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Bangen um das Blue Balls

Die Stadt Luzern, das KKL und der Schweizerhof würden es bedauern, wenn das Blue Balls kürzertreten müsste. Von der Stadt kommen daher jährlich Hilfeleistungen von bis zu einer Million Franken.
Fabienne Mühlemann / Hugo Bischof
Das KKL ist ein gewichtiger Grund für die Ausstrahlung des Blue Balls Festivals. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018))

Das KKL ist ein gewichtiger Grund für die Ausstrahlung des Blue Balls Festivals. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018))

Am Donnerstag liessen die Verantwortlichen des Blue Balls Festivals eine Bombe platzen. Das Festival steckt in finanziellen Schwierigkeiten, bis Ende August muss eine Million Franken aufgetrieben werden, damit die Stiftung Blue Balls Foundation zur Rettung des Festivals ins Leben gerufen werden kann. Kommt der Betrag nicht zusammen, wird es das Festival in der bisherigen Form nicht mehr geben, teilte Festivaldirektor Urs Leierer mit.

Innert drei Monaten eine Million Franken sammeln? Hört sich nach einem schwierigen Unterfangen an. Warum die Neuigkeit so kurzfristig verkündet wurde, wollte Urs Leierer nicht kommentieren. «Wir haben mit der Stadt Luzern und dem KKL Luzern eine sehr gute Partnerschaft. Alle geben, was sie können. Und wir auch», sagt Leierer. «Wir wollen das Blue Balls Festival in der bestehenden Form für Luzern erhalten und ein nachhaltiges Fundament schaffen, das dies ermöglicht.» Die nächste öffentliche Kommunikation soll im September erfolgen. Ob bereits potenzielle Geldgeber gefunden wurden, sagte Leierer gestern nicht.

Strategischer Partner des KKL

Beim KKL würde man ein Ende des Festivals bedauern. «Das Blue Balls hat sich in den letzten Jahren als wichtiger Event rund um das Luzerner Seebecken mit verschiedensten Partnern etabliert», sagt Philipp Keller, CEO der KKL Luzern Management AG. Im Kultur- und Kongresszentrum Luzern finden jedes Jahr bis zu 30 Blue-Balls-Konzerte statt, ein Drittel davon im Konzertsaal, zwei Drittel im Luzerner Saal. Keller betont: «Das Blue Balls Festival ist und bleibt ein strategischer Partner für das KKL.»

Mit dem Festivaldirektor Urs Leierer bestehe «eine enge und gute Zusammenarbeit, welche allseits sehr geschätzt wird». Was die aktuellen finanziellen Probleme des Festivals betrifft, sagt Keller: «Als strategischer Partner des KKL Luzern und aufgrund der Bedeutung des Festivals für die Destination Luzern ist die KKL Luzern Management AG in engem Austausch mit allen involvierten Gremien.»

Auch für den langjährigen KKL-Verwaltungsrat und Verwaltungsratspräsidenten Peter Mendler ist klar: «Das Blue Balls Festival ist für das KKL sehr wichtig. Es hat in der Stadt Luzern, bei der Bevölkerung und bei den Besuchern einen hohen Stellenwert.» Zudem falle es in eine Jahreszeit, in der es «schwierig ist, andere Veranstaltungen ins KKL zu bringen». Ein weiterer Vorteil: «Das Blue Balls Festival bringt ein Zuschauersegment, das sonst im KKL nicht regelmässig anzutreffen ist, darunter auch viele junge Leute.» Genau diese Breite suche das KKL: «Wir versuchen möglichst viele Leute anzusprechen.» Mendler würde es aus Sicht des KKL Luzern, aber auch als regelmässiger Besucher sehr bedauern, wenn es das Blue Balls Festival in der jetzigen Form nicht mehr geben würde.

Stadt sorgt für vergünstigte Nutzung

Auch die Stadt Luzern sähe es als Verlust, wenn es das Blue Balls in der heutigen Form nicht mehr geben würde. «Das Festival hat eine grosse Bedeutung für Luzern, es bereichert das Sommerprogramm enorm», so Simon Rimle, Leiter Kommunikation der Stadt. Jährlich erhält das Blue Balls einen finanziellen Beitrag von 130 000 Franken von der Stadt Luzern. Laut Rimle bieten sie für das Festival noch weitere Leistungen: «Die Stadt sorgt für vergünstigte Nutzungsbedingungen im KKL für zwei Konzerte im Konzertsaal sowie für elf Konzerte im Luzerner Saal. Weiter wird der öffentliche Raum um das Seebecken zur Verfügung gestellt. Zusammengerechnet haben die Leistungen der Stadt Luzern einen Wert von schätzungsweise 750 000 bis 1 Million Franken.»

Konzerte im KKL sind unrentabel

Aufgrund des Kulturkompromisses 1998 können Luzerner Vereine und Organisationen die KKL-Säle an einigen Tagen im Jahr zu vergünstigten Tarifen nutzen. Für Nutzungsberechtigte kostet die Miete des KKL-Konzertsaals pro Abend 3105 Franken (Freitag/Samstag 3517 Franken); beim Luzerner Saal beträgt der vergünstigte Tarif 2035 Franken (Freitag/Samstag 2412 Franken). Für kommerzielle Nutzer beträgt die Tagespauschale für den Konzertsaal gemäss KKL-Website zwischen 20500 und 24500 Franken, für den Luzerner Saal 8500 Franken.

Dazu kommen für das Blue Balls jeweils noch Abgaben wie die Billettsteuer und die Gagen für die Künstler. Wie Leierer am Donnerstag sagte, seien die Konzerte im KKL daher höchst unrentabel. Aber würden dort keine Konzerte mehr stattfinden, würde das Blue Balls seine jetzige Ausstrahlung verlieren.

«Festivalstadt Nummer 1»: Luzern

Zahlreiche Blue-Balls-Konzerte finden im Hotel Schweizerhof statt. «Wir sind ein wichtiges Element des Festivals, und das schon seit Jahren», sagt Schweizerhof-Direktor Clemens Hunziker. Er betont: «Wir hatten immer eine sehr gute Partnerschaft.» Der Schweizerhof unterstütze das Festival finanziell und mit Partnerschaften. Ein Teil der Unterstützung bestehe darin, dass viele Musiker, die am Blue Balls auftreten, vor allem die Headliner, im Hotel Schweizerhof übernachten – «zu angepassten Bedingungen», sagt Hunziker. Wenn es das Blue Balls Festival nicht mehr gäbe, wäre das «ein sehr herber Verlust für Luzern», betont Hunziker. «Es ist ein Festival mit internationaler Ausstrahlung.» Hunziker: «Wir müssen gemeinsam sicherstellen, dass Luzern die Festivalstadt Nummer 1 in der Schweiz bleibt.» Das Oster-Festival und das Piano-Festival gebe es leider bereits nicht mehr. Umso mehr sei es wichtig, sich jetzt mit vereinten Kräften für das Blue Balls Festival einzusetzen. (hb)

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