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Baukasten-Tagesschule der Stadt Luzern soll bleiben

Der Stadtrat hat sich gegen flächendeckende Tagesschulen in Luzern ausgesprochen. Er will weiterhin auf das etablierte additive Modell setzen. Für die GLP greift diese Lösung allerdings zu kurz.
Simon Mathis
Der Luzerner Stadtrat will am Angebot der Tagesstrukturen nichts grundlegendes ändern. (Symbolbild: Maria Schmid)

Der Luzerner Stadtrat will am Angebot der Tagesstrukturen nichts grundlegendes ändern. (Symbolbild: Maria Schmid)

Der Luzerner Stadtrat lehnt eine flächendeckende Einführung von Tagesschulen ab. Die GLP-Fraktion des Stadtparlaments hatte mittels Motion eine konsequente Kinderbetreuung über fünf Tage gefordert. In Zürich habe ein entsprechendes Pilotprojekt grossen Erfolg feiern können, argumentieren die Motionäre.

Der Stadtrat sieht indes keinen Grund, vom bereits etablierten Luzerner Modell abzurücken. Zurzeit bietet die Stadt eine so genannte «additive Tagesschule» an: Eltern melden sich für die Betreuung an und wählen zwischen unterschiedlichen Modulen für die Kinderbetreuung (morgens, mittags und nachmittags). Demgegenüber gibt es in Zürich ein Komplettangebot.

Betreuungsangebot Volksschule Stadt Luzern

Anzahl Plätze pro Schultag (Kindergarten/Primar)
Ganztagesplätze
Mittagsplätze
20132014201520162017201820190200400600800

Stadtrat: Eltern wünschen Flexibilität

«Der Unterschied zwischen unserem und dem Zürcher Modell ist nicht sehr gross», sagt Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli (SP). Die angebotene Betreuungszeit sei effektiv die gleiche, nur die Organisation unterscheide sich. «Wer eine volle Tagesschule für seine Kinder wünscht, kann diese auch in Luzern erhalten», so Züsli. Das flexible Luzerner Modell gehe besser auf die individuellen Bedürfnisse der Eltern ein. Das sei wichtig, zumal der Trend zurzeit in Richtung Teilzeitarbeit gehe. Da sei eine Rundumbetreuung häufig gar nicht gewünscht. Beat Züsli: «Es nützt nichts, wenn wir ein Angebot haben, das niemand oder nur wenige nutzen.» Genau dieser Fall sei vor zehn Jahren eingetreten, als die Stadt Luzern eine «richtige» Tagesschule erprobt habe.

In den letzten zehn Jahren haben sich die Bedürfnisse der Familie allerdings gewandelt. Deshalb will der Stadtrat nun eine Evaluation durchführen. Sie soll prüfen, welche Tagesschul- und Betreuungsangebote effektiv gefragt sind. 40 000 bis 60 000 Franken will er sich das kosten lassen.

Motionäre wollen FDP in die Pflicht nehmen

Die Argumentation des Stadtrats kann Mit-Motionär und Grossstadtrat Jules Gut (GLP) «in keiner Art und Weise nachvollziehen», wie er auf Anfrage sagt. Die Modelle Luzern und Zürich seien grundverschieden, widerspricht Gut dem Stadtpräsidenten. Er moniert vor allem, dass die Hürden für eine Anmeldung bei der additiven Tagesschule zu hoch seien.

In Luzern müsse man sich bereits Anfang Dezember für einen Platz anmelden, neun Monate im Voraus. «Es dauert bis zum April, bis der Bescheid da ist», so Gut. «Und wenn der Entscheid abschlägig ausfällt, schreibt die Stadt, man müsse halt einen Plan B haben.» Die Verantwortung für die Kinder werde damit letztlich wieder allzu oft auf die Frau abgewälzt. «In der heutigen Zeit finde ich diese Einstellung fragwürdig», sagt Gut.

Auch liberale Institutionen wie Avenir Suisse und der Arbeitgeberverband sprächen sich klar für Tagesschulen aus. Deshalb will Jules Gut auch die FDP in die Pflicht nehmen. «Das ist aktive Wirtschaftsförderung», sagt Gut. «Und eine gute Möglichkeit, dem so oft beschworenen Fachkräftemangel entgegenzuwirken.»

Der Stadtrat will derweil das additive Modell weiter ausbauen. Bis 2020 will er 710 Ganztagesplätze und 220 Mittagsplätze anbieten. Zurzeit gibt es in der Stadt 614 Ganztagesplätze und 198 zusätzliche Mittagsplätze

Stadtrat ist gegen kürzere Mittagspausen

Der Stadtrat will nicht nur den Bedarf von Betreuungsplätzen abklären, sondern auch die zeitliche Einteilung des Stundenplanes. Der Lehrplan 21 sieht ab der dritten Klasse nämlich zwei Lektionen mehr vor. Das kann zu Konflikten etwa mit sportlichen und musikalischen Aktivitäten der Schüler führen. «Hier bestehen ganz verschiedene Wünsche und Vorstellungen», sagt Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli. «Sie alle unter einen Hut zu bringen, wird schwierig.» Die Ansprüche der Bildung stünden allerdings zuoberst. Der Stadtrat wolle einen guten Mittelweg zwischen den gesellschaftlichen und pädagogischen Anliegen finden.

Einem Vorschlag der SP, die Mittagszeit der Schüler zu verkürzen, steht der Stadtrat skeptisch gegenüber, will diese Möglichkeit aber auch prüfen. Die Verkürzung könne auf Kosten von kulturellen und sportlichen Aktivitäten gehen, die teils mittags angeboten werden. Ausserdem mache dies einen weiteren Ausbau der Betreuungsplätze nötig. (sma)

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