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BEAT VILLIGER: «Das Luks ist wohl eines der gesündesten öffentlichen Spitäler überhaupt»

Er kam für zwei Jahre und blieb über sechs: Jetzt tritt Beat Villiger (73) als Spitalratspräsident des Luzerner Kantonsspitals ab. Der umtriebige Sportarzt zeigte Ausdauer am Verhandlungstisch mit der Regierung – und jenseits davon.
Evelyne Fischer
Im Treppenhaus der Augenklinik, die er miteröffnete: Beat Villiger. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 19. Dezember 2017))

Im Treppenhaus der Augenklinik, die er miteröffnete: Beat Villiger. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 19. Dezember 2017))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Wenn Beat Villiger eines nicht mag, dann «Gesundbeter». «Gelegentlich braucht’s eine Berner Platte» – und in seinem Fall täglich ein «Zweierli» Rotwein vom eigenen Rebberg. Der Lehrmeinung entspricht das nicht. Aber das passt zu Beat Villiger, dem Spitalratspräsidenten des Luzerner Kantonsspitals, langjährigen Olympia-Arzt, Dopingexperten und früheren CEO des Schweizer Paraplegiker-Zentrums Nottwil.

Dass Bewegung, eine positive Einstellung und die präventive Wirkung des Rotweins genauso wichtig seien wie der Body-Mass-Index will Villiger als Botschafter der Gesundheitsförderung vermitteln. Jetzt hat er Zeit für neue Aufgaben: Per Ende Jahr gibt Villiger das Spitalratspräsidium an Ulrich Fricker weiter (siehe Kasten). «Im Januar werde ich 74. Es ist an der Zeit, kürzerzutreten.»

Spital-Hochzeit von Luzern und Stans aufgegleist

Villiger, markanter Schnauz, die grauen Haare nach hinten gekämmt, bittet ins Büro von Spitaldirektor Benno Fuchs. Ein eigenes besass er nie, pendelte seit Amtsantritt im September 2011 bis zu dreimal wöchentlich vom bündnerischen Maienfeld in die Zentralschweiz. Zusammen mit sieben Spitalräten und der Geschäftsleitung erarbeitete er etwa eine neue Unternehmens- und Investitionsstrategie und reagierte auf Tarifreduktionen oder «ambulant vor stationär».

Lang ist die Liste der Bauten, die Villiger eröffnen konnte. Eine Auswahl: im Juni 2012 die Privatabteilung Excellence, die im Januar 2016 um eine Etage ergänzt wurde, im März 2016 die Augenklinik, im Juni 2017 das Notfallzentrum und das Zentrum für Intensivmedizin, Anfang Monat die Reha-Abteilung in Wolhusen.

In Villigers Amtszeit fiel der Startschuss für die Zusammenarbeit der Kantonsspitäler Luzern und Nidwalden: Seit 2012 kooperieren sie unter gleicher strategischer Führung als «Lunis». «Ich konnte damals eine Verlobung vollziehen, obwohl ich die Braut nicht näher kannte», sagt Villiger und lacht. Den Segen zur Hochzeit geben nun andere – die Fusion ist per 2020 geplant. Villiger betont: «Stans wird immer seinen kantonalen Auftrag haben.» Das Spital habe sein Angebot stärken können und mit dem Luzerner Kantonsspital (Luks) «einen direkteren Zugang zur spezialisierten Medizin» erhalten. «Luzern wiederum braucht Stans zur Gewährleistung der Fallzahlen in der hochspezialisierten Medizin und zur Entlastung bei Engpässen.»

Auf die Bitte um eine «Diagnose» zum Zustand des Luks kommt Villiger in Fahrt: «Das Luks ist wohl eines der gesündesten öffentlichen Spitäler überhaupt. Wir haben gesunde Finanzen, eine klare Strategie, kaum Rekrutierungsprobleme, zufriedene Mitarbeitende und sind auf dem besten Weg, das ‹Universitätsspital› der Zentralschweiz zu werden», sagt er im Tempo eines Sport-Kommentators. «Uns passieren auch Fehler. Aber weniger als anderen.» Möglich sei dies dank Spitaldirektor Fuchs, der Geschäftsleitung und motivierter Mitarbeiter. Villiger untermalt die Worte mit grossen Gesten, kneift die Augen zusammen, wenn ihm etwas sehr wichtig ist.

Von Emotionen und harten Verhandlungen

Das Lob des Spitaldirektors folgt postwendend: Villiger sei ein «Glücksfall» gewesen, ein «motivierender Ermutiger», sagt Fuchs. «Er war einer, der uns forderte, seinen Standpunkt mit vielen Emotionen vertrat. Nie verlor Beat Villiger dabei aber den Respekt vor anderen und trennte stets die Sache von der Person.»

Dies dürfte am Verhandlungstisch oft der Schlüssel zum Erfolg gewesen sein – Welten prallten aufeinander. Hier die bürgerliche Regierung Luzerns, dort Genosse Villiger – 1999 kandidierte er auf der Liste der Bündner SP für den Nationalrat. Bei Amtsantritt sagte Villiger, er habe als gebürtiger Urner einen harten «Grind» und «klare Vorstellungen», was die Aufgaben der jeweiligen Gremien seien. «Ich erwarte, dass die Regierung den Spitalrat ernst nimmt und keine rein politischen Entscheide fällt.»

Versuchte sie es dennoch, setzte sich Villiger zur Wehr. Etwa 2016, als die Regierung das rentable Kantonsspital – letztes Jahr flossen 18 Millionen in die Staatskasse – in die Schuldenbremse mit einbeziehen wollte. Der Spitalrat drohte, das Referendum zu ergreifen. «Hier ging es um mein Kind, das geschlagen wurde», sagt Villiger. «Dringend notwendige Investitionen hätten sich um Jahre verzögern können.» Auch eine Arbeitszeiterhöhung analog zu jener der Kantonsangestellten kam für ihn nicht in Frage.

Villiger ist kein bequemer Gegner. «Ich habe über 50 Marathonläufe absolviert, keinen einzigen aufgegeben.» Ein Kämpfer, sagen die einen, ein Verbissener, andere. «Wir hatten manchmal harte Diskussionen», sagt Regierungspräsident Guido Graf (CVP). «Dass wir nicht immer gleicher Meinung waren, liegt in der Natur der Sache. Letztlich fanden wir aber immer Lösungen, welche die Interessen des Spitals und des Kantons als Eigner optimal vereinen.» Er habe Villigers «offene, gradlinige und unkomplizierte Art» geschätzt.

Neues Kinderspital war und ist eine Pendenz

Wenn da ein Fleck auf dem weissen Arztkittel ist, dann dieser: das Kinderspital. Die Pläne für die neue Klinik lagen bereits 2010 vor. Weil das Spital schon bei Baubeginn zu klein gewesen wäre und die logistische Nähe zum Zentrum fehlte, brach man die Übung ab. 2025 soll der Neubau stehen. «Wir brauchen ein Kinderspital, das auch kommenden Ansprüchen genügt», sagt Villiger. Kritiker warfen ihm vor, man habe schlicht rentablere Projekte vorgezogen – etwa die Augenklinik. Villiger kontert: «Finanzen und Kapazitäten wären vorhanden gewesen. Aber wir konnten dieses Projekt nicht verantworten.»

Um Villiger aus der Bahn zu bringen, reicht solche Kritik nicht. Da braucht es mehr. 2010 erlitt seine Frau Nicky einen Hirnschlag. «Das hat uns wachgerüttelt, mir gezeigt, was wirklich wichtig ist», sagt Villiger und verstummt erstmals. Für seine Frau will er sich mehr Zeit nehmen, geplant sind bereits drei Monate im Camper, durch Südfrankreich, durchs Piemont und über die Alpen. Nebenbei wird er seine «alternden Spitzensportler» weiterbetreuen und vermehrt international tätig sein – im Februar etwa an den olympischen Hockeyturnieren in Südkorea. Die Berufsausübung wurde ihm kürzlich für drei weitere Jahre bewilligt. Ab 70 ist ein Gesundheitstest Pflicht.

Macht ihm das Alter Angst? «Meine Verwandtschaft blieb sehr lange rüstig, das beruhigt mich. Aber ich habe mich noch nie gerne mit mir auseinandergesetzt.» Und irgendwie schwingt mit: Die Aussicht auf ruhigere Zeiten löst auch Unruhe aus.

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