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Bauer aus Herlisberg will seine Hecke aufwerten – und kommt mit dem Gesetz in Konflikt

Landwirt Josef Stöckli hat im Rahmen eines Vernetzungsprojektes der Gemeinde Römerswil die Haselsträucher seiner Hecke stark zurückgeschnitten. Doch sein Vorgehen hat ihm eine Anzeige beschert.
Susanne Balli
Bio-Landwirt Josef Stöckli und sein Sohn Michi begutachten in ihrer zurückgeschnittenen Hecke in Herlisberg die neuen Triebe der frisch gesetzten Pflanzen. (Bild: Manuela Jans-Koch, Römerswil, 6. April 2019)

Bio-Landwirt Josef Stöckli und sein Sohn Michi begutachten in ihrer zurückgeschnittenen Hecke in Herlisberg die neuen Triebe der frisch gesetzten Pflanzen. (Bild: Manuela Jans-Koch, Römerswil, 6. April 2019)

Er dachte, dass er für die Natur etwas Gutes tut. Nun aber hat Josef Stöckli grossen Ärger am Hals. Der 60-jährige Bio-Bauer aus Herlisberg (Gemeinde Römerswil) hat am 10. Februar 2019 die Haselstauden seiner Hecke, die sich auf seinem Landwirtschaftsland befindet, bis auf den Stock zurückgeschnitten. Dies aber nicht, um die Hecke zu zerstören. «Mit dem Rückschnitt der dominanten Haseln sollten andere Pflanzen in der Hecke mehr Licht und Platz zum Wachsen erhalten», sagt Stöckli, der Präsident der SVP Römerswil ist. Sein Vorgehen hat gravierende Folgen. Stöcklis wurden wegen des Rückschnittes der Hecke angezeigt.

Doch alles der Reihe nach: Die Hecken-Geschichte beginnt im September 2013, als Josef Stöckli mit der Gemeinde, respektive mit der Umsetzungskommission Vernetzungsprojekt Römerswil-Retschwil, einen Vertrag unterzeichnet. Damit erklärte sich der Bauer bereit, die Biodiversität zu fördern und in seiner Hecke neue Pflanzen zu setzen. Bei der sogenannten Qualitätshecke braucht es nämlich sieben verschiedene Pflanzen auf zehn Laufmetern, davon müssen ein Drittel Dornen tragend sein. Im Gegenzug gibt es dafür Direktzahlungen von Gemeinde und Kanton. «An Ostern 2014 haben wir 300 Pflanzen unterschiedlicher Sorten in die Hecke gesetzt.»

Haseln liessen andere Pflanzen verkümmern

Doch die Haselstauden wuchsen munter weiter. 2017 seien sie darum bereits einmal zurückgeschnitten worden. Dabei habe er auch zehn Pflanzen, die wegen der dominanten Hasel kaputt gegangen seien, ersetzt. Und jetzt sei wieder der Fall eingetroffen, dass Pflanzen wegen der Hasel abgestorben seien. «Thomas Troxler von der Umsetzungskommission des Vernetzungsprojektes hat mir am 1. Februar gesagt, dass ich mit den Haseln abfahren müsse, damit die anderen Pflanzen in der Hecke gedeihen», erzählt Stöckli. Was der Bauer am 10. Februar auch erledigte. «Doch dann erhielt ich am 15. März einen Anruf von der Polizei. Es sei eine Anzeige gegen uns eingegangen, weil wir die Hecke zu stark zurückgeschnitten hätten.»

Josef Stöckli fiel aus allen Wolken. «Man ist der Ansicht, dass wir bei der Gemeinde für den Heckenschnitt eine Sonderbewilligung hätten einreichen müssen. Dabei heisst es in unserem Vertrag deutlich, dass die Hasel immer wieder zurückgeschnitten werden muss», sagt er.

Die Hecke in Herlisberg, bei welcher die Haseln bis auf den Stock zurückgeschnitten wurden. (Bild: Manuela Jans-Koch, 6. April 2019)

Die Hecke in Herlisberg, bei welcher die Haseln bis auf den Stock zurückgeschnitten wurden. (Bild: Manuela Jans-Koch, 6. April 2019)

Statt Senior wurde Junior verhört

Wer die Anzeige eingereicht hat, weiss Josef Stöckli (noch) nicht. Er fühlt sich wie im falschen Film. Besonders ärgert ihn der Umstand, dass er selber bei der Befragung gar nicht angehört wurde. Vor zwei Wochen musste nämlich anstatt er sein 28-jähriger Sohn Michi beim Polizeiposten Hochdorf antraben, um während über einer Stunde Rede und Antwort zu stehen. Josef Stöckli wird seinen Hof zwar dem Junior übergeben. Doch die Überschreibung finde erst am 13. April statt. Er kann nicht verstehen, warum nun sein Sohn in die Hecken-Geschichte involviert wird. Josef Stöckli sagt:

«Das ist ungeheuerlich, was uns da gerade passiert. Wir werden behandelt wie Kriminelle.»

Die Anzeige ist erfolgt aufgrund einer Widerhandlung gegen die Verordnung zum Schutz der Hecken, Feldgehölze und Uferbestockungen. In der Verordnung heisst es im Absatz 5, Abschnitt 3: «Ein Abschnitt einer Hecke (...) darf höchstens alle drei Jahre auf den Stock gesetzt werden. Der auf den Stock gesetzte Abschnitt darf einen Drittel des Gesamtbestandes nicht überschreiten (...).» Und unter Paragraf 7 steht: «Das Gesuch um eine Ausnahmebewilligung ist schriftlich und begründet bei der Gemeinde einzureichen (...).» Diese schriftliche Bewilligung hat Stöckli nicht eingeholt: «Wir gingen davon aus, dass wir die Bewilligung über den bestehenden Vertrag mit der Gemeinde verfügen», sagt er dazu.

Freiheitsstrafe oder Busse bis 40 000 Franken

Bei Widerhandlung gegen die Heckenschutzverordnung droht in schweren Fällen eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe; in leichten Fällen oder wenn fahrlässig gehandelt wurde, eine Busse bis 40 000 Franken. Und es können Direktzahlungen gekürzt werden.

Der Bauer wartet nun auf einen Brief der Staatsanwaltschaft. Er hat über seine Rechtsschutzversicherung einen Anwalt eingeschaltet. «Das lassen wir so nicht auf uns sitzen, ich werde eine Anzeige erstatten wegen Ehrverletzung und Verleumdung.»

«Höchstens minimaler Formfehler»

Die Gemeinde Römerswil will Josef Stöckli unterstützen, sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen. Dies bestätigt Thomas Troxler von der Umsetzungskommission Vernetzungsprojekt Römerswil-Retschwil: «Josef Stöckli wollte etwas für die Natur tun. Er hat wohl einen minimalen Formfehler aus Unwissenheit heraus gemacht. Es lag überhaupt keine Böswilligkeit vor.» Die Anzeige und die Folgen seien der Sache nicht dienlich. «Im Gegenteil. Es schreckt andere Landwirte ab, sich ebenfalls für die Biodiversität einzusetzen.»

Die kantonale Dienststelle Landwirtschaft und Wald hat vom «Hecken-Fall» in Herlisberg keine Kenntnis, wie Peter Kull, Fachbereichsleiter Lebensräume, auf Anfrage sagt. «Wenn im Vertrag mit der Gemeinde steht, die Hecke innerhalb der nächsten Jahre mittels Ergänzungspflanzungen und starkem Rückschnitt der bestehenden Haseln aufzuwerten, hat der Landwirt nichts falsch gemacht», so Kull. Dennoch hätte der Bauer die Gemeinde über den Eingriff informieren müssen, um eine entsprechende Ausnahmebewilligung zu erhalten. Kull sagt aber weiter: «Wenn es um eine echte Heckenaufwertung geht, scheint mir eine Anzeige nicht verhältnismässig.»

Josef Stöckli hat übrigens die Hecke am 28. März wieder mit neuen Pflanzen bestückt, die er Wochen zuvor bei der Gemeinde bestellt hatte.

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