BAUERNHOF: Junge Horwer Familie übernimmt den Grämlishof

Dutzende Landwirte wollten den Horwer Bauernhof pachten. Den Zuschlag erhält nun eine einheimische Familie. Das freut die bisherigen Pächter – auch wenn ein Wermutstropfen bleibt.
Roman Hodel
Wechsel auf dem Grämlishof: Die bisherigen Pächter Josef und Marie-Theres Heer (rechts hinten) übergeben an Martin und Martina Forster, im Vordergrund deren Töchter Lara, Annina und Julia (von links). (Bild: Pius Amrein (Horw, 3. April 2018))

Wechsel auf dem Grämlishof: Die bisherigen Pächter Josef und Marie-Theres Heer (rechts hinten) übergeben an Martin und Martina Forster, im Vordergrund deren Töchter Lara, Annina und Julia (von links). (Bild: Pius Amrein (Horw, 3. April 2018))

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

Ein wahrer Proteststurm fegte letztes Jahr durch Horw, weil der Gemeinderat das Land des gemeindeeigenen Grämlishofs aufstückeln wollte. Am Ende überlegte er es sich anders und entschied, den Betrieb im Baurecht an die Stiftung zur Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe abzugeben (wir berichteten). Diese verpachtet den Hof nun per 1. April an Martin und Martina Forster. Die beiden 35-Jährigen sind in Horw bestens bekannt – sie bewirtschaften aktuell den Bauernhof im Buholz.

Die Familie hat sich laut Jakob Vogler, Geschäftsführer der Stiftung, gegen Dutzende Mitbewerber durchgesetzt: «Wir sind überzeugt, mit Martin Forster den idealen Grämlishof-Pächter gefunden zu haben.» Er kenne Horw, sei Meisterlandwirt und habe Erfahrung mit Bio-Landbau. Denn der Grämlishof wird künftig nach den Knospe-Richtlinien bewirtschaftet. Der Fokus bleibt aber wie bisher auf der Milchviehhaltung und dem Futterbau. Noch offen ist gemäss Vogler das genaue Konzept: «Die Pächter werden es in nächster Zeit zusammen mit uns erarbeiten.»

Der bisherige Betrieb der Forsters war unsicher

Dazu zählt auch, in welcher Form Schulklassen und Gruppen den Bauernhof auch künftig besuchen können. Dies entspricht einem Wunsch der Bevölkerung, die sich für den Erhalt des Hofs starkgemacht hat. «Das ist uns bewusst und wir werden dafür sorgen, dass die Landwirtschaft auf unserem Betrieb erlebbar bleibt», sagt Martin Forster. Er ist überglücklich, dass sie den Zuschlag erhielten: «Wir haben natürlich gehofft, aber es gab so viele Bewerbungen.»

Die Pacht des Grämlishofs bedeute für seine Familie «eine Riesenchance». Der jetzige Pacht-Hof im Buholz sei zu klein, die Tierbetreuung dadurch mühsam. Zudem haben die Forsters in den letzten Jahren Pachtland verloren, weil es überbaut worden ist – und es werden noch weitere Flächen wegfallen. «Alles in allem war unser bisheriger Betrieb unsicher.» Diese Zeiten sind vorbei. Der Grämlis-Pachtvertrag läuft fürs Erste neun Jahre, doch die Stiftung hat das Land für 50 Jahre im Baurecht erworben.

Bereits diese Woche legen die Forsters los, wenn auch sachte. «Es geht jetzt darum, den neuen Betrieb kennen zu lernen», so Martin Forster. Und wer könnte ihnen dabei besser behilflich sein als die bisherigen Grämlishof-Pächter Josef und Marie-Theres Heer? Die beiden 63-Jährigen sind zwar seit Ende März offiziell nicht mehr Pächter, doch sie leben noch bis im Juni hier. Da bleibt genug Zeit, den Nachfolgern alles zu zeigen. «Wir sind froh, dass es mit dem Grämlishof weitergeht, noch dazu mit guten Nachfolgern», sagen Josef und Marie-Theres Heer. Der Abschied fällt ihnen nicht leicht, auch wenn es im Hinblick auf die Pension ein bewusster Entscheid war: «Wir werden alles hier vermissen», sagt Josef Heer, der fast sein ganzes Leben auf dem Grämlishof verbracht hat.

1971 hatten seine Eltern den Grämlishof von der Gemeinde gepachtet. Ab 1980 übernahmen er und seine Ehefrau den Betrieb, zogen vier Kinder gross. Sie waren es, die den Hof für die Bevölkerung öffneten, die den Schulklassen etwa zeigten, wie man mostet. «Manche Kinder wollten jeweils gar nicht mehr nach Hause und haben geweint, so schön fanden sie es bei uns», sagt Josef Heer. «Ja, schön ist es hier oben», sagt Marie-Theres Heer. Manchmal bloss etwas kalt. Das Bauernhaus, vermutlich Jahrgang 1713, wird mit zwei alten Holzöfen geheizt und ist so ziemlich das Gegenteil eines modernen Minergie-Baus. «In sehr kalten Wintern hatten wir gar Eiskristalle an den Schlafzimmer-Wänden», sagt sie und fügt an: «Dennoch würde ich weiterhin mit Holz heizen, weil es nachhaltig ist.»

Zuerst werden sämtliche Gebäude saniert

Ohnehin wäre das Ehepaar Heer am liebsten auf dem Hof wohnen geblieben, im Stöckli nebenan. Weil dieses Gebäude jedoch – wie alle anderen auch – vor einer weiteren Nutzung vollständig saniert werden muss, werden sie im Juni in einer Wohnung im Horwer Dorfzentrum einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Ob sie danach auf den Hof zurückkehren können, ist noch offen und wird gemäss Stiftungs-Geschäftsführer Jakob Vogler von den betrieblichen Bedürfnissen abhängen.

Wegen des grossen Investitionsnachholbedarfs müssen sich auch die neuen Pächter gedulden, bis sie mit ihren drei Töchtern Lara (8), Annina (6) und Julia (4) auf dem Grämlishof wohnen können. Die Stiftung wird das Bauernhaus, das im Inventar schützenswerter Bauten eingetragen ist, zunächst umfassend sanieren. Der Bezug ist voraussichtlich im Sommer oder Herbst nächsten Jahres möglich. Auch die Scheune erfährt einen Umbau. Vogler: «Mit diesen Investitionen, dem neuen Konzept und der Pächterfamilie führen wir den Grämlishof in eine gesicherte Zukunft.»

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