Bauprojekt
Nach Rekord-Aufmarsch: Beromünster stimmt neuem Standort für Pflegewohnheim zu

Die Gemeindeversammlung hat die Umzonung im Gebiet Bifang gutgeheissen. Die Pläne für den Neubau des Pflegewohnheims Bärgmättli können somit weiterverfolgt werden. Aufatmen kann auch der Kanton Luzern.

Niels Jost
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So etwas hat Beromünster wohl noch nie erlebt. Eine lange Warteschlange bildete sich am Dienstagabend vor dem grossen Festzelt im Ortsteil Gunzwil, das extra für die ausserordentliche Gemeindeversammlung aufgestellt wurde. Nicht weniger als 946 (!) Stimmbürgerinnen und -bürger waren erschienen, um über den neuen Standort für das Pflegewohnheim Bärgmättli zu entscheiden. Das sind ungefähr 20 Prozent aller Stimmberechtigter von Beromünster.

Grosser Aufmarsch an die Gemeindeversammlung: 946 Stimmbürgerinnen und -bürger waren zugegen.

Grosser Aufmarsch an die Gemeindeversammlung: 946 Stimmbürgerinnen und -bürger waren zugegen.

Bild: Niels Jost (Gunzwil, 26. Oktober 2021)

Das Bärgmättli ist seit Wochen das Thema Nummer 1 in der Gemeinde. Weil das Pflegewohnheim sanierungsbedürftig ist und nicht mehr den heutigen Ansprüchen entspricht, plant die Pflegewohnheim Bärgmättli AG einen Neubau im zentral gelegenen Gebiet Bifang. Das heutige, 1973 erstellte Gebäude im Sandhübel wird stattdessen abgerissen. Dort soll künftig eine Umfahrungsstrasse durchführen, wie diese Karte zeigt:

Für den neuen Standort des Bärgmättli ist eine Umzonung und somit eine Teilrevision der Ortsplanung nötig. Diese ist umstritten – genauso wie das Neubau-Projekt und die damit zusammenhängende Umfahrung (wir berichteten).

Das zeigte sich auch an der Gemeindeversammlung. Bis um 22:50 Uhr diskutierten die Bürgerinnen und Bürger über diese Themen. Die Debatte verlief mehrheitlich sachlich, teils emotional. Schliesslich stimmte die Versammlung der Umzonung grossmehrheitlich zu. Bereits zuvor wurden alle vier hängigen Einsprachen ebenso grossmehrheitlich abgelehnt.

Projekte von langer Hand geplant

Zu Beginn legte der Gemeinderat nochmals dar, wieso ein Neubau im Bifang Sinn macht. Der Standort sei zentral gelegen und gut erschlossen, was für Bewohnende, Angestellte und Besuchende von Vorteil sei. Das Gebiet Bifang sei in einem aufwendigen Evaluationsverfahren gegenüber anderen Standorten als Siegerin erkoren worden. Dasselbe gelte für den Entscheid des Neubaus: Auch dieser habe einen zweistufigen Studienauftrag durchlaufen.

Unterstützung erhielt der Gemeinderat sogleich von Ivo van Herk vom Pro-Komitee «Für ein lebenswertes Beromünster». Er weibelte für ein Ja und kritisierte, dass die anonymisierte Arbeitsgruppe «Zukunft Bärgmättli» im Vorfeld mit Flyern Polemik betrieb.

Kontroverse um Finanzierung

Die in diesen Flyern aufgeführte Kritik wurde von verschiedenen Seiten immer wieder aufgegriffen: der befürchtete Lärm im Bifang, die schönere Aussicht im Sandhübel, die ungewisse Finanzierung des Neubaus und die überdimensionierte Umfahrung. So stellte etwa Einsprecher Robert Galliker die finanzielle Tragbarkeit in Frage. Er sagte:

«Das Neubauprojekt ist eine inhaltliche und finanzielle Blackbox.»

Ins gleiche Horn blies Ruedi Hüsler aus Beromünster. Er stehe hinter einem Neubau und der Umfahrung, befürchte aber, dass die Gemeinde dereinst eine Bürgschaft für «diese teure Lösung» leisten müsse.

Dies sei nach heutigem Kenntnisstand nicht der Fall, sagte Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold. Bärgmättli-Geschäftsführer Marco Meier zeigte zudem auf, dass man für den 37-Millionen-Neubau mit den 82 Pflegeplätzen Fremdkapital aufnehmen werde. Meier versicherte:

«Die Finanzierung ist zu jedem Zeitpunkt gesichert.»

Antrag für Urnenabstimmung abgelehnt

Nach den Einspracheverhandlungen stellte Michael Estermann den Ordnungsantrag, die Schlussabstimmung an der Urne durchzuführen. Estermann ist Mitglied des Komitees «Mehr Demokratie für alle», welches mittels Initiative verlangt hat, die Gemeindeversammlung abzuschaffen (wir berichteten). Der Antrag wurde allerdings klar abgelehnt.

Mit der jetzigen Zustimmung der Bevölkerung kann die Planung für den Neubau des Bärgmättli fortgeführt werden. Wann der Baustart erfolgen wird, ist noch nicht bekannt.

So könnte das Pflegewohnheim Bärgmättli dereinst aussehen.

So könnte das Pflegewohnheim Bärgmättli dereinst aussehen.

Visualisierung: PD/Archetage Baar

Klar ist hingegen, dass der Kanton nun aufatmen und die Umfahrung weiter planen kann. Aktuell laufen Einspracheverhandlungen. Die kantonale Stimmbevölkerung kann voraussichtlich im Frühjahr 2023 über das 60-Millionen-Projekt befinden. Die ersten Autos und Velos sollen frühestens 2028 den historischen «Flecken» umfahren.

Eine rund 100 Meter lange Brücke ist Teil der Umfahrung Beromünster. An deren Ende am rechten Bildrand steht heute das Bärgmättli.

Eine rund 100 Meter lange Brücke ist Teil der Umfahrung Beromünster. An deren Ende am rechten Bildrand steht heute das Bärgmättli.

Visualisierung: PD/Swiss Interactive AG