Luzerner Bauern sollen weniger Schweine und Rinder halten

Luzerner Landwirte sollen vermehrt auf Qualitätsprodukte statt auf Massenware setzen. Das fordert SP-Kantonsrat Hasan Candan in einem Postulat. Die Zahl der Schweine und Rinder soll sich verringern – nicht nur aus ökologischen Gründen.

Simon Mathis
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SP-Kantonsrat Hasan Candan will die Anzahl Schweine auf Luzerner Höfen regulieren. (Bild: Pius Amrein, 5. Juli 2016)

SP-Kantonsrat Hasan Candan will die Anzahl Schweine auf Luzerner Höfen regulieren. (Bild: Pius Amrein, 5. Juli 2016)

Die Bauern im Kanton Luzern sind gefordert: Der Preisdruck aus dem Ausland ist stark. Der Stadtluzerner SP-Kantonsrat Hasan Candan fürchtet um die Konkurrenzfähigkeit der Landwirte. Per Postulat schlägt er deshalb eine Regulierung der Nutztierhaltung vor. «Qualität statt Quantität» ist sein Motto.

Candan will das Postulat am nächsten Montag einreichen. Er ist der Meinung, dass sich die Bauern stärker auf veredelte Produkte konzentrieren sollen. «Wenn wir uns differenzieren und Produkte schaffen, die andere nicht haben, dann sinkt das Risiko, dass unsere Erzeugnisse durch ausländische verdrängt werden», sagt Candan auf Anfrage. «Man muss jetzt die alten Zöpfe beenden und in eine neue Richtung gehen. Nur so können wir die Existenz der Landwirte im Kanton sichern.»

Mehr Geflügel, weniger Schweine und Rinder

Konkret heisst das: Die Regierung soll die Tierbestände im Kanton deckeln. Die Zahl der Düngergrossvieheinheiten dürfte dann nicht mehr den Stand von 2018 überschreiten. «Im Vergleich mit dem Rest der Schweiz haben wir einen sehr hohen Bestand an Rindern und Schweinen. Dieser muss reduziert werden.» Klar sei, dass das nicht von heute auf morgen gehe. Da müsse man umdenken. «Aber ich bin sicher, das ist die Zukunft.»

Die Regelung soll nicht nur die wirtschaftliche Zukunft sichern, sondern auch die Umwelt schonen. «Der enorme Nährstoffeintrag hat negative Auswirkungen auf unsere Gewässer, Wälder und die Biodiversität. Im Kanton Luzern ist der Stickstoff- und Ammoniak-Ausstoss besonders stark», so der Kantonsrat.

Diktieren wolle man den Bauern nichts, versichert Candan. Denn die Flexibilität soll ihnen bleiben: «Dass Landwirte vermehrt auf Geflügel setzen, ist zu begrüssen, denn diese haben einen effizienteren Stoffwechsel.» Aber: «Wenn mehr Geflügel gehalten wird, sollte sich die Anzahl der restlichen Tiere verringern.»

Bauernpräsident ortet keinen Handlungsbedarf

Keinen zusätzlichen Handlungsbedarf sieht Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes: «Wir wollen die Zahl der Rinder und Schweine gar nicht erhöhen. Der Rindviehbestand im Kanton Luzern ist rückläufig. Und die Zahl der Schweine ist nun über Jahre hinweg gleich geblieben.» Die aktuellsten Zahlen von Lustat Statistik Luzern bestätigen: Zwischen 2005 und 2016 ist die Anzahl Schweine kaum geschwankt.

«Wir sind nicht der Meinung, dass der Staat eingreifen muss», sagt Lütolf. «Es gibt genug Vorschriften.» Wenn es zu viele Regelungen gebe, erschwere dies die Entwicklung der Betriebe. «Wie viel Fleisch man isst, darüber kann man durchaus diskutieren», fährt Lütolf fort. «Aber es ist auf jeden Fall nachhaltiger, in der Schweiz zu produzieren.»

Candans Gefühl: Regierung will regulieren

Die Auflagen des Tierschutzes im Ausland seien schlechter. Hinzu kämen längere Transportwege, die ebenfalls nicht ökologisch seien. Ausserdem habe der Kanton Luzern viel Grasland. «Dieses kann man nur mit Rindvieh nutzen», so Lütolf. Es sei nicht sinnvoll, dieses Grasland nicht für die Veredlung zu verwenden.

«Ich bin gespannt, wie die Regierung das sieht», sagt Hasan Candan. «Ich habe das Gefühl, sie will in Richtung Regulierung gehen. Aber ich weiss nicht, ob sie den Mut dazu hat.»