Der Baubeginn ist momentan per Anfang 2017 terminiert, der Bezug ab 2020.

Auf der Suche nach Mietern

Grund für die Verzögerung sind gemäss SBB die Mieter. «Wir sind nach wie vor auf der Suche nach Grossmietern für das Areal Rösslimatt», sagt Lea Meyer, Mediensprecherin der SBB. «Unser Ziel ist es, die Hälfte der Dienstleistungsfläche zu vermieten – erst danach fällt der Startschuss für den Bau der Immobilie.» Bis ein Grossmieter gefunden sei, warte man mit der weiteren Planung. «Wir möchten eine wirtschaftlich nachhaltige, langfristige Lösung und sind deshalb überzeugt, besser mit dem Baustart zuzuwarten, um danach ein Areal Rösslimatt zu schaffen, das sowohl der Stadt Luzern als auch uns einen Nutzen bringt.»

«Sehr konkrete Interessenten»

Ist es also schwierig, Mieter zu finden? Im Gegenteil, sagt Meyer: «Die Rösslimatt gehört zu den attraktivsten städtischen Entwicklungsgebieten der SBB. Es gibt sehr konkrete Interessenten, mit denen wir in Gesprächen stehen.»

Stadtpräsident Roth zeigt Verständnis für das Vorgehen. «Die SBB werden im Verlauf der nächsten Jahre in Etappen ein sehr grosses Areal überbauen. Wir sind sehr froh, dass sie diese immensen Investitionen tätigen. Davon werden wir in Luzern sowohl als Wirtschaftsstandort als auch als Wohnort während Jahrzehnten profitieren», sagt er auf die Frage, ob er die Verzögerung bedaure.

Obwohl die SBB mit der Planung zuwarten, ist zumindest die Ausarbeitung des Gestaltungsplans schon weit fortgeschritten. «Die bislang offenen Punkte mit der Stadt Luzern konnten erfolgreich bereinigt werden. Der Gestaltungsplan wird bis Ende 2015 finalisiert und soll anschliessend zur Planauflage eingereicht werden. Somit kann für die Arealentwicklung ein weiterer Meilenstein 2016 mit einem rechtskräftigen Gestaltungsplan erreicht werden», so Lea Meyer. Wie viel die Überbauung kostet und wie hoch der Quadratmeterpreis für Mieter sein wird, wollen die SBB nicht bekannt geben.

Beatrice Vogel

Weitere Infos zum Areal Rösslimatt und zum «Perron» finden Sie unter www.villageluzern.ch