BAUPROJEKT: EWL will die Stadt Luzern als Mieter behalten

Die FDP fordert, dass die Verwaltung ihre Büros auf dem EWL-Areal räumt und so Platz für Firmen schafft. Dies ist jedoch nicht im Sinne des Eigentümers.

Stefan Dähler
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Blick auf das EWL-Areal in Luzern, auf dem eine Grossüberbauung geplant ist. (Bild: Roger Grütter/LZ, 5.1.2017, Luzern)

Blick auf das EWL-Areal in Luzern, auf dem eine Grossüberbauung geplant ist. (Bild: Roger Grütter/LZ, 5.1.2017, Luzern)

Bald soll es vorwärtsgehen auf dem Areal von Energie Wasser Luzern (EWL). Zwischen Industriestrasse und Geissensteinring sollen an zentraler Lage 160 Wohnungen und 42'000 Quadratmeter Bürofläche für rund 200 Millionen Franken entstehen. Auch die städtische Feuerwehr soll auf das Areal ziehen.

Nun gibt EWL Details zum Zeitplan bekannt. «Der Start des Wettbewerbsverfahrens beginnt im April», sagt CEO Stephan Marty. Danach werde der Gestaltungsplan erarbeitet und anschliessend das Bauprojekt. «Wenn alles optimal läuft, wird Mitte 2021 der Spatenstich erfolgen.» Somit könne der Neubau ab 2023 bezogen werden.

«Damit liegen wir hinter dem ursprünglich sehr optimistischen Zeitplan.» Ursprünglich sollten die Bauarbeiten 2019 beginnen. Marty begründet die Verzögerungen mit «logistischen, hoch komplexen Anforderungen, da EWL und die Feuerwehr rund um die Uhr für die Grundversorgung der Stadt Luzern zuständig sind». Diese Versorgung müsse auch während der Bautätigkeiten gewährleistet sein. «Um diese Grundlagen seriös zu erarbeiten, wurde mehr Zeit benötigt.»

Zwei dringliche Vorstösse sind hängig

Die Herausforderungen sind aber nicht mehr nur logistischer Natur. In den letzten Wochen ist das Projekt auch zu einem politischen Zankapfel geworden. So fordert die FDP in einer Dringlichen Motion, dass die Stadtverwaltung neue Standorte sucht. Derzeit sind das Tiefbauamt und die Stadtgärtnerei im EWL-Gebäude an der Industriestrasse untergebracht. Nach der Realisierung des Projekts soll die Stadt aber keine Büros mehr auf dem Areal mieten. So soll dringend benötigter Platz für Firmen geschaffen werden (Ausgabe vom 6. Januar).

Stephan Marty kann den Vorstoss «aus Sicht der Wirtschaftsförderung absolut verstehen». Jedoch wäre es «wünschenswert, dass die städtischen Abteilungen zur optimalen Bewirtschaftung der Infrastruktur am Standort Industriestrasse verbleiben». EWL sei für den Bau und Betrieb der Infrastrukturen wie Strom, Gas, Wasser, Telekom zuständig. Die Stadt koordiniere alle Bautätigkeiten im öffentlichen Grund, «daher sind wir tagtäglich in engem Kontakt», so Marty. «Die Nutzung dieser Synergien sollten bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.» Marty betont aber, dass der Entscheid über den Standort der städtischen Verwaltung «ausschliesslich durch die Stadt Luzern gefällt» werde.

Von den 42000 Quadratmetern Bürofläche benötigt die EWL rund 18000 Quadratmeter. Hinzu kommen rund 8000 Quadratmeter für die Feuerwehr. Falls die Stadtverwaltung ihre Büros auf dem Areal behält, bleiben noch 8800 Quadratmeter Bürofläche übrig, die von Firmen genutzt werden könnten.

Gemeinnützige Wohnungen auf dem EWL-Areal?

Diese Woche ist noch ein zweiter Vorstoss hinzugekommen. SP, Grüne und GLP fordern in einem Dringlichen Postulat, dass auf dem EWL-Areal gemeinnützige Wohnungen entstehen sollen. Da die drei Parteien die Mehrheit im Grossen Stadtrat stellen, dürfte dieses Thema nicht so schnell vom Tisch sein.

Zu dieser Forderung hat die EWL noch keine öffentliche Haltung. Wie hoch der Mietzins der Wohnungen sein werde und wie der Mietermix aussehen soll, sei noch nicht festgelegt. «Diese Fragen werden im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens geklärt», sagt Marty. Verschiedene informelle Gespräche mit möglichen Investoren hätten bereits stattgefunden, das Projekt sei dabei «durchaus auf Interesse gestossen». Ob auch eine Baugenossenschaft für die EWL in Frage kommt, lässt Marty ebenfalls offen. Klar sei, dass das Grundstück nicht verkauft, sondern im Baurecht abgegeben wird.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch