BASTELN: Der Fasnachtsgrend ist wieder im Trend

Die Fasnachtszünfte sind erleichtert: Es gibt wieder viel mehr Grende auf der Gasse. Bastelkurse für Kinder und Erwachsene boomen.

Drucken
Teilen
Der 12-jährige Ueli Ammann (vorne) bastelt einen Fasnachtsgrend beim Maskenkurs des LFK im Spielleute-Pavillon Luzern. Hinter ihm Jack Aellen (13). (Bild: Pius Amrein)

Der 12-jährige Ueli Ammann (vorne) bastelt einen Fasnachtsgrend beim Maskenkurs des LFK im Spielleute-Pavillon Luzern. Hinter ihm Jack Aellen (13). (Bild: Pius Amrein)

Er ist einer der Gründe, weshalb die Luzerner Fasnacht einfach rüüdig ist: der Grend. Dieser ist wieder im Trend, sagt Stephan A. Furrer, Maskenchef des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK). Dafür verantwortlich seien Familien und Gruppen: «In den letzten zwei, drei Jahren gab es einen Schub von kleineren Gruppen, die sich gemeinsam ein Sujet ausdenken. Dabei spielt auch der Grend eine zentrale Rolle.» Den Trend bestätigt Bernhard Matter, Präsident der Maskenliebhaber-Gesellschaft (MLG): «Es ist spürbar, dass es jedes Jahr wieder mehr Grende hat. Für uns ist das die ‹richtige› Luzerner Fasnacht, die hier mit solchen Masken gelebt wird.»

«Party-Fasnacht» seit 90er-Jahren

Die Masken hätten Ende der 1990er- und in den 2000er-Jahren an Bedeutung verloren, sagt Stephan A. Furrer. «Durch das Aufkommen der ‹Bumm-Bumm›-Wagen verschwanden die Masken immer mehr. Das traditionelle Kulturgut der Luzerner Fasnacht ging dabei ein wenig verloren», so Furrer. Damit spricht er vor allem auch die Fasnacht in der Bahnhofstrasse an, wo eine «Party-Fasnacht» aufgekommen sei. «Diese Art Fasnacht ist nicht die, die wir wünschen», so Furrer. Aber: «Für jeden soll es an der Fasnacht Platz haben.» Im Gegensatz zur Basler Fasnacht sei die Luzerner weniger organisiert «jeder kann tun und lassen, was er will».

Ähnlich sieht dies MLG-Präsident Bernhard Matter: «Private Kleingruppierungen mit elektronischer Musik haben Guuggenmusigen vertrieben.» Dass der Trend nun in die entgegengesetzte Richtung gehe, beruhigt ihn: «Diese Musik, die für Fasnacht nicht wirklich typisch ist, war eine Zeiterscheinung.»

Auch die «Kult-ur-Fasnächtler» freuen sich. «Es ist natürlich schön, zu sehen, dass immer mehr Kleingruppierungen, Einzelpersonen und sogar Familien mit Grende an die Luzerner Fasnacht kommen», sagt Präsident René Burach. «Die diesjährige Plakette mit Grend zeigt auch, dass sie ein zentraler Bestandteil unserer Fasnacht ist.»

Ausgebuchte Bastelkurse

Seit vielen Jahren veranstaltet das LFK Kurse, um Fasnachtsmasken zu basteln: einen für Kinder und einen für die Erwachsenen. Die Kurse seien ein wichtiger Bestandteil der Fasnachtskultur, sagt Stephan A. Furrer. «Wir möchten die Kultur des Grende-Bastelns und des Grende-Tragens aufrechterhalten.» Die Kurse seien in jedem Jahr gut besucht worden mit steigender Tendenz. Im letzten Jahr sei der Erwachsenenkurs fast zu gut besucht gewesen. «Es war von den Platzverhältnissen sehr eng», sagt Furrer. «In diesem Jahr sind nun 38 Kinder und 50 Erwachsene mit dabei, damit sind die Kurse gut gefüllt.»

Seit einem Jahr bietet der frühere LFK-Maskenchef Basil Koch auch Maskenkurse bei der Migros Klubschule an. «Sie sind sehr gut besucht», sagt Koch. Man habe mit den Kursen bei der Klubschule ein Angebot neben demjenigen der LFK schaffen wollen. «Der Kurs ist intensiver und dauert vier Abende, derjenige des LFK nur drei», sagt Koch: «Dadurch ist es auch möglich, noch speziellere Masken zu gestalten.»

Von klein auf an der Fasnacht dabei

Am Kinder-Maskenkurs des LFK letzte Woche wurde fleissig gearbeitet. Am zweiten Kurstag werden die Masken vom Ton abgelöst, Öffnungen werden ausgeschnitten, die Maske wird lackiert und grundiert. Grace (11) aus Sins ist an dieser Fasnacht ein Alpenmädchen: «Unser Familienmotto sind diesmal Alpbauern», sagt sie. Jedes Jahr sei ihre Familie an der Luzerner Fasnacht dabei, lange sei sie auch in einer Guuggenmusig gewesen: «Ich durfte da jeweils mitlaufen und mitspielen.» Seit zwei Jahren geniesse sie mit der Familie nun die Fasnacht: «Es gefällt mir sehr, diese Tage mit der Familie zu verbringen.»

Auch Mara (11) aus Hergiswil gefällt es beim Basteln: «Hier kann man tolle Sachen basteln», sagt sie. Mit welchem Sujet sie in diesem Jahr an die Fasnacht geht, sei noch nicht klar: «Ich mache einen Mädchenkopf, vielleicht gehe ich dann als Cheerleader.» Die Fasnacht sei für sie jedes Jahr das grosse Highlight.

<b>Anleitung</b> zum Basteln einer Fasnachtsmaske

Raphael Gutzwiller