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BAUBRANCHE: «Reibung gilt es in Kauf zu nehmen»

Josef Lindegger (63) aus Kriens gibt heute das Präsidium des Baumeisterverbands Luzern ab. Ein Gespräch über Sorgenfalten, ein Vorzeigeprojekt und den Umgang mit Paragrafen.
Evelyne Fischer
Josef Lindegger (63), abtretender Präsident des Baumeisterverbands Luzern. (Bild: PD)

Josef Lindegger (63), abtretender Präsident des Baumeisterverbands Luzern. (Bild: PD)

Interview: Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Zehn Jahre war er der oberste Baumeister des Kantons: Josef Lindegger, Inhaber der 20-köpfigen Schmidhof AG in Kriens. Heute führt er letztmals die Generalversammlung des Baumeisterverbands, im Juni tritt er als Vorsitzender der Zentralschweizer Baumeisterverbände ab.

Josef Lindegger, nach 22 Jahren im Vorstand müssen Sie es wissen: Wie ist das Klima auf den Luzerner Baustellen?

Die Stimmung auf der Baustelle ist sehr gut, ein rauerer Wind weht teils in der Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, etwa bei Lohnverhandlungen. Doch in der Zentralschweiz dominiert der Respekt voreinander, wir setzen auf Dialog statt Konfrontation. Davon könnten sich andere Regionen eine Scheibe abschneiden.

Der Start ins Jahr 2017 war für Ihre Branche happig: Erst legte eisige Kälte Baustellen lahm, nun sind Aufträge wegen des budgetlosen Zustands des Kantons blockiert. Wie gross sind die Sorgenfalten?

Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt, vor allem dank des anhaltenden Booms im Wohnungsbau. Für Anleger ist es derzeit lukrativ, in Liegenschaften zu investieren. Sofern die Zinsen tief bleiben, bin ich daher zuversichtlich. Doch eines ist klar: Im Tiefbau gehört der Kanton zu den grössten Auftraggebern. Hier gibt es Lücken, die bei einigen Betrieben zu Problemen führen werden.

Ihr Verband vertritt Gross­firmen und Kleinbetriebe. Was sind deren Anliegen?

Grossfirmen fühlen sich oft bei Aufträgen der öffentlichen Hand benachteiligt und erwarten Hilfe von uns. Für solche Eigeninteressen ist der Verband aber der falsche Ansprechpartner, dies regelt der Markt. Kleinbetriebe wiederum kritisieren die Flut von Vorschriften und Normen. Hier etwas zu bewegen, braucht Geduld.

Ein Beispiel?

Viele sahen in der Partikelfilterpflicht für Dieselfahrzeuge eine Benachteiligung. Baumaschinen mussten nachgerüstet werden. Ist das gleiche Gerät beim Bauer oder Gärtner im Einsatz, war dies nicht nötig.

Wo wartet sonst noch Arbeit?

Nachholbedarf besteht im Submissionswesen. Wir haben viel Zeit investiert, um Gemeinden die Leitplanken korrekter Ausschreibungen näherzubringen. Hier müssen wir auch künftig aufzeigen, welche Vorgaben taugen – und was zu viel des Guten ist.

Auf welche Meilensteine blicken Sie zurück?

Der Verband half mit, die Tripartite Kommission aufzubauen, die gegen Lohn- und Sozialdumping kämpft. Auch das Kontrollorgan Paricontrol riefen wir ins Leben. Diese Stelle garantiert Unternehmern gleich lange Spiesse auf dem Arbeitsmarkt. Stolz bin ich ferner auf die Lancierung von «Perspektive Bau», die Flüchtlinge in unserer Branche Tritt fassen lässt. Ein Vorzeigeprojekt ...

... dessen 13 Plätze pro Jahr sich aber nicht immer besetzen lassen. Woran hapert’s?

Gute Frage. Kaum an den Betrieben. Von Saisonniers her sind sich diese gewohnt, ausländische Arbeitskräfte mit teils mageren Sprachkenntnissen und unterschiedlichen Vorkenntnissen einzustellen. Vielleicht bräuchte es von Betreuern im Asylwesen einen stärkeren Anstoss, Flüchtlinge für eine Lehre zu motivieren.

Und wie steht es nun um Ihre eigenen Zukunftspläne?

Ich mache jüngeren Kräften Platz, gebe mein Wissen in gewissen Gremien aber gerne noch weiter. Mehr Zeit gibt’s nun für die Enkelkinder und den einen oder anderen Wochenendausflug mit meiner Frau Christa.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger Reto Birrer (40) mit auf den Weg?

Er soll sich von Baumeistern nicht ins Bockshorn jagen lassen. (lacht) Zeitfenster, die er hat, muss er nutzen: Das Präsidium entspricht teils einem 30-Prozent-Pensum, bereits Anfang Jahr sind gegen 60 Termine bekannt. Von Vorteil ist, dass er mit seinem Knutwiler Bauunternehmen den Draht zur Basis besitzt. Dafür muss er in Kauf nehmen, dass die Verbandstätigkeit für Reibung sorgen kann, zu Ungunsten gewisser Aufträge. Paragrafengehorsam gilt es vernünftig umzusetzen.

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