BAUARBEITEN: Hirschmatt-Quartier atmet auf

Die erste Etappe der Hirschmatt- Erneuerung ist abgeschlossen. Für die Geschäfte im Quartier ein harter Brocken: Sie verzeichnen bis zu 60 Prozent Umsatzeinbussen.

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Die Geschäfte im Hirschmatt-Quartier hatten wegen der Bauarbeiten hohe Einbussen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die Geschäfte im Hirschmatt-Quartier hatten wegen der Bauarbeiten hohe Einbussen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Aufgerissene und gesperrte Strassen, Baumaschinen und Lärm: So präsentierte sich das Neustadt-Quartier rund um das Vögeligärtli in den letzten Monaten. Nun ist die Sanierung der Werkleitungen der Franken-, Morgarten- und Sempacherstrasse abgeschlossen: Die Bauarbeiter haben unter anderem 700 Meter Abwasserleitungen ersetzt, 139 Hausanschlüsse erneuert, 1,75 Kilometer Randsteine und 3000 Tonnen Asphalt neu verlegt. «Die Gesamterneuerung ist bislang vollumfänglich gelungen», freut sich Oberbauleiter Roger Schürmann.

Sechs intensive Monate

«Die Arbeiten waren sehr umfangreich und mussten – um das Quartier möglichst wenig zu belasten – in kurzer Zeit ausgeführt werden. Uns ist es gelungen, sämtliche Termine einzuhalten», bilanziert Schürmann. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf und die relativ kurze Zeit für die Hauptarbeiten von einem halben Jahr sei die intensive Bauweise. Schürmann erklärt: «Dieses Verfahren ist für Luzern ein Novum. Die Franken-, Morgarten- und Sempacherstrasse wurden gestaffelt komplett gesperrt. Bis zu 35 Bauarbeiter arbeiteten gleichzeitig eingeteilt in zwei Schichten von 6 bis spätestens 23 Uhr werktags und am Samstag von 7 bis maximal 17 Uhr. Dadurch konnte die Bauzeit von zirka drei Jahren auf ein verlängertes Sommerhalbjahr reduziert werden.» Bei den Bauarbeiten spannte die Stadt mit Energie Wasser Luzern (EWL) zusammen. «Auch diese enge Kooperation als Gesamtprojekt mit den beteiligten Partnern ist für Luzern eine Neuerung», sagt Schürmann. Sämtliche der bis zu 80 Jahre alten Werkleitungen konnten so erneuert werden.

2016 gehts weiter

Rund um das Vögeligärtli werden noch bis Ende Monat Bäume gepflanzt und die definitiven Markierungen angebracht. Schliesslich werden die Baugeräte verschwinden – jedenfalls fast. «Die Hochcontainer auf der Frankenstrasse werden bleiben und auch künftig für die Arbeiter unter anderem zur Umkleide, als Büro und als Lagerfläche dienen», sagt Schürmann. Denn bereits im Januar 2016 steht mit der Gesamterneuerung der Werkleitungen in der Dornacherstrasse, am Kaufmannweg und der Winkelriedstrasse die zweite grosse Bauetappe im Hirschmatt-Quartier an. «Diese Etappe ist etwas schwieriger, da die Platzverhältnisse enger als rund ums Vögeligärtli sind», so Schürmann.

Aus finanzieller Sicht sei bei der aktuellen Halbzeit alles im Lot, und das Kostendach könne eingehalten werden. Für die Gesamterneuerung Hirschmatt sind 22,9 Millionen Franken budgetiert.

Restaurants mit starken Einbussen

Die Sanierungsarbeiten haben jedoch bei den Gastronomiebetrieben zu teils markanten Einbussen geführt. «Es ist tragisch, wir haben rund 60 Prozent Umsatz eingebüsst», sagt Philipp Tresch, Küchenchef im Restaurant La Perla. Fehlende Parkplätze, verstopfte Zufahrtsstrassen und Stau hätten mit dem generell sehr heissen Sommer zum Umsatzeinbruch beigetragen. «Wir haben auf die Situation rea­giert und im Sommer eine Woche länger Betriebsferien gemacht und das Personal über den Sommer um zwei Stellen verkleinert», so der Luzerner Spitzenkoch.

Über starke Einbussen beklagt sich auch Jo Smit, Verantwortliche der Tagschicht in der Bar Max an der Sem­pacherstrasse 5. «Der Lärm war für unsere Gäste speziell am Morgen sehr unangenehm. Ich habe teilweise mit Ohrenstöpseln gearbeitet», sagt Smit. Als unbefriedigend taxiert Smit die stark eingeschränkte Parkplatzsituation. Geärgert habe sie sich aber nicht, so Smit, da sie gut über die Arbeiten informiert war und die Zusammenarbeit mit den Bauarbeitern bestens klappte.

40 bis 50 Prozent Einbussen musste auch Alessandro Pedrazzetti vom Bellini Ristorante Ticinese an der Murbacherstrasse 4 während vier Wochen Intensivbauphase hinnehmen. Auch Pedrazzetti lobt die gute Zusammenarbeit mit der Bauleitung und den Arbeitern. «Die Arbeiten mussten erledigt werden. Dank dem direkten Kontakt mit den Verantwortlichen war man stets gut informiert», so der Hotelier. Der Hotelbereich vom «Continental-Park» sei von den Arbeiten aber kaum tangiert worden.

Ähnlich ging es Roger Gmür vom Café Filou & Bengel an der Morgartenstrasse. «Wir hatten Einbussen von mindestens 50 Prozent», so Gmür. Dies sei sowohl auf die Baustelle wie auch auf den heissen Sommer zurückzuführen.

Quartierverein lobt Aufwertung

Zufrieden mit den Sanierungsarbeiten ist der Quartierverein Hirschmatt. Co-Präsident Markus Schulthess begrüsst insbesondere die intensive Bauweise: «Für die Geschäfte und Anwohner ist eine kurze Bauzeit sehr wichtig. Durch die Verbreiterung der Trottoirs profitiert unser Quartier zudem von einer Aufwertung des Strassenraums.» Beschwerden sind beim Quartierverein keine eingegangen. Schulthess führt dies auf die gute Informationspolitik der Stadt zurück. Im Hinblick auf die zweite Etappe im nächsten Jahr ist Schulthess zuversichtlich und hofft, dass die Arbeiten in gleicher Qualität durchgeführt werden können.

Yves Portmann