Bauer, traurig, sucht

Die Familie Hofer bangt um ihren Bauernbetrieb in Meggen. Dass der Stall weg muss, sorgt für grosses Unverständnis. Nun soll die Gemeinde rasch und unbürokratisch helfen.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Merken
Drucken
Teilen

20 Schweine, ein Stall, eine Villa, dazwischen ein Strässchen, Gülle. Das ist der Stoff, aus dem im steuergünstigen Meggen eine traurige Geschichte resultiert. Die Bauernfamilie Hofer, seit sieben Generationen auf dem Landwirtschaftsbetrieb, muss ihren Stall versetzen, neu bauen. Grund: Der Stall besteht zwar schon seit Jahrzehnten, aber wegen veränderter Gesetzgebung steht er mit seinen landwirtschaftlichen Emissionen – ja, Schweinegülle – inzwischen zu nahe an einer Wohnzone. Das stinkt dem Nachbarn buchstäblich, der 2013 dort ein altes Haus abgerissen und seit 2016 in der neuen, grossen Villa wohnt. Der Nachbar klagt die Geruchsemission erfolgreich ein. Hofers fürchten wegen der Kosten den Rechtsstreit und versuchen nun verzweifelt, 1 Million Franken an Spenden für einen neuen Stall zu sammeln, um die Existenz zu sichern.

Die Geschichte bewegt enorm, schweizweit. Über 300 Kommentare sind inzwischen auf den Sozialen Medien zu unserer Berichterstattung abgegeben worden. Und es setzt Leserbriefe. Der Tenor ist eindeutig: Dass der Stall nun weg muss, stösst auf grosses Unverständnis, Verärgerung.

So deutlich die gesetzlichen Bestimmungen und der zunehmende Siedlungsdruck gegen die Bauernfamilie sprechen, so unverständlich ist der Weg in die Eskalation. Den Eklat hätte man bei der Gemeinde kommen sehen und entsprechend vorab entschärfen müssen. Warum hat man nicht bereits beim Baugesuch für die Villa reagiert, vermittelt, korrigiert? So oder so: Die Megger Behörden sollen ihrem Mitbürger und Bauern Hofer jetzt rasch und unbürokratisch helfen. Hilfreich wäre auch dies: Wo findet sich ein Sponsor für ein professionelles, wirklich gross angelegtes Crowdfunding?