Bau des Bushubs in Ebikon verzögert sich wegen Beschwerden

Der hindernisfreie Einstieg in den Bus sei am geplanten Hub in Ebikon nicht gewährleistet, findet ein Verband. Wegen dessen Beschwerde muss das Projekt vielleicht von Grund auf neu geplant werden.

Beatrice Vogel
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So soll der Bushub am Bahnhof Ebikon dereinst aussehen. (Visualisierung: PD)

So soll der Bushub am Bahnhof Ebikon dereinst aussehen. (Visualisierung: PD)

Am Bahnhof Ebikon soll Ende 2019 der neue Bushub in Betrieb gehen – eigentlich. Denn die Eröffnung wird sich wegen Beschwerden verzögern. Eine davon stammt von der Fachstelle Hindernisfreie Architektur, wie aus einer Antwort des Luzerner Regierungsrats auf eine Anfrage von Michael Ledergerber (SP) hervorgeht.

Konkret geht es bei der Beschwerde darum, dass die geplanten Haltekanten am Bushub nicht die erforderliche Höhe von 22 Zentimetern aufweisen. Seit Erlass des Behindertengleichstellungsgesetzes 2004 müssen Neubauten dieser Höhe entsprechen. So können Rollstuhlfahrer, aber auch Personen mit Rollatoren, Kinderwagen oder Krücken ohne Hilfe in den Niederflurbus einsteigen.

Vorschlag: Linie 1 fährt nicht zum Bahnhof

Dass in Ebikon die Haltekanten niedriger sind, wird von den Planern mit den engen Platzverhältnissen begründet. Muss nämlich der Bus eine enge Kurve fahren, kommt ihm die höhere Kante in den Weg. «In Ebikon sind viele Kurven geplant. Deshalb sind höhere Haltekanten bei der jetzigen Planung nicht machbar», sagt Joe Manser von der Fachstelle Hindernisfreie Architektur. Allerdings sei auf dem Bahnhofareal genügend Platz vorhanden, um den Bussen mehr Raum zu geben, nur wurde dieser für andere Elemente wie Parkplätze verwendet. «Daher gilt das Argument der engen Platzverhältnisse nicht.» Sprich: Das Problem liegt bei der Planung. Deshalb fordert die Fachstelle, dass der Bushub von Grund auf neu geplant wird.

Wird die Beschwerde gutgeheissen, würde das grössere zeitliche Verzögerungen und Mehrkosten für die erneute Planung verursachen. Alternativ hat die Fachstelle den Vorschlag gemacht, dass die langen Busse der Linie 1 auf die Schlaufe zum Bahnhof verzichten, sondern an der Zentralstrasse halten. Dadurch hätten die anderen Busse am Hub mehr Spielraum – trotz hoher Haltekanten. Da der Abbieger zum Bahnhof in der Ebikoner Bevölkerung teils kritisiert wird, wäre das wohl eine mehrheitsfähige und vor allem günstigere Lösung.

Beschwerde wird wohl abgewiesen

Die Beschwerde ist beim Regierungsrat hängig. In der eingangs erwähnten Vorstossantwort deutet dieser an, dass er sie vermutlich ablehnen wird. Die Anliegen der Passagiere, «insbesondere die Aspekte der Behindertengerechtigkeit» seien so optimal wie möglich berücksichtigt worden. Würde die Fachstelle in diesem Fall die Beschwerde weiterziehen? «Vermutlich», sagt Manser. Er betont, dass die Fachstelle nicht die Absicht habe, Projekte zu verhindern oder zu verzögern. «Unser Ziel ist, dass das seit 14 Jahren gültige Gesetz umgesetzt wird, damit wir künftig nicht mehr so viele Einsprachen machen müssen.»

Ebenfalls Beschwerde eingereicht hat der Ebikoner Bürger Adolf Bochsler. Ihm geht es nicht nur um den Bushub, sondern auch um die Verlängerung der Buslinie 1, deren Bau bereits begonnen hat (wir berichteten). «Wir haben heute gute ÖV-Verbindungen im Rontal mit genügend Kapazität. Der Ausbau ist eine reine Geldvernichtung», sagt Bochsler.

Umsteigen: «Eine klare Verschlechterung»

Mit den Linien 22 und 23, die heute bis zum Bahnhof Luzern fahren, sei man von Gisikon und Buchrain her gut bedient. Künftig werden diese Linien nur noch bis zum Bushub fahren, dort müssen die Passagiere umsteigen. «Das ist eine klare Verschlechterung», so Bochsler. Zudem verliere der Bus viel Zeit, wenn er zum Bahnhof Ebikon abbiegen muss. Mit seiner Beschwerde fordert Bochsler einen Baustopp der Linie 1 sowie ein Aufschub der Investition für den Bushub. Der Ausbau soll durch Experten neutral beurteilt werden. Zudem sollen alternative Antriebssysteme statt des Trolleybusses eingeführt werden – auch weil dessen Betrieb zu viele Steuergelder verschlinge.

Für Bochsler und die «weissen Leoparden» – eine Gruppe engagierter Bürger – ist klar: Statt mehr Verbindungen nach Luzern bräuchte es eine Verlängerung der Linie 23 nach Rotkreuz und einen Ausbau der Businfrastruktur in Gisikon. «Aber statt die Bevölkerung darüber abstimmen zu lassen, haben der Kanton und der Verkehrsverbund einfach entschieden.» Über dieses «undemokratische Vorgehen» beschwerten sich auch die Ebikoner Ortsparteien der CVP, SVP und FDP, die den Spatenstich der Linie 1 boykottiert hatten.

Der Bau des Bushubs Ebikon kostet 11,9 Millionen Franken, die Gemeinde beteiligt sich mit 3,7 Millionen. Gemeinsam mit der Verlängerung der Linie 1 kostet das ÖV-Ausbauprojekt 26,4 Millionen Franken. Der Kantonsrat hat beiden Krediten im Januar 2018 zugestimmt.