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BARRIEREFREI: Kaum Wohnungen für Rollstuhlfahrer

Das Vergleichsportal Comparis hat sieben Städte analysiert. Fazit: Nur knapp 6 Prozent des Immobilienangebotes sind rollstuhlgängig. Ein Verband fühlt sich in seiner Meinung bestätigt.
Eine Frau auf ihrem Rollstuhl. (Bild Stefan Kaiser)

Eine Frau auf ihrem Rollstuhl. (Bild Stefan Kaiser)

Es ist nicht leicht, eine passende Wohnung in der Stadt Luzern zu finden. Und als Rollstuhlfahrer gleicht dies quasi einem Sechser im Lotto. Grund dafür: Das barrierefreie Wohnen wird selten umgesetzt. Das zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Comparis. Das Unternehmen verglich Inserate von Mietwohnungen, die als rollstuhlgängig ausgeschrieben sind. Es wurden Angebote aus sieben Städten von 17 Immobilien-Plattformen analysiert. Comparis hält fest, dass die Angabe «rollstuhlgängig» auf Freiwilligkeit basiere und deshalb die Wohnungen ohne solche Angaben als «nicht rollstuhlgängig» bewertet wurden.

Geprüft wurden in den Jahren 2015 und 2016 die Angebote von 2- bis 31/2-Zimmer-Wohnungen mit einer Wohnfläche von 41 bis 80 Quadratmetern sowie 4- bis 41/2-Zimmer-Wohnungen mit Flächen von 81 bis 120 Quadratmetern. Das Resultat ist ernüchternd: Im Durchschnitt ist nur jede 17. Wohnung barrierefrei.

Kleinere Städte haben grösseres Angebot

Die Stadt Luzern erreicht in der Studie Platz zwei mit 5,2 Prozent Anteil an rollstuhlgängigen Wohnungen. Schlusslicht ist die Stadt Basel mit 1,6 Prozent, und am besten schnitt die Stadt Biel mit 6,8 Prozent ab.

Die Analyse zeigt, dass vor allem in eher kleinen Städten ein grösseres Angebot besteht. «Es ist sehr schwierig, die genauen Gründe dafür zu eruieren. Es könnte damit zusammenhängen, dass der Bodenpreis in grossen Städten höher ist. Altbauwohnungen sind meistens auch nicht rollstuhlgängig, und das Behindertengleichstellungsgesetz sieht vor, dass ein Lift erst bei Häusern ab neun Wohnungen eingebaut werden muss. Neubauten werden eher barrierefrei gebaut», sagt Nina Spielhofer, Mediensprecherin bei Comparis. Das Unternehmen will sich mit dieser Analyse dafür einsetzen, dass vermehrt darauf geachtet wird, ob eine Wohnung rollstuhlgängig ist und dass das Inserat auch dementsprechend publiziert wird, so Spielhofer.

Der grösste Mitgliederverband von und für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz ist Procap. Der Verband stimmt der Analyse voll und ganz zu. «Die Auswertungen zeigen klar, dass es zu wenig Wohnungen für Rollstuhlfahrer hat. Das gilt für die ganze Schweiz, für Städte wie auch fürs Land. Ein Umstand, den wir seit Jahren beobachten und auch reklamieren», sagt Remo Petri, Leiter Wohnen, Bauen und Verkehr bei Procap Schweiz. Procap-Erhebungen aus dem Jahr 2012 zeigen, dass von den befragten Personen mit Behinderung lediglich 18 Prozent selbstständig in einer vollständig rollstuhlgängigen Wohnung leben. Über zwei Drittel leben in einer nur beschränkt rollstuhlgängigen Wohnung. Die restlichen Personen leben bei Eltern oder Verwandten.

Kein Lift oder zu hohe Mieten

Die Situation habe sich in den letzten fünf Jahren nicht verbessert: «Es ist heute noch sehr schwierig, solchen Personen geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln», sagt Petri. In grossen Zentren habe es mehr Altbauwohnungen, diese hätten oft keinen Lift oder keinen barrierefreien Zugang dazu. «Solche Liegenschaften werden zwar saniert, doch ein Lift wird meist aus Platzgründen nicht eingebaut.» Und Neubauten, so Petri weiter, hätten zwar oft einen Lift, seien aber zu teuer.

Rollstuhlfahrer sind oft aufgrund ihrer Behinderung auf Leistungen der Invalidenversicherung und auf Ergänzungsleistungen angewiesen und haben ein dementsprechend schmales Budget. «Für eine Person mit Ergänzungsleistung darf die Miete 1400 Franken pro Monat nicht übersteigen», so Petri. Dieser Mietzins sei seit Jahren nicht an die realen Mietverhältnisse angepasst worden, und das verringere die Chancen zusätzlich.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

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