Interview

BDP Kanton Luzern: Rücktritt aus den Kommunalwahlen – und des Präsidenten

Denis Kläfiger tritt als Luzerner BDP-Präsident zurück. Zudem verzichtet die Kleinpartei auf die Kommunalwahlen.

Alexander von Däniken
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Die BDP des Kantons Luzern steht vor einem Umbruch: Denis Kläfiger (28), seit rund fünf Jahren Kantonalpräsident, tritt per 9. Februar von seinem Amt zurück. Der Stadtluzerner will sich beruflich umorientieren. Gleichzeitig kündigt die Partei an, nun doch nicht an den Kommunalwahlen vom 31. März teilzunehmen. Wie es mit der BDP trotzdem weitergehen kann, erklärt Kläfiger im Interview.

Denis Kläfiger, abtretender Präsident der BDP Kanton Luzern.

Denis Kläfiger, abtretender Präsident der BDP Kanton Luzern.

PD/Kasem Belkalem

Ist die berufliche Umorientierung ein Vorwand, um von der Partei wegzukommen, die bei den nationalen ­Wahlen vom letzten Herbst Schiffbruch erlitten hat?

Denis Kläfiger: Überhaupt nicht. Aber meine beruflichen Ziele führen mich unter anderem für ein Seminar nach Wien. Um eine Kantonalpartei zu leiten, muss man vor Ort sein. Ausserdem bin ich noch jung – und ich will jetzt bei der beruflichen Karriere einen Schwerpunkt setzen. Mein Weggang gibt dem Vorstand die Gelegenheit für eine Umstrukturierung und die ­Suche nach einem Nachfolger. Aber Sie haben schon recht, der Partei haftet seit den nationalen Wahlen der Nimbus der Verliererpartei an.

Was meinen Sie mit Umstrukturierung im Vorstand?

Parteisekretär Basil Omlin, Vizepräsidentin Milca Tangemann und auch die anderen Vorstandsmitglieder bleiben vorerst im Amt. Ihnen kommt nun ­primär die Aufgabe zu, mit der nationalen Partei in Kontakt zu bleiben.

Das heisst, es wird auf eine Fusion der Mitteparteien CVP, GLP, EVP und BDP hinauslaufen?

Darüber könnte man sicherlich auch offen diskutieren. Es werden aber auch andere Varianten diskutiert. Ich persönlich schliesse einen Mitteblock nicht aus. Es besteht aber die Gefahr einer Zersplitterung. Zudem würde ich es nicht gutheissen, wenn eine neue Mittepartei mit BDP und CVP sich auf religiöse Werte einigen würde.

Weil Sie bekennender Homosexueller sind?

Nicht nur, auch weil ich generell in gesellschaftlichen Fragen ­liberaler denke und lebe. Aber wie gesagt: Jetzt liegt es an der nationalen Partei, Überlegungen zu machen.

Sie sprachen mit Parteichef Martin Landolt. Wie lief es?

Respektvoll. Er hat sich für meinen Einsatz bedankt und zeigte Verständnis dafür, dass ich mit 28 Jahren den Fokus auf den ­Beruf legen will. So ein Amt als Kantonalpräsident nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch, als Junger wird man zum Teil auch unterschätzt.

Noch Ende August haben Sie gesagt, die BDP verzichte im Kanton Luzern auf die nationalen Wahlen, wolle aber bei den kommunalen Wahlen Vollgas geben. Warum der Tritt auf die Bremse?

Damals war die Ausgangslage noch anders. Bei den nationalen Wahlen sank unser Wähleranteil um 1,6 auf noch 2,5 Prozent. Da macht es nun keinen Sinn, viel Energie in die kommunalen Wahlen zu stecken.

Sie haben letzten August erwähnt, die BDP wolle in Luzern, Sursee, Adligenswil und eventuell Ebikon antreten. Wären denn Kandidaten bereit gewesen?

Es haben sich einige gemeldet. Allerdings kam es zu Wohnortwechseln oder beruflichen ­Änderungen. Es hätte also viel Engagement bedeutet.

Sind die Wahlen vom letzten Herbst nicht ein Zeichen dafür, dass die BDP nur mit einer politisch aktiven ­Evelyne Widmer-Schlumpf funktioniert hat?

Das ist schon mehrfach so propagiert worden. Sie war ohne Zweifel das wichtigste Aushängeschild der BDP. Aber aus meiner Sicht war etwas anderes ausschlaggebend: Die Partei hat den Generationenwechsel zu spät eingeleitet. Man verliess sich zu lange auf gestandene Politiker wie Hans Grunder, Ursula Haller oder Werner Luginbühl. Das war ein Fehler.

Hat die BDP überhaupt noch Zukunft?

Davon bin ich überzeugt. In welcher Form, wird sich noch weisen. Im Kanton Luzern zählen wir rund 60 Mitglieder; der Bestand ist stabil. Nun gilt es, die richtigen Strukturen zu finden. Generell ist es schwierig für sachlich politisierende Mitteparteien, genügend Wähler zu mobilisieren. Man muss versuchen, sich sexy und auch etwas provokativer zu verkaufen, ohne die Inhalte zu stark zu verzerren.

Und hat der Politiker Denis Kläfiger überhaupt noch Zukunft?

Auf jeden Fall. Es wird in 10 bis 15 Jahren ein Comeback geben. Wo und in welcher Funktion, hängt nun auch von der Entwicklung der BDP ab. Ich sage nicht Ade und Ciao, sondern auf Wiedersehen.