Kolumne

Baumschmücken – das ist eine logistische Meisterleistung

Redaktorin Susanne Balli über eine alljährliche Herausforderung vor Weihnachten – und zwar für die Eltern wie auch fürs Christchindli.

Susanne Balli
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Redaktorin Susanne Balli.

Redaktorin Susanne Balli.

Bei uns zu Hause schmücken nicht wir den Weihnachtsbaum. Das macht das Christchindli in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember. Und es ist nicht nur für das Christchindli, sondern auch für uns Eltern eine logistische Meisterleistung. Um dem Christchindli genügend Zeit einzuräumen, versuchen wir an jenem Abend, den Nachwuchs so früh wie möglich ins Bett zu bringen.

Da Kinder für alles, was man zu verbergen versucht, einen siebten Sinn haben, ist das meistens ein schwieriges – ja nahezu unmögliches Unterfangen. Das Gute-Nacht-Geschichtli dehnt sich durch viele eingeschobene Fragen bis zur Unendlichkeit aus. Der Weg ins Bett scheint sich von ein paar wenigen Metern auf hunderte von Kilometern zu verlängern. Sind die Kinder endlich im Bett und haben 23 Gutenachtküsse erhalten, dann möchte das eine Kind ein Steinkissen, das andere hat Durst, dann muss eines aufs WC, das andere ebenfalls. Auch liest das grössere im Bett an diesem Abend länger als sonst, während das kleine an den Knöpfen des CD-Players rumdrückt, bis der Kasperli dummerweise mittendrin verstummt. Dann will das Kind natürlich an der exakt gleichen Stelle weiterhören und wird wütend, wenn Papi und Mami die Stelle nicht finden. Geduld hilft (meistens) – manchmal auch ein sehr bestimmtes «das ist das letzte Mal heute Abend, dass wir in eurem Zimmer vorbeischauen. Es ist Feierabend!»

Endlich schlafen sie. Der Christbaum wartet seit dem Nachmittag in der Stube. Schliesslich soll das Christchindli nicht alles alleine machen müssen. Die verknotete Lichterkette zu entwirren und anzubringen macht am wenigsten Spass (hat das Christchindli uns einmal mitgeteilt). Darum haben wir uns bereits selber darum gekümmert. Den Rest – das Schmücken des Baumes – besorgt das Christchindli.

Hier war das Christchindli am Werk.

Hier war das Christchindli am Werk.

Bild: Susanne Balli

Wenn wir Eltern das auch noch selber erledigen müssten, täten wir dies bei kitschiger Weihnachtsmusik, einem guten Glas Rotwein und ein paar Weihnachtsguezli. Es würde bis tief in die Nacht dauern, denn jede einzelne Kugel würde mit schönen Dekobändern an den Baum geknotet. Auch die Schokolade-Figürchen, die Glöcklein und anderen glänzenden Krimskrams dürfte nicht vergessen werden. Bis der Baum von oben bis unten komplett voll wäre. Genauso, wie es das Christchindli jedes Jahr macht.

Wenn die Kinder am frühen Morgen des 24. Dezembers in ihren Betten aufmucken, wenn sie das Glöcklein hören, aufspringen und in die Stube rennen, während wir Eltern versuchen, verwundert und verschlafen aus der Wäsche zu gucken, wenn sie mit glänzenden Augen vor dem üppig geschmückten Baum stehen und sich über das prächtige Werk vom Christchindli freuen: Dann war das alle Mühe wert.

Vielleicht müssen wir das Christchindli bald noch mehr entlasten. Vielleicht schmücken wir im nächsten oder übernächsten Jahr den Baum selber. Vielleicht werden uns die Kinder gerne dabei helfen. Dann finden wir auf jeden Fall etwas anderes, um den geheimnisvollen Zauber von Weihnachten aufrecht zu erhalten.

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