Zeichnerin, Verlegerin, Mutter, Politikerin: Ballwilerin kreiert Kinderbücher von A bis Z selber

Petra Jenni ist vielseitig interessiert. Nun hat die 44-Jährige Ballwilerin ihr erstes Kinderbuch neu herausgebracht – auch das nächste Projekt liegt bereits vor.

Niels Jost
Drucken
Teilen
Petra Jenni (44) mit der Neuauflage ihres Kinderbuches. An der Wand: Das Plakat mit den «Einmaleins-Monstern».

Petra Jenni (44) mit der Neuauflage ihres Kinderbuches. An der Wand: Das Plakat mit den «Einmaleins-Monstern».

Bild. Manuela Jans-Koch (Ballwil 15. Juli 2020)

Eigentlich wollte sie die Neuauflage ihres ersten Buches gar nicht veröffentlichen. Obwohl sie bereits rund 400 Arbeitsstunden in die frischen Illustrationen und den Text gesteckt hatte, lagen die überarbeiteten Seiten fast drei Jahre lang fixfertig in der Schublade. Unberührt, ungedruckt. Erst als eine Kollegin Petra Jenni nach einem Exemplar fragte und sie ihr Mann dazu ermutigte, liess sie die Neuauflage drucken.

«Der Anfang meines Lebens», heisst das Buch, welches Jenni 2008 erstmals herausgab und nun in der zweiten Version vorliegt. Ein liebevoll gestaltetes Babyalbum, welches Eltern mit eigenen Bildern und Texten über ihr Kind anreichern können – von der Schwangerschaft bis zur letzten Windel.

4 Bilder

«Das Buch soll Platz bieten, um Erinnerungen zu bewahren», sagt die 44-jährige CVP-Politikerin, die in Ballwil in einem 20-Prozent-Pensum als Gemeinderätin dem Ressort Bau vorsteht.

Bereits 10'000 Exemplare verkauft

Das Besondere: Die Mutter zweier erwachsener Kinder hat das Buch von A bis Z selber kreiert, von der Idee, über die Illustrationen, die Texte bis hin zum Marketing und Verkauf – und das erfolgreich. Über 10'000 Stück hat sie von der ersten Auflage verkauft. «Das hätte ich mir nie träumen lassen», sagt Jenni. Von der Neuauflage hat sie nun 3000 Exemplare drucken lassen. Diese liegen – in Kisten verpackt – im Keller und in einem externen Lager. Bereit, um mit Leben gefüllt zu werden.

Es ist schon das dritte Buchprojekt, welches Petra Jenni nun umgesetzt hat. Neben der Erst- und Neuauflage des Babyalbums hat sie ein Erinnerungs- und Trauerbuch für Kinder herausgegeben. Zudem hat sie diverse Kindershampoos illustriert. Zwar ist Jenni gelernte Bauzeichnerin, dies könne man aber nicht mit dem Zeichnen der Figuren für ihre Projekte vergleichen, sagt sie. Auf den Geschmack sei sie gekommen, als ihre Kinder noch kleiner waren – und auch sie zu Stift und Papier griff.

Zeichnerin, Illustratorin, Verlegerin, Mutter, Gemeinderätin – Jenni ist vielseitig interessiert und engagiert. «Ich brauche die Abwechslung», sagt sie. «Ob bei meinen Buchprojekten oder bei politischen Geschäften: Wenn ich mich in ein Projekt vertiefe, kann ich abschalten. Die Arbeit kann dann sehr meditativ sein.»

Firmen sind an neuer Idee interessiert

Obwohl Petra Jenni mit der Neuauflage des Babyalbums nun erst ein langjähriges Projekt abgeschlossen hat, wartet bereits das Nächste. Auch dieses liegt schon fixfertig vor. Dabei handelt es sich um eine Lernhilfe für Primarschüler, um sich das Einmaleins spielerisch anzueignen.

Woher holt sie sich die Inspiration? «Die Ideen entstehen immer aufgrund eines Bedürfnisses», sagt Jenni. «So auch bei diesem Projekt. Die Kinder können zwar alle möglichen Action-Figuren auswendig aufsagen, aber nicht das Einmaleins.» Deshalb hat sie nun ein Plakat und ein Spielbrett mit Zahlenmonstern entwickelt, welche die Kinder wiedererkennen sollen. «Wenn eine Geschichte dahinter steckt, lernen die Kinder viel schneller», ist Jenni überzeugt.

Eine befreundete Lehrerin habe die «Monster» bereits getestet. Die Kinder seien begeistert. Auch Firmen seien daran interessiert. Dies werde Jenni nun prüfen. Sie geht das aber locker an. «Die Arbeit soll mir in erster Linie Spass bereiten.» Dabei könne sie auf die Unterstützung ihrer Familie zählen. Wobei: «Ich habe meinem Mann versprochen, dass dies nun mein letztes Projekt ist», sagt Jenni mit einem Lachen. Ob sie ihre Kreativität tatsächlich zurückhalten kann, wird sich zeigen.

Mehr Infos unter www.lioverlag.ch

Mehr zum Thema

TODESFALL: Eine Maus hilft, Trauer zu überwinden

Ein Kind verliert seinen Vater oder seine Schwester. Was tut man in einem solchen Fall? Damit hat sich Petra Jenni aus Ballwil beschäftigt. Sie hat ein Buch gestaltet – daraus entsteht für jeden Betroffenen ein ganz persönliches Erinnerungsalbum.
Yasmin Kunz