Luzerner Bauunternehmer kauft leer stehende Frauenklöster

Die Frauenklöster in Wikon und im Melchtal sollen wiederbelebt werden. Wie, ist noch offen. Investor Bruno Amberg will sich Zeit lassen.

Alexander von Däniken und Julian Spörri
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Verkauft: Die Marienburg in Wikon.

Verkauft: Die Marienburg in Wikon.

Bild: Pius Amrein (17. Oktober 2019)

Seit knapp einem Jahr stehen die Klöster Marienburg in Wikon und St.Niklaus von Flüe im Melchtal leer, nachdem die benediktinischen Schwesterngemeinschaften die Räumlichkeiten Ende Februar verlassen hatten und ins Kloster St.Andreas nach Sarnen gezogen sind. Nun hat die Luzerner Transterra Immobilien AG die Liegenschaften übernommen.

Hinter der Firma steht Bruno Amberg mit seiner Familie. Er führt zusammen mit seinem Bruder André die gleichnamige Luzerner General- und Bauunternehmung. Wie viel die Transterra für die Klosterliegenschaften gezahlt hat, wird laut Sprecher Ronald Joho nicht bekannt gegeben. Auch unklar ist, welche Pläne es für die künftige Nutzung der Klöster gibt. «Das ist noch völlig offen und abhängig von den Ideen, welche die Entwickler vorbringen werden», sagt Joho. Die Spezialisten werden von Bruno Amberg aufgeboten – und können sich laut Joho Zeit lassen. Nämlich zwischen zwei und vier Jahre. Das lasse auch der bauliche Zustand zu.

Wohnungen nicht ausgeschlossen

Einzige Richtschnur: Die Nutzung müsse wie bisher ruhig sein. Alles andere sei nicht ausgeschlossen. «Auch Wohnungen nicht, wenn sie zum Gesamtkonzept passen», sagt Joho. Der Erwerb der Liegenschaften, die Entwickler, allfällige Sanierungs- und Umbaukosten – das kostet viel Geld. Geld, das Amberg bei diesen Objekten gerne ausgibt, wie Joho durchblicken lässt:

«Man hat Respekt vor diesen Gebäuden, aber keinen Druck.»

Das Grundstück in Wikon ist über 28000 Quadratmeter gross, jenes in Kerns rund 9800 Quadratmeter.

Stiftung stellte Bedingungen

Mit der Nachfolgeregelung für die klösterlichen Liegenschaften war die Stiftung «Ora et Labora – Leben im Kloster» beauftragt. Sie führte Gespräche mit verschiedensten Interessenten. Gemäss dem Stiftungsratspräsidenten Hanspeter Kiser hat man sich in den Gesprächen mit der Transterra Immobilien AG sehr schnell gefunden. Die Firma habe drei Bedingungen erfüllt: «Die Schwesterngemeinschaften wollten die Liegenschaften vollständig verkaufen, damit sie nicht auf Restbeständen sitzen bleiben. Zudem sollte der Verkauf möglichst schnell stattfinden, weil die Unterhaltskosten eine finanzielle Belastung darstellen. Auch der Verkaufspreis musste stimmen.»

Dieser liefere einen «angemessenen Beitrag» an die Altersvorsorge der Schwesterngemeinschaften, so Kiser. Überzeugt habe auch, dass Transterra der Geschichte und der Tradition der Gebäude Rechnung tragen wolle. Kiser versichert:

«Aus den Klöstern wird es kein Disneyland geben.»

Im Vertrag wurden Auflagen für zukünftige Projekte festgehalten. Gemäss Kiser darf Transterra die Gebäude nicht einfach weiterverkaufen, zum Beispiel an Sekten, die im kompletten Gegensatz zu den christlichen Werten stehen. Auch müsse der Käufer den Friedhof weiterpflegen und die Grabesruhe respektieren.

Die Handänderungen stossen bei den jeweiligen Gemeinderäten auf Anklang. Michaela Tschuor, CVP-Gemeindepräsidentin von Wikon: «Der Gemeinderat gratuliert zu diesem Schritt und heisst die neue Eigentümerschaft herzlich willkommen in Wikon.» André Windlin, FDP-Gemeindepräsident von Kerns: «Ich bin erleichtert, dass für die Klosterliegenschaft eine Lösung gefunden werden konnte.»