BALLWIL: Spezielle Ehre für einen besonderen Kopf

Heinrich Ineichen war im 19. Jahrhundert eine grosse Persönlichkeit. Nun wird er dafür geehrt – mit einem Weg.

Ernesto Piazza
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Sie setzten sich für den Heinrich-Ineichen-Weg ein (im Hintergrund dessen Geburtshaus), von links: Benno Büeler (Gemeindepräsident), Jakob Werder (Kirchenarchivar) und Hans Moos (ehem. Gemeindepräsident). (Bild Pius Amrein)

Sie setzten sich für den Heinrich-Ineichen-Weg ein (im Hintergrund dessen Geburtshaus), von links: Benno Büeler (Gemeindepräsident), Jakob Werder (Kirchenarchivar) und Hans Moos (ehem. Gemeindepräsident). (Bild Pius Amrein)

Ernesto Piazza

Ehre, wem Ehre gebührt: So dachte der Ballwiler Kirchenarchivar Jakob Werder, als er dem Gemeinderat im vergangenen Juli eine spezielle Idee unterbreitete. Der rund 300 Meter lange Weg vom Fusse der Kirchentreppe – vorbei am ehemaligen Geburtshaus von Heinrich Ineichen (1808–1887) – sollte nach dessen Namen benannt werden. «Dieser Mann hat für die Gemeinde viel geleistet», sagt Werder. Heute Freitag, und somit rund neun Monate später, findet in Ballwil im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung nun die nicht alltägliche Wegtaufe statt.

Arbeit als Lebensinhalt

Schon früh als armes Waisenkind auf seine eigenen Beine gestellt, mauserte Ineichen sich später zu einem guten Lehrer, Organisten, Kirchenrat, Gemeindeammann und Gerichtsschreiber. Doch damit nicht genug: Ebenfalls hervorzuheben sind die Verdienste in einer keineswegs einfachen Zeit als Gross- und Regierungsrat sowie als kantonaler Erziehungsrat. Durch diese Ämter viel in der breiten Öffentlichkeit stehend, waren Ineichens Fähigkeiten aber auch daheim auf dem Hof genauso gefragt wie beim Betreiben der eigenen Weberei. Arbeit bedeutete für ihn aber Lebensinhalt, wie er selbst mit der Überschrift zu seinen Erinnerungen zum Ausdruck brachte: «nasci – laborare – mori» – geboren werden, arbeiten, sterben, lautete nämlich sein Credo.

Dieses von Franz Felix Lehni bearbeitete Zeitdokument erschien hundert Jahre nach dem Tod der Ballwiler Persönlichkeit im Comenius-Verlag, Hitzkirch. Unterstützt wurde er bei seinen Aufzeichnungen unter dem Titel «Mein Leben» von Ineichens Urenkel Rudolf Brun.

Sprichwörter und Reimsprüche

Allerdings wurde es nach dieser Veröffentlichung um Heinrich Ineichen wieder still. Ganz in Vergessenheit geriet er aber nicht. Der ehemalige Ballwiler Gemeindepräsident Hans Moos befasst sich noch heute mit der Ortsgeschichte. Er sagt: «Ineichen zeichnete sich ein Leben lang auch durch sein Pflichtgefühl und als versöhnender Mensch aus.»

In der heutigen Zeit sei er vor allem als Zeitzeuge und Chronist interessant. Das zeige sich mitunter darin, dass er Sprichwörter und Reimsprüche in Luzerner Mundart sammelte. 1982 veröffentlichte der Sprachwissenschaftler Walter Haas ebenfalls im Comenius-Verlag eine reiche Auswahl aus diesem Fundus. «Damit hat auch diese Seite von Ineichen die verdiente Anerkennung gefunden», so Moos.

Den entscheidenden Input für einen Heinrich-Ineichen-Weg setzte jedoch Jakob Werder. Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten über die Bauernhöfe in der Kirchgemeinde Ballwil wurde er nämlich auf Anna-Marie Wyrsch-Feer aufmerksam. Bei diversen Gesprächen mit der jetzigen Besitzerin des ehemaligen Geburtshauses der Dorfpersönlichkeit begann bei Werder die Idee zu reifen. «Als er schliesslich mit seinem Anliegen zu uns kam, standen wir diesem positiv gegenüber», sagt Gemeindepräsident Benno Büeler. Denn Heinrich Ineichen sei ein geschichtsträchtiger Mensch. Mit diesem Weg liessen sich seine Verdienste in bleibender Erinnerung behalten. «Ob es im Zusammenhang mit der Dorfkerngestaltung zu Veränderungen beim seit nunmehr rund 20 Jahren unbewohnten Geburtshaus kommt, ist offen», so Büeler.

Spezielle Verbindung

Mit dem neuen Heinrich-Ineichen-Weg bekommt auch der bereits bestehende Xaver-Herzog-Weg eine zusätzliche Bedeutung. Von der Kirche her führend, kreuzt dieser zu Ehren von Ineichens Zeitgenosse und Pfarrer Xaver Herzog (1810–1883) benannte Weg künftig denjenigen von Ineichen. Herzog, auch der «alte Balbeler» genannt, lebte zwar in derselben Zeit. «Die beiden Persönlichkeiten unterschieden sich allerdings in mancher Hinsicht», so Hans Moos. Vor allem politisch hatten der Liberale ­Ineichen und der Konservative Herzog das Heu nicht auf derselben Bühne. «Trotzdem scheint es, dass sie miteinander einen gemeinsamen Weg fanden und in den späteren Jahren sich sogar freundschaftlich verbunden fühlten», weiss Moos. Eine Verbundenheit, die jetzt – rund 130 Jahre nach dem Tod der beiden aussergewöhnlichen Ballwiler – mit dieser erneuten Begegnung eine sowohl für Ineichen wie auch für Herzog kaum erwartete Renaissance erlebt.

Hinweis

Freitag, 24. April: 18.30 Uhr: Enthüllung der Wegtafel bei der Kirchentreppe; Geschichts-­Spaziergang mit Jakob Werder zur Aula im neuen Schulhaus. Kurze Präsentation zu Leben und Werk von Heinrich Ineichen. 20 Uhr: Apéro und Buchverkauf. Musikalische Umrahmung durch die «Original Chromme».