Bauen 2.0: Das bietet der neue Studiengang der Hochschule Luzern

Im Herbst startet an der Hochschule Luzern der neue Studiengang in Digital Construction. Damit will das Departement Technik und Architektur auf Trends in der Baubranche reagieren – und diese vorantreiben. 

Alexander von Däniken
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Fachleute arbeiten gemeinsam an einem digitalen Gebäudemodell.

Fachleute arbeiten gemeinsam an einem digitalen Gebäudemodell.

Symbolbild: PD

Wird heutzutage ein Haus gebaut, tummeln sich auf der Baustelle Planer, Maurer, Zimmerleute und Techniker verschiedenster Firmen. Geht es nach dem Departement Technik und Architektur der Hochschule Luzern, kann in ein paar Jahren anders gebaut werden: Der Architekt verfügt über Daten zur Geologie, zur Umgebung und zum Wetter der letzten zehn Jahre. Beim Entwerfen des Hauses nutzt er digitale 3D-Modelle und versieht jedes Bauteil mit zusätzlichen Informationen.

Davon profitieren die Zulieferer, die vermehrt in ihrer Werkstatt Module fertigen und diese erst dann zur Montage auf den Bauplatz bringen. Die Daten können dereinst auch Hauswarte nutzen: Sie wissen zum Beispiel, welches Teil altershalber wann und wo ersetzt werden muss.

Dank Virtual und Augmented Reality verschmelzen Modell und reales Gebäude.

Dank Virtual und Augmented Reality verschmelzen Modell und reales Gebäude. 

PD

Studiengang hält drei Richtungen bereit

Das klingt nach Science-Fiction. Doch der Hochschule Luzern ist es ernst. Im Herbst startet in Horw der neue Lehrgang Digital Construction, der am Dienstagnachmittag an einer Online-Medienkonferenz vorgestellt worden ist. Angeboten werden drei Studienrichtungen: Architecture (Bachelor of Arts), Building Technology und Structural Engineering (Bachelor of Science). Co-Studienleiter Markus Weber sagt:

«Das Studium richtet sich an junge Menschen mit Weitblick, die sich für die Bauwirtschaft von morgen begeistern lassen und ein ganzheitliches Denken mitbringen.»

Zugelassen werden Bewerberinnen und Bewerber mit einer technischen oder gestalterischen Berufsmatura mit anerkannter Berufsausbildung oder mit einer gymnasialen Matura mit Praktikum. Es ist aber auch möglich, nach einem herkömmlichen Architektur- oder Ingenieurstudium den neuen Studiengang verkürzt zu absolvieren. Denn die Tiefe der bestehenden Ausbildungen sei weder möglich noch das Ziel, sagt Urs Rieder, Vizedirektor und Leiter Ausbildung beim Departement Technik und Architektur. «Dafür können wir den Studiengang als Spielwiese nutzen und stetig weiterentwickeln.»

Die Studenten selbst lernen in den sechs Semestern ebenfalls eine Menge, wie Markus Webers Leitungskollege Mark Baldwin erklärt. Die Rede ist von viel Praxis, Forschung, Gruppenarbeiten, Treffen mit externen Fachleuten. Es werde ein sogenanntes Digital Lab geben, wo beispielsweise mit Virtual Reality oder Augmented Reality gearbeitet wird; also der Verschmelzung von digitalen Instrumenten mit der realen Welt. Dazu wird das Ganze interdisziplinär ausgerichtet; also für bestimmte Projekte Experten anderer Fachbereiche zugezogen.

Gestartet wird mit 25 bis 30 Studenten

Für den neuen Studiengang hat die Hochschule Luzern bis jetzt rund 200 000 Franken investiert, ein weiterer sechsstelliger Betrag ist laut Urs Rieder zum Beispiel für Forschungslabore vorgesehen. Das Geld stammt aus der eigenen Kasse, der Hochschulstiftung und von externen Partnern. Für die Studenten fallen die üblichen Kosten von 800 Franken pro Semester an. Gestartet wird vorerst mit 25 bis 30 Studenten. «Wir rechnen aber mit einer starken Zunahme», sagt der Vizedirektor.

Rieder stützt seine Erwartung einerseits auf den Stellenmarkt ab. Derzeit sind in der Schweiz insgesamt rund 18 000 Stellen in der Bau- und Immobilienwirtschaft unbesetzt, wie ein Bericht von job-radar.ch vom Februar 2020 zeigt. Alleine im Bereich Building Information Modelling fehlen aktuell rund 500 Fachleute.

«Riesiger Digitalisierungsschub» erwartet

Anderseits sind auch grosse Namen aus der Bau- und Planungsbranche vom neuen Studiengang überzeugt. Dazu zählen Andreas Jöhri, Partner des Architekturbüros Itten Brechbühl, oder Markus Mettler, CEO des Bauunternehmens Halter. «In den nächsten Jahren wird es in der Planungs- und Baubranche einen riesigen Digitalisierungssprung» geben, so Mettler. Da sei ein Angebot wie jenes der Hochschule Luzern sehr wichtig.

Trotz aller Digitalisierung: Gefragt seien keine Informatiker, sagt Andreas Jöhri, sondern kreative Menschen, die auch über ihren Tellerrand schauen können. Dem stimmen auch die Hochschulvertreter zu. Letztere sind vom Erfolg des neuen Angebots überzeugt. Das liegt wohl auch am bisher Erreichten. So ist das Departement Technik und Architektur die grösste Architekturschule im Fachhochschulbereich und die einzige mit der Studienrichtung Gebäudehülle.

Hier gibt es weitere Informationen zum neuen Lehrgang.


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