BAHNPROJEKTE: Tiefbahnhof hat Konkurrenz

Das Luzerner Bahnhofprojekt hat einen langen Weg vor sich. Und es steht in Konkurrenz zu sieben andern wichtigen Bahnvorhaben.

Rainer Rickenbach
Drucken
Teilen
So könnte der Tiefbahnhof in Luzern dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So könnte der Tiefbahnhof in Luzern dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

Wer für die Bahn plant, braucht einen Blick für die grossen Zusammenhänge. Geht es um grosse Projekte wie den Luzerner Tiefbahnhof, müssen die Planer das ganze Streckennetz im Auge haben. Dabei helfen ihnen eigens dafür entwickelte Computerprogramme. «Ohne Ausbau des Lausanner Bahnhofs können zum Beispiel zwischen Zürich und Bern nicht mehr Züge verkehren, da sie sich nicht weiterführen lassen», erklärt Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr eine der Konsequenzen eines Grossprojektes, die für Laien auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.

Wettbewerb der Regionen

Das Luzerner Tiefbahnhofprojekt werde sich am Kosten-Nutzen-Verhältnis messen lassen müssen, sagt Ebinger. Das gilt für alle hochfliegenden Pläne auf dem Schweizer Streckennetz – und davon gibt es nicht wenige. Das Luzerner Projekt steht in Konkurrenz zu sieben verschiedenen geplanten Kapazitätsausbauten, mit denen Engpässe verschwinden sollen. Etwa auf den Strecken Aarau–Zürich, Zürich–Winterthur oder Thalwil–Zug mit dem Zimmerberg-Tunnel. Der dritte Jura-Durchstich für eine bessere Anbindung Basels an das Mittelland, die Neubaustrecke Axen, ein Ausbau der Verbindung zwischen Lausanne und Bern und der Ausbau am Lötschberg-Basistunnel finden sich ebenfalls auf der Wunschliste.

Für die Planung der gewünschten Verbesserungen und noch für andere bereits bewilligte Projekte auf der Liste Fabi («Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur») stehen in den nächsten zwölf Jahren 6,5 Milliarden Franken zur Verfügung. Das reicht natürlich nicht für alles, und die Stimmberechtigten entscheiden zudem erst nächstes Jahr über die Fabi-Vorlage. Der Tiefbahnhof wurde mit dem Durchgangsbahnhof um die stolze Summe von 600 Millionen Franken teurer (Ausgabe von gestern). Er kostet nun 2,4 Milliarden Franken. Gibt das Vorhaben denn so viel Leistung her, wie es Kosten verursacht? «Der Nutzen ist bestimmt hoch. Doch das ist er bei den anderen Projekten auch», antwortet Ebinger diplomatisch. Die Ausbauprojekte der nächsten zwölf Jahre haben schon diverse Vorprüfungen hinter sich. Ihnen fielen zahlreiche andere Verbesserungswünsche zum Opfer, der Tiefbahnhof ist immerhin noch dabei.

Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis erst einmal geklärt, folgen zwei weitere zentrale Fragen: Wie spielen die Projekte mit den anderen Vorhaben zusammen? So macht es etwa wenig Sinn, für viel Geld diesen Bahnhof auszubauen, ohne die Engpässe in den Zufahrten oder Zielbahnhöfen aus der Welt zu schaffen.

Nutzen für grosse Verkehrsströme

Die zweite zentrale Frage richtet sich nach dem Gesamtnutzen der kostspieligen Bahnprojekte. Ebinger erläutert es an einem weiteren Beispiel: «Ein Grossprojekt in einem entlegenen Randgebiet nützt wenig, wenn die Hauptachsen mit einem Mehrfachen an Passagieren am Limit sind.» Immerhin: Bei diesem Kriterium dürfte der Tiefbahnhof punkten, denn er käme in ein dicht besiedeltes Gebiet zu stehen und könnte sich mit seiner Lage erst noch vorteilhaft für andere Zentren auswirken.