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Gast halbseitig gelähmt – Freispruch für ehemaligen Türsteher der Bar 59

Das Luzerner Kriminalgericht folgt der Verteidigung und spricht einen ehemaligen Türsteher der Bar 59 frei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Sandra Monika Ziegler

Als ein Betrunkener als letzter Gast die Luzerner Bar 59 an der Industriestrasse verliess und auf den Türsteher losging, setzte sich dieser zur Wehr. Nach der Rangelei blieb der Gast liegen, der Sicherheitsmann entfernte sich. Die Polizei wurde gerufen. Der Mann wurde von Polizisten hochgezogen, «unsanft» in den Polizeiwagen bugsiert und auf den Posten gebracht.

Dort stellte der Amtsarzt eine einseitige Lähmung, verursacht durch einen Verschiebungsbruch, fest. Das Opfer musste notfällmässig operiert werden und wurde ins Paraplegikerzentrum Nottwil verlegt. Wer war schuld an der Verletzung? Eindeutig klar war es auch nach der Verhandlung Mitte September nicht.

Sicherheitsmann kennt die Kundschaft

Jetzt liegt das Urteil vor: Der Türsteher wird vom Luzerner Kriminalgericht von Schuld und Strafe freigesprochen. Es ist nicht rechtsgültig, dagegen kann Berufung eingelegt werden. Die Staatsanwältin forderte drei Jahre Haft, davon ein Jahr bedingt; der Verteidiger wollte einen Freispruch. Die Rangelei vor der Bar ereignete sich im Mai 2014. Dabei wurde der damalige Türsteher der vorsätzlichen schweren Körperverletzung beschuldigt.

Vor Gericht sagte der heute 46-Jährige, er könne sich gut an den Abend erinnern. Er habe damals bereits 12 Jahre für den Club gearbeitet und kenne die Gäste, so auch das Opfer. Es sei immer wieder vorgekommen, dass betrunkene Gäste am Schluss noch für Radau sorgten, und genau das habe er verhindern wollen, so der Angeklagte. Auf die Frage der Staatsanwältin, wie er das Risiko einschätzte, sagte er:

«Ich habe mich gewehrt, ihm die abgebrochene Flasche aus der Hand geschlagen und ihn zu Boden gedrückt. Da blieb er liegen, bis die Polizei kam.»

Der Gedanke, dass er damit den Mann lebensgefährlich verletzen könnte, sei ihm nicht gekommen. Er sei sich keiner Schuld bewusst. Die Ambulanz hätte die anvisierte Polizei rufen sollen, die tat es aber nicht. Der Türsteher habe den damals 28-jährigen Mann erstmals wieder vor einigen Monaten aus der Ferne gesehen, einmal zu Fuss und einmal auf dem Velo: «Ich bin megafroh, dass er wieder laufen kann.»

Die Staatsanwältin sagte, der Angeklagte habe im Wissen um die Gefahren die Verletzungen in Kauf genommen, auch wenn es nicht das Ziel gewesen sei. Er habe erheblich mehr Gewalt als zulässig angewendet. Es sei ein Fakt, dass der Mann schwer verletzt wurde, so die Anwältin. Die Verletzung sei «kausal wie ursächlich» im Zusammenhang mit dem Eingreifen des Türstehers entstanden. Dass es der «unschöne» Abtransport durch die Polizei die Ursache gewesen sein könnte, lässt sie nicht gelten, das sei eine reine «Schutzbehauptung».

Der Verteidiger blieb auf seinem Standpunkt und erinnerte an den juristischen Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten. «Wenn es nicht eindeutig klar ist, kann es nur einen Freispruch geben.»

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