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BALLWIL: Seit 1917 unter einem guten Stern

Ein Pfarrer gründete vor 100 Jahren die Frauengemeinschaft Ballwil. Bis 1970 durften im Verein nur verheiratete katholische Frauen dabei sein. Heute sind auch Männer willkommen – bis auf eine Ausnahme.
Ernesto Piazza
Mit Jubiläumsglas (von links): Karin Bienz, Barbara Togni und Janin Bieri. (Bild: Boris Bürgisser (Ballwil, 6. Juli 2017))

Mit Jubiläumsglas (von links): Karin Bienz, Barbara Togni und Janin Bieri. (Bild: Boris Bürgisser (Ballwil, 6. Juli 2017))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

100 Jahre hat die Frauengemeinschaft Ballwil mittlerweile «auf dem Buckel». Doch wer glaubt, der Zahn der Zeit habe am Verein genagt, irrt sich. Co-Präsidentin Barbara Togni und die neu für das Kurswesen verantwort­liche Janin Bieri versprühen viel positive Energie. Die beiden Vorstandsmitglieder verkörpern pure Frauenpower.

Aktuell zählt der Verein rund 490 Mitglieder. Zum Vergleich: Ballwil hat fast 2800 Einwohner. Ungefähr die Hälfte der Mitglieder darf als «aktiv» bezeichnet werden. «Sehr viele besuchen jeweils die Generalversammlung», sagt Barbara Togni. Die Altersbandbreite reiche von 25 bis 99 Jahre. Für viele Ballwiler Frauen sei der gemeinnützige Verein zu einem beliebten Treffpunkt geworden, erklärt Bieri.

Gegründet wurde die Gemeinschaft anno 1917 von Pfarrer Rebsamen, heisst es in der Chronik. 94 Mitglieder seien dabei gewesen. Die Pfarrei war damals in fünf Kreise eingeteilt. Dementsprechend hatte der Verein zuerst auch fünf Vorstandsmitglieder. In der Zwischenzeit vergrösserte sich das Gremium auf acht Frauen. Als Präses gehört auch Aurelia Gwerder Oberhänsli dazu.

Grundgedanke: Position der Frau stärken

War bis ins Jahr 1970 eine Mitgliedschaft ausschliesslich verheirateten Frauen mit Kindern und erst noch von katholischer Konfession vorbehalten, hat sich diese Situation mittlerweile geändert. «Bei uns dürfen auch Fräuleins mitmachen», sagt Barbara Togni mit einem Schmunzeln. Zudem seien Männer bei Anlässen immer sehr willkommen. Mit einer Ausnahme allerdings: Die Generalversammlung bleibt auch weiterhin eine Domäne der Frauen.

Der Grundgedanke sei, die Position der Frauen zu stärken, ohne dass sie als «Emanzen» gelten, sagt die Co-Präsidentin. Janin Bieri wiederum verspürt bei ihrer Freiwilligenarbeit «einen sehr guten Zusammenhalt». Zudem erlebe sie bei der Bevölkerung ein grosses Wohlwollen. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit dem Männerchor Ballwil wird sehr geschätzt und gepflegt.

Die kirchlichen Wurzeln sind bei der Frauengemeinschaft auch heute noch sicht- und spürbar. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch den Verein. Doch ein Blick auf das Jahresprogramm zeigt: Die Frauengemeinschaft tanzt auf unterschiedlichen Hochzeiten. Kinderfasnacht, Babysitter- und Kochkurs, Wallfahrten, Kilbi, Weindegustation, Kürbis-Apfel-Fest, Räbeliechtliumzug, Frauenmessen – und die Liste ist noch keineswegs abschliessend. Zudem arbeitet der Verein mit dem Elternkreis und der Liturgiegruppe eng zusammen. Bei Geburtstags- und Weihnachtsbesuchen, bei Visiten in Altersheimen würden viele soziale Kontakte gepflegt, betont Barbara Togni. «Das ist für uns sehr wichtig.»

Der sich permanent wandelnde Zeitgeist ist an den Ballwilerinnen nicht spurlos vorbeigegangen. Die Stellung der Frau in der Gesellschaft habe sich ganz generell verändert, erklärt die Co-Präsidentin. «Bei uns stellen wir auch ein grösseres Selbstbewusstsein fest.» Früher hätten sie die Generalversammlung jeweils am Vormittag abhalten müssen. «Am Mittag standen die Frauen wieder in der Küche. Später am Tag waren beispielsweise Stallarbeiten zu erledigen. Heute fixieren die Frauen ihre Termine und nehmen sich die dafür nötige Zeit.»

Gefragt nach der Motivation für viele Stunden Freiwilligenarbeit, sagen sie: Miteinander etwas zu bewirken, Menschen eine Freude zu bereiten, vermittle ein gutes Gefühl. «Zudem bewege ich mich in einer spannenden Welt», sagt Janin Bieri. Die Frauengemeinschaft Ballwil sei ‹trendy› unterwegs, betont Barbara Togni. Entsprechend hätten sie auch keine «Nachwuchsprob­leme». Finanziert wird der Verein durch Mitgliederbeiträge sowie einem jeweiligen Zustupf der politischen Gemeinde und der Kirchge­meinde.

Selbstkreierter Stern zieht sich durchs Jubiläum

Für das Jubiläum der Frauengemeinschaft Ballwil hat Sara Horat einen Stern kreiert. Charmant, grossartig, witzig oder legendär, ist darin zu lesen. «Er soll uns als Verein versinnbildlichen», sagt Barbara Togni. «So wollen wir uns in Szene setzen.» Der Stern als Motto zieht sich durchs ganze Jubiläumsjahr. Sei es bei Hand­taschen, Tischsets, Trinkgläsern oder sogar beim «letzten Gruss» für die Verstorbenen.

Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums durfte die Frauengemeinschaft eine Säuleneiche pflanzen. Diese wurde ihr von der Kirchgemeinde Ballwil symbolisch überreicht. Sie soll für den Aufbruch zu einem langen Weiterleben stehen. «Der Verein darf nicht sterben», sagt Togni. Diesbezüglich habe sie aber keine Angst. Es gebe (zu) viele treibende Kräfte. «Zudem werden wir von der Dorfbevölkerung getragen.»

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