BASLER FASNACHT: «Vo Lozärn gäge ‹Waggis› zue»

Die Rüssgusler, Nostradamus und der Tambourenverein der Stadt Luzern folgten der Einladung einer Basler Clique an den Cortège. Die Umzugszuschauer waren sich einig: Das ist eine tolle Sache.

Martina Odermatt
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Rüssgusler, Nostradamus und der Tambourenverein der Stadt Luzern haben gestern beim Cortège der Basler Fasnacht mitgemischt. (Bild: Pius Amrein (Basel, 6. März 2017))

Rüssgusler, Nostradamus und der Tambourenverein der Stadt Luzern haben gestern beim Cortège der Basler Fasnacht mitgemischt. (Bild: Pius Amrein (Basel, 6. März 2017))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Die Stimmung war herzlich: Als sich die Mitglieder der Rüssgusler Ebikon, des Tambourenvereins Luzern und Nostradamus am Montagmittag am Wettsteinplatz in Basel versammelten, wurden sie von der Basler Clique «Schnäderänte» in Empfang genommen. Man lag sich in den Armen, riss Witze und sprach über Aktuelles.

Die «Schnäderänte» – sie sind der Grund, warum die drei Luzerner Gruppierungen in Basel waren. Die Basler Clique hatte sie zum Cortège eingeladen, dem Basler Umzug. Dies, weil die drei Gruppen die Basler Fasnacht als Sujet gewählt hatten (wir berichteten). Und die Luzerner liessen sich nicht zweimal bitten. So fuhr am Montagmorgen um halb zehn Uhr der Bus voller Fasnächtler in die Stadt am Rhein.

Einige Tambouren sind auch in Basel aktiv

Mit dabei waren übrigens auch Patrick Hauser, Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), und sein Weibel Bernhard Brun. Sie zogen sich in Basel ein Tambouren-Gwändli über. Von diesen hatte es zuhauf, denn nur zwei Mitglieder des Tambourenvereins schafften es nach Basel. Präsident Marco Wicki erklärt: «Einerseits sind viele Tambouren auch in Basel aktiv. Die gehen dann jeweils nach der Luzerner Fasnacht zu ihren Basler Cliquen. Andererseits habe ich die Leute dieses Jahr arg beansprucht. Normalerweise haben wir nicht so ein straffes Programm.» Durch die Zusammenarbeit mit Nostradamus und den Rüssguslern habe man an vier Umzügen teilgenommen. «Und dann kommt noch das Wetter hinzu! Da überlegt man sich zweimal, ob man nach Basel kommen möchte», sagt Wicki. Ja, das Wetter. Kurz vor dem Start des Cortège setzte der Regen ein. Anfangs nur leicht, dann immer heftiger.

Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch. Die Luzerner freuten sich auf ihren Auftritt in Basel. Das zeigt auch die Anzahl der anwesenden Mitglieder von Nostradamus (12 Personen) und der Rüssgusler (46 Personen).

Die Luzerner Fasnacht ist wilder

Doch bei der Ankunft des Luzerner Busses wirkt die Stadt leer. Wo in Luzern Rambazamba auf den Strassen stattfindet, muss man in Basel erst mal nach Fasnächtlern Ausschau halten. Die Basler, so heisst es, gehen nach dem Morgestraich nach Hause und gönnen sich noch eine Mütze voll Schlaf. In Luzern fast undenkbar. Und auch sonst gebe es zwischen Luzernern und Baslern einige Unterschiede. «Viel reglementierter ist es in Basel», sagt einer der Luzerner

«Sie bringen frischen Wind nach Basel»

Dann ist der grosse Moment da. Die Tambouren laufen voraus, gefolgt Nostradamus und dann den Rüssguslern. Die Gastgeber «Schnäderänte» lassen den Luzernern den Vortritt. Zwischen grossen Wagen, Trommeln und Pfeifen marschiert der Zug los. Aus Wagen werfen «Waggis» – so nennt man die klassische Basler Fasnachtsfigur – mehrheitlich Räppli (bloss nicht Konfetti sagen), Blumen und Orangen. Eine halbe Tonne haben die «Schnäderänte» dabei.

Die Zuschauer bemerken, dass eine «fremde» Gruppe mitläuft. «Das sind also diese Luzerner», hört man sie sagen. Doch negative Kommentare gibt es keine. «Wir finden es toll, dass die Luzerner hier sind, sie bringen etwas frischen Wind nach Basel, das ist super», sagt etwa Corinna von Allmen aus Sissach. «Und es ist auch eine Ehre für den Basler Sepp Ebinger.» Dieser hatte vor 70 Jahren die erste Luzerner Guuggenmusig gegründet, was Rüssgusler, Tambourenverein und Nostradamus dazu veranlasste, die Basler Fasnacht dieses Jahr als Sujet zu wählen. Auch Tom Müller aus Pratteln lobt die Aktion: «Die Luzerner sind hier sehr willkommen.» Christoph Bürgin vom Basler Fasnachts-Comité bestätigt die Meinung der Zuschauer: «Die Reaktionen waren durchwegs positiv.»

«Wir bauen die schöneren Wagen»

Der Zug macht seine erste grosse Pause. Auch ein Unterschied: In Basel machen die Züge Pausen, klinken sich nach einer Weile dann wieder in den Umzug ein. Alles in allem dauert der Cortège ungefähr vier Stunden. Bis um halb sechs zieht der Zug um die Häuser. Etwas lange, findet der eine oder andere Luzerner Fasnächtler. Auch sonst fallen einige Dinge auf: «Die Wagen. Ich finde, wir bauen die schöneren Wagen.» Und Rüssgusler Fabian Ruppli bemerkt etwas enttäuscht: «Schade, sehen wir praktisch keine traditionellen Figuren. Es sind fast nur Waggis zu sehen. Wir sind wohl fast die einzige Gruppe, die ‹Bajasse›, ‹Junterössli› und eine ‹Alti Dante› haben.» Auch LFK-Präsident Hauser resümiert: «Es ist schon anders, wenn das Publikum am Strassenrand in Zivil gekleidet ist. Bei uns ist ja mindestens die Hälfte maskiert.»

Nichtsdestotrotz: «Ich glaube, wir haben hier eine ganz runde Sache auf die Beine gestellt. Wir haben nur positives Feedback bekommen», zieht Marco Thomann von Nostradamus Bilanz. «Vorhin im Restaurant hat sogar jemand Fremdes gesagt: ‹Schön, seid ihr da.› Dieses Projekt hätte auch nach hinten losgehen können.» Rüssgusler-Tambourmajor Steffen Romeo pflichtet ihm bei und ergänzt: «Mit diesem Projekt hat wohl auch eine Annäherung der Fasnachtskulturen stattgefunden. Wir haben eine Brücke geschlagen zwischen Basel und Luzern, wo sonst doch eher ein Konkurrenzkampf herrscht. Und das ist rüüdig toll.»