Bau der neuen Gondelbahn auf die Rigi: Bahnen müssen zusätzliche Nachweise bringen

Die Natur- und Heimatschutzkommission ist nicht grundsätzlich gegen den Bau einer neuen Gondelbahn. Sie stellt aber Forderungen.

Christian Glaus
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So könnte die Talstation in Weggis künftig aussehen.

So könnte die Talstation in Weggis künftig aussehen. 

Visualisierung: PD

Es gilt als entscheidend für den Neubau der Seilbahn Weggis-Rigi Kaltbad, nun ist es öffentlich: das Gutachten der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK). Es ist am Dienstagnachmittag von den Rigibahnen präsentiert worden, zusammen mit den Ergebnissen des Projektwettbewerbs für den Neubau der Berg- und Talstation.

Die Rigibahnen wollen die heutige Pendelbahn mit zwei grossen Kabinen durch eine Umlaufbahn mit 21 Gondeln ersetzen (wir berichteten). Der Nachteil: Statt drei werden elf Masten benötigt, und die Gondeln werden während des Betriebs permanent sichtbar sein. Die Gegner des Projekts hofften auf ein klares Nein der ENHK und waren sich sogar sicher, dass diese den Bau einer Gondelbahn ablehnen würde, weil die Landschaft verschandelt werde. Doch eine derart deutliche Sprache spricht das Gutachten nicht, im Gegenteil: Es ist davon auszugehen, dass die Kommission den Bau der Gondelbahn zulässt. Allerdings müssen die Rigibahnen einige zusätzliche Nachweise erbringen. Nötig ist das Gutachten, weil das Projekt eine geschützte Landschaft von nationaler Bedeutung tangiert.

So könnte die Bergstation auf Rigi-Kaltbad aussehen.

So könnte die Bergstation auf Rigi-Kaltbad aussehen. 

Visualisierung: PD

Interessant ist, wie die ENHK in ihrem Gutachten argumentiert. Sie stellt das Gondelbahnprojekt der touristischen Nutzung und der heutigen Bahn gegenüber. Die Rigi zähle seit dem 19. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Tourismusdestinationen der Schweiz. Die heutige Pendelbahn sei weitherum sichtbar und stelle «eine schwere Beeinträchtigung» der geschützten Landschaft dar. Das neue Projekt muss die heutige Situation nicht verbessern, sondern darf höchstens zu einer «leichten zusätzlichen Beeinträchtigung» führen.

Landschaftlich teils sogar eine Verbesserung

Für die Kommission hat das Projekt durchaus positive Aspekte. So sei die heutige Luftseilbahn von der Kapellbrücke aus sichtbar. Im Bereich der heutigen Masten 1 und 2 wird die künftige Gondelbahn tiefer hängen. Die von der ENHK als störend empfundenen hohen Masten werden rückgebaut. In diesem Bereich trage der Bau einer tiefer liegenden Umlaufbahn «aus landschaftlicher Sicht zu einer starken Verbesserung bei». Kritisch äussert sich die Kommission zum 75 Meter hohen Mast bei der Müseralp. Aus der Distanz werde dieser zwar nicht mehr derart prominent in die Landschaftssilhouette ragen wie der bisherige Betonmast. Die Wirkung aus der Nähe sei aber beträchtlich und «beeinträchtigt den gesamtlandschaftlichen Eindruck». Hier müsse im weiteren Verfahren geprüft werden, ob die Höhe des Mastes reduziert werden könne, fordert die Kommission.

Ebenfalls kritisch setzt sie sich mit dem Lärm auseinander. Dieser werde zunehmen und «trübt das Landschaftserlebnis zweifelsohne». Moderneres Material, leichtere Gondeln und technologischer Fortschritt könnten die Lärmbelastung aber reduzieren. Auch dazu erwartet die Kommission nähere Informationen.

Die Gegner des Projekts kritisieren immer wieder, dass grosse Waldflächen gerodet werden müssen (siehe Box).

Gegner: «Desaster für die Umwelt»

Die geplante Gondelbahn auf die Rigi kommt bei René Stettler, dem Wortführer der Gegner, gar nicht gut an. Der Initiant von zwei Petitionen gegen die beabsichtigte Umsatzsteigerung der Rigibahnen spricht von einem «Desaster zu Lasten der Umwelt». Die geplante Gondelbahn, welche die Umsätze mitsteigern solle, berge «zahllose ökologische Unwägbarkeiten». Eine Gondelbahn verschandele das Landschaftsbild «aufs Gröbste», so der Kulturwissenschaftler in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung. Ausserdem würden Fundamente für die Bahn unterhalb von Rigi Kaltbad in eine hochsensible und geschützte Quellwasserfassungszone gestellt werden. Auch zum Bau meldet Stettler Vorbehalte: Würden Helikopter eingesetzt, bedeute dies für Weggis drei bis fünf Monate Fluglärm. Werde eine temporäre Bauseilbahn gebaut, seien eine weitere Waldschneise und Rodungen erforderlich. (nus)

Nötig seien gemäss Vorprüfung des Umweltverträglichkeitsberichts dauerhafte Rodungen bei vier Masten, schreibt die ENHK. Die Waldschneise im Bereich Chilenwald, wo die Bäume tief gehalten werden, müsse nicht erweitert werden. Fraglich ist aber, ob Schutzbauten vor Naturgefahren nötig sind. Die Detailplanung sei noch nicht abgeschlossen. Insgesamt, schreibt die Kommission, führe die neue Gondelbahn «zu keiner schweren zusätzlichen Belastung». Sie fordert aber in neun Punkten weitere Nachweise oder gibt Rahmenbedingungen vor. Weitere Abklärungen müssen die Rigibahnen etwa betreffend Lärm, einer Zunahme des Kollisionsrisikos mit Vögeln oder der Schneise im Chilenwald treffen. Ausserdem müssen sich die Stationen zurückhaltend in die Umgebung integrieren und die Gondeln sind so zu gestalten, dass sie nicht zu stark auffallen und reflektieren.

Die Seilbahn Weggis - Rigi Kaltbad wird neu gebaut.

Die Seilbahn Weggis - Rigi Kaltbad wird neu gebaut. 

Bild: Patrick Hürlimann (Weggis, 9. Februar 2020)

Die Rigibahnen haben das Gutachten bereits vor einigen Wochen erhalten. «Wir haben uns gefreut, ganz klar», sagte Verwaltungsratspräsident Karl Bucher am Dienstag vor den Medien. Das Gutachten sei eine Bestätigung dafür, dass die Rigibahnen ein landschaftsverträgliches Projekt planten. «Wir sehen aber auch die Auflagen, die noch viel Arbeit bedeuten.» Jörg Lustenberger, Leiter Betrieb, Technik und Infrastruktur, nannte eine Erkenntnis, die ihn besonders freue: Die ENHK anerkenne, dass es sich nicht um einen neuen Eingriff in die Landschaft handle. Der Landschaftscharakter werde nicht wesentlich verändert. Ebenfalls wichtig für die Rigibahnen sei die Aussage, dass eine Erhöhung der Transportkapazität nicht zwingend eine zusätzliche Beeinträchtigung der Schutzziele bedeute. «Wir sind der Meinung, dass wir die geforderten Nachweise erbringen können», so Lustenberger.

Die Rigibahnen glauben weiterhin an ihr Vorhaben. Davon zeugt auch, dass sie gestern das Siegerprojekt des Wettbewerbs für den Neubau der Berg- und Talstation präsentierten. Es handelt sich um den Entwurf Luegisland von Graber+Steiger Architekten. Die Bauten bestehen aus viel Holz und Glas. Bei der Bergstation wird das Fundament der bestehenden Bahn genutzt und mit einem Aufbau ergänzt. Der Gang durch einen Tunnel zur Bahn entfällt.

Bau der Gondelbahn kostet 20 Millionen Franken

Beim Bau der Gondelbahn handelt es sich um ein bundesrechtliches Verfahren. Der Kanton Luzern wird dabei angehört, die Bewilligung erteilt aber der Bund. Nach Vorliegen des Gutachtens scheint klar, dass sich auch der Kanton nicht gegen das Projekt stellt. Für eine Stellungnahme sei es aber noch zu früh, heisst es bei der kantonalen Dienststelle Raum und Wirtschaft auf Anfrage. Es sei noch kein formelles Bewilligungsverfahren eingeleitet worden.

Für den Bau der Gondelbahn rechneten die Rigibahnen bisher mit Kosten von rund 20 Millionen Franken. Verwaltungsratspräsident Karl Bucher erklärte, dass die effektiven Kosten etwas höher ausfallen dürften. Eine Zahl wollte er allerdings nicht nennen. Der Zeitplan sieht vor, dass das Genehmigungsverfahren in diesem Sommer gestartet werden kann. Die Konzession der bestehenden Bahn läuft im Herbst 2022 aus.

Vorgesehen ist, dass die neue Bahn pro Stunde 800 Passagiere transportieren kann, langfristig ist eine Erhöhung auf 1200 Personen denkbar. Zum Vergleich: Die heutige Pendelbahn bringt pro Stunde maximal 640 Personen auf den Berg.