BALLWIL: Tee ist für diese Frau mehr als nur Genuss

Barbara Vogel-Häf­liger zelebriert die Kunst des Tees. Doch neben viel Musse ist es für sie intensives Business in einer Männerdomäne.

Ernesto Piazza
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Barbara Vogel (54) in ihrem Büro in Ballwil. Im Hintergrund eine Auswahl ihrer Teedosen. (Bild Pius Amrein)

Barbara Vogel (54) in ihrem Büro in Ballwil. Im Hintergrund eine Auswahl ihrer Teedosen. (Bild Pius Amrein)

Erneut setzt Barbara Vogel-Häfliger die Teetasse an. In ihrem Degustationsraum entscheidet sie immer wieder aufs Neue: Passt das Aroma, stimmt letztlich die Qualität. «Manchmal entscheiden Nuancen», sagt sie. Unweit entfernt stehen leere Kartonschachteln. Ein Blick darauf verrät: Sie lässt sich die Muster von weit her schicken. Diesmal aus Laos.

«Viele Menschen assoziieren Tee mit krank sein», weiss Barbara Vogel. Nicht sie. Für die verheiratete Mutter von Sohn Patrick (27) und Tochter Deborah (31) gehören Genuss, Musse und auch Zeit dazu. Früher verbrachte sie einen Teil dieser Zeit in Paris. Damals, als die heute 54-Jährige noch ihre eigene Marketingfirma hatte. «Ich liebe diese Stadt», betont sie. In Paris keimte in ihr auch langsam die Liebe zum Tee. Beim Flanieren kam die Inspiration. Ihr Kopf begann kontinuierlich an der sich öffnenden Marktlücke zu arbeiten.

«Ich bin eine Perfektionistin»

Vor 16 Jahren eröffnete die Marketingplanerin in Luzern ihren ersten Teeladen. Zwischenzeitlich hatte sie auch ein Geschäft im Tessin. Doch das Wachstum gehört nicht zu ihrer Philosophie. Viel wichtiger ist für sie ein sehr hohes Mass an Qualitätsbewusstsein. Hier kennt sie keine Halbheiten. «Ich bin eine Perfektionistin», betont sie. Und eine Allrounderin dazu. So steht sie nebst dem Verkaufsgeschäft L’art du thé in Luzern täglich in Ballwil im Betrieb und koordiniert zwischen Administration, Lager und Produktion.

Vor 13 Jahren brachte sie den ersten Teebeutel aus speziellem Nylongewebe in der Schweiz auf den Markt. Liess sie diese Teebeutel früher noch extern herstellen, steht seit 2009 eine Maschine aus Japan in Ballwil. Und seit 2011 produziert Barbara Vogel, auch in Ballwil, im eigenen Fabrikationsgebäude.

Mittlerweile verkauft sie über 250 verschiedene Teesorten und verarbeitet insgesamt 12 Tonnen jährlich in ihren Teebeuteln. Über 800 Gastrobetriebe gehören zu ihren Kunden. Dazu kommt neben dem Verkauf im Laden in Luzern ein weltweiter Versand.

Barbara Vogel hat sich im internationalen Teehandel einen Namen geschaffen. Zudem bildete sie sich bei ihren zahlreichen Teeplantagenbesuchen vor Ort weiter. Eine diesbezügliche Ausbildung gibt es weltweit nicht. Zudem profitiert sie von den guten Kontakten. Diese musste sie sich allerdings in all den Jahren erarbeiten. Indem sie unter anderem unzählige Teegärten in vielen Ländern besuchte. Wie beispielsweise im indischen Darjeeling-Gebiet am Fusse des Himalaja. «Diese Reisen sind alles andere als Ferienreisli», sagt sie. Neben der zwei- bis dreimonatigen Vorbereitungszeit, wo jeder Termin fix festgemacht wird, ist der Besuch von zehn Teegärten innert 14 Tagen keine Seltenheit. Neben der Degustation und der Kontaktpflege geht es ihr auch immer um die Besichtigung der Teegärten und der Produktion. Und mittlerweile wundere sich da niemand mehr darüber, dass Barbara Vogel allein reist und in einer Männerdomäne unterwegs ist.

Mischungen für Grosskinder

Zurück von ihren Reisen, gilt es, die Muster jeweils unter heimischen Bedingungen erneut zu degustieren. Das heisst: «Ich muss wissen, wie sich der Tee bei unserem kalkhaltigen Wasser entwickelt.» Um dann schnell zu entscheiden. Sie ist weltweit nicht die Einzige, die denselben Tee kaufen will.

Für die Business-Frau mit viel Sinn für Schönheit muss das ganze Paket stimmen. Deshalb misst sie dem Design einen grossen Stellenwert bei. Zur neusten ihrer zahlreichen Eigenkreationen gehört beispielsweise «Tea to go»: Ganz nach dem Motto «Kampf dem Pappbecher» entwickelte sie eine Trinkflasche aus doppelwandigem Borosilikatglas, wie sie erklärt. Um so den Tee unterwegs – inklusive des edlen Stoffbeutels – stilvoll zu geniessen.

Ein wichtiger Aspekt für Barbara Vogel ist auch Biotee. Die ganze Firma ist nach schweizerischer Bioverordnung zertifiziert. «Alle Tees werden lückenlos auf Rückstände kontrolliert», betont sie. Bei den in fernen Ländern oft überdüngten Böden sei es immer schwieriger, «saubere» Tees zu finden – aber trotzdem ein absolutes Muss, erklärt Vogel.

Für Barbara Vogel verbirgt sich hinter vielen Tees zudem eine Geschichte. So kreierte sie für ihre drei Grosskinder Lynn (7) und die beiden Zwillinge Marvin und Kimo (5) eigene Mischungen. Und hier zeigt sich auch: Obwohl sie sehr oft ganz «Business» ist: Die Besitzerin einer Kawasaki 750 ccm schätzt es genauso, Stunden privat im Kreise ihrer Familie zu geniessen.