BALTIC SONG CONTEST: «Da denkt niemand, Musik sei nur ein Hobby»

Der Nidwaldner Sänger Ivo hat am Samstag im schwedischen Karlshamn den Baltic Song Contest gewonnen. Sein Song «She's the Reason» überzeugte die Jury und die 20'000 Zuschauer.

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Ivo hat den Baltic Song Contest gewonnen. (Bild pd)

Ivo hat den Baltic Song Contest gewonnen. (Bild pd)

Ivo, Herzliche Gratulation zum Gewinn des «Baltic Song Contest». Wie sind Sie überhaupt nach Schweden gekommen?

Ivo: Eine amerikanische Fachwebsite hat einen Sampler mit ausgewählten Songs an den Organisator des Wettbewerbs gesendet. Auf dieser CD war auch mein Song «Hold on» zu hören. Der hat ihm gefallen und ich wurde nach Karlshamn eingeladen.

Geht es bei einem solchen Wettbewerb mehr ums Networking oder darum, einen neuen Absatzmarkt für CDs zu erschliessen?

Ivo: Mit einem einzigen Auftritt, auch mit einem grossen, wird man nicht auf einen Schlag bekannt. Soviel habe ich inzwischen gelernt. Aber die Geschichte mit den Amerikanern, die die Schweden von mir überzeugen, zeigt, dass meine Arbeit geschätzt wird. Eine Anerkennung, die ich in der Schweiz ehrlich gesagt nicht bekomme. Darum bin ich nach Schweden gereist. Aber natürlich haben sich auch interessante Kontakte mit Musikern, Songschreibern und Produzenten ergeben.
Wäre der kleine schwedische Markt überhaupt attraktiv für Sie?

Ivo: Oh ja! Es gibt zwar nur ungefähr acht Millionen Schweden, doch die haben einen ganz anderen Bezug zur Musik als wir. Da denkt niemand, Musik könnte höchstens ein Hobby sein. Und das musikalische Niveau auch junger Bands ist extrem hoch.

Bereiten Sie mit dem Preisgeld nun eine neue CD vor?

Ivo: (lacht) Schön wärs, aber von den 5000 Franken Preisgeld hat man mir schon mal einen Tausender für die Schwedische Steuerbehörde weggenommen. Den Rest kann ich ganz gut im Alltag gebrauchen. Tatsächlich schreibe ich momentan aber Songs und suche nach geeigneten Finanzierungsmethoden. Mit 4000 Franken produziert man aber keine CD!

Eine gute Werbung für eine neue Platte wäre auch die Teilnahme am «Eurovision Song Contest». Einige Schwedische Stimmen hätten Sie bestimmt auf sicher....

Ivo: Wissen Sie, ich habe ein schizophrenes Verhältnis zu Musikwettbewerben. Musik sollte nicht zu einem Wettbewerb degradiert werden.

Trotzdem ist der Eurovision Song Contest intern immer wieder ein Thema. Bisher haben wir von einer Teilnahme abgesehen. Das kann sich jedoch eines Tages ändern. Selbst wenn man verliert: Man profitiert von internationaler Publizität - die Lovebugs sind das beste Beispiel dafür.

Interview Stefan Schütz