BAUERNJAHR: Wetter und Schädlinge forderten Bauern

Das Jahr 2014 war für die Luzerner Landwirte ein anspruchsvolles: Nach einem warmen Frühling sorgte der kühle und nasse Sommer für Rückschläge.

Roseline Troxler
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Auch die Gemüsebauer wie Peter Müller aus Ruswil blicken auf ein anspruchsvolles Jahr zurück. Das Bild entstand vergangenen Juli, nachdem lange Regentage einen Teil seiner Kopfsalaternte vernichtet hatten. (Bild Roger Grütter)

Auch die Gemüsebauer wie Peter Müller aus Ruswil blicken auf ein anspruchsvolles Jahr zurück. Das Bild entstand vergangenen Juli, nachdem lange Regentage einen Teil seiner Kopfsalaternte vernichtet hatten. (Bild Roger Grütter)

Zum Jahreswechsel blicken wir auf das Jahr 2014 aus Sicht der Luzerner Bauern zurück. Christoph Böbner, Leiter der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, fasst das Jahr als «in allen Teilen sehr anspruchsvoll» zusammen. Vor allem das Wetter sei äusserst ungewöhnlich gewesen. Böbner ergänzt: «Die 4500 Luzerner Landwirtschaftsbetriebe haben es aber gut gemeistert.» Das Jahr begann für die Bauern gut. Der Winter 2013/2014 war der drittwärmste seit 150 Jahren. Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, sagt: «Von der Vegetation her startete das Jahr 2013 für die Luzerner Bauern unglaublich.» Die vielen sonnigen und warmen Tage führten dazu, dass die Obstbäume rund drei Wochen früher zu blühen begonnen haben. Die Obstbauern fürchteten allerdings einen plötzlichen Wetterumschwung mit Frost. Doch dieser blieb schliesslich aus. Durch die milden Temperaturen kam 2014 besonders früh einheimisches Gemüse auf den Markt.

Bereits Anfang Mai konnten die Luzerner Bauern erste Erdbeeren ernten – zwei Wochen früher als im Schnitt der letzten Jahre. Die Erntemenge des Vorjahres konnte damit überschritten werden.

Nasser Sommer schmälert Bilanz

So positiv die ersten Monate des Jahres waren, so herausfordernd wurden die folgenden. Vor allem der nasse Sommer setzte den Acker- und Futterbaubetrieben stark zu. Aufgrund der doppelten Regenmenge als üblich hatten Bauern Schwierigkeiten, auf den nassen Böden Gemüse anzubauen. Gemüsebauer Peter Müller aus Ruswil sagte im Juli: «Durch den Regen bleiben Blumenkohl und Brokkoli kleiner und können wegen ihrer geringeren Grösse zum Teil nicht verkauft werden.» Das Getreide wurde durch Starkregen und Hagel zu Boden gedrückt. Ausserdem begünstigte die Nässe den Pilzbefall. Diese Faktoren führten zu einer Schmälerung des Ertrags. Stefan Heller sagt: «Das Brotgetreide musste wegen den Qualitätseinbussen zum Futtergetreide deklassiert werden.» Gut hingegen fielen laut Heller die Raps- und die Zuckerrübenernte aus.

Eine Bedrohung für Beeren, Steinobst und Trauben war die asiatische Kirschessigfliege. «Sie verursachte bei den Spezialkulturen grosse Schäden», sagt Christoph Böbner. In den Luzerner Weinbergen wurde der Schädling Ende August erstmals festgestellt. In Kürze gab es kaum einen befallsfreien Rebberg mehr. Dies bescherte den Winzern Mehrarbeit. Der Ernteausfall betrug 10 Prozent. Mit 310 Tonnen Trauben konnten allerdings so viele Trauben wie nie zuvor geerntet werden.

Neue Agrarpolitik bringt Aufwand

Die neue Agrarpolitik 2014 bis 2017 wurde im Januar 2014 eingeführt. Die wichtigste Neuerung war laut Böbner das revidierte Direktzahlungssystem. «Mehr als die Hälfte der Instrumente wurde umgebaut oder neu eingeführt.» Heller sagt: «Die neue Agrarpolitik hat bei den Luzerner Bauern zu grosser Unsicherheit geführt.» Laut Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, verlieren Luzerner Bauern mit der neuen Agrarpolitik durchschnittlich 3 Prozent der Direktzahlungen. Tier­intensive Betriebe werden weniger unterstützt. Christoph Böbner ergänzt: «Ein derartiger Umbau bringt immer auch starke Verunsicherungen und zusätzlichen Aufwand mit sich, was die Bauernfamilien stark belastete.» Auch für die Beratung und die Verwaltung habe die Neukonzipierung einen Mehraufwand bedeutet.

Virus entdeckt

Bangen mussten Schweineproduzenten. Im Februar war in einem Luzerner Zuchtbetrieb das Porcine reproduktive und respiratorische Syndrom (PRRS) festgestellt worden. Das Virus kann bei Schweinen zu Fruchtbarkeitsstörungen, Aborten oder Atemwegserkrankungen führen. Meinrad Pfister, Präsident des Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverbands Suisseporcs, sagte im Juni: «Wir sind zum Glück mit einem blauen Auge davongekommen. Bei PRRS handelt es sich um die Tierkrankheit, die weltweit den grössten wirtschaftlichen Schaden anrichtet.» Das letzte Jahr war für Schweineproduzenten auch sonst kein einfaches. Der Preis für Schlachtschweine ist eingebrochen. Jakob Lütolf erklärt: «Wegen des schlechten Sommers wurde deutlich weniger grilliert. Weitere Gründe vermute ich beim Einkaufstourismus. Da gleichzeitig mehr produziert wurde, wirkte sich dies negativ auf den Preis aus.» Stabiler waren laut Böbner hingegen der Milchmarkt sowie die Rind- und Kalbsfleischmärkte.

Luzerner Bauern sind innovativ

Von Fischzucht über Schneckenproduktion bis zur Straussenfarm: Landwirte zeigten sich auch 2014 innovativ. Insbesondere wegen des sinkenden Milch- und Fleischpreises sehen sie sich nach alternativen Betriebszweigen um. Immer mehr Bauern führen ihren Betrieb ausserdem im Nebenerwerb.

Seit August ist in Schötz und Ettiswil die erste grosse Zanderproduktion des Kantons in Betrieb. Zwei Landwirte wollen jährlich 12 Tonnen Zander produzieren. Immer mehr Bauern finden ausserdem Gefallen an Nussbäumen. So entstand im Sommer im Seetal eine grosse Nussbaumplantage.

Agrarpolitik beschäftigt weiter

Ein Ausblick ins kommende Jahr zeigt: Weiter beschäftigen wird die Luzerner Bauern die Agrarpolitik 2014 bis 2017. Jakob Lütolf sagt: «Die Übergangsbeiträge fallen nun nach und nach weg. Zudem werden im kommenden Jahr die Kontrollen nach den neuen Vorschriften durch den Bund beginnen. Ich bin sehr neugierig, was die Kontrollen ergeben.» Für Böbner geht es nun darum, die neue Agrarpolitik zu konsolidieren.

Sorgen bereiten den Bauern auch die Kirschessigfliege und andere Schädlinge. «Wir hoffen hier, dass die Forschung rasch Fortschritte erzielt», so Lütolf.

Für Christoph Böbner hat die Entwicklung auf den Agrarmärkten für die Betriebe grosse Einkommensrelevanz. «Für Luzern besonders wichtig sind die Preisentwicklungen bei Schlachtschweinen, Geflügel, Milch und Käse.» Auch Jakob Lütolf betont, dass der Milchpreis weiter beschäftigen werde. «Der Druck aus der EU steigt an, weil diese die Quoten aufhebt.»

Roseline Troxler

Statistik

  • 4500 Betriebe gab es im Kanton Luzern im Jahr 2014. Dies sind 1 Prozent weniger als noch 2013.
  • 3 Wochen früher als im Durchschnitt der letzten Jahre blühten die Obstbäume 2014.
  • 10% Ernteausfall gab es bei den Trauben im Kanton Luzern durch die Kirschessigfliege.
  • 3% weniger Geld erhielten die Luzerner Bauern mit der Einführung der Neuen Agrarpolitik 2014.