Beat Züsli äussert sich zum Gutachten der Denkmalpflege

Das Theater soll gemäss Luzerns Stadtpräsident Beat Züsli ein für alle offenes Mehrspartenhaus werden. Er sagt: «Das neue Theater soll durchgängig werden, ein Begegnungsort für die Bevölkerung. Dafür braucht es einen belebten, urbanen Raum.»

Interview: Hugo Bischof
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Stadtpräsident Beat Züsli (rechts) mit Arthur Waser, der eine Million Franken für den Architekturwettbewerb für das neue Luzerner Theater spendet.

Stadtpräsident Beat Züsli (rechts) mit Arthur Waser, der eine Million Franken für den Architekturwettbewerb für das neue Luzerner Theater spendet.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 12. Dezember 2019)

Wie soll das neue Luzerner Theater dereinst aussehen? Wird es ein Neubau oder ein Erweiterungsbau sein? Noch sind viele Fragen offen. Mit der Gründung einer Projektierungsgesellschaft stellen Stadt und Kanton Luzern sowie die Stiftung Luzerner Theater die Planung nun auf eine solide Basis (Ausgabe von gestern).

Ungeklärt ist, welche Auswirkungen das seit dem Sommer vorliegende Gutachten der Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege (EKD) und Natur- und Heimatschutz (ENHK) hat. Es hält einen Abriss des heutigen Theaters aus Gründen des Ortsbildschutzes für höchst problematisch (siehe Kasten). Wir sprachen mit dem Luzerner Stadtpräsidenten Beat Züsli über Chancen und Risiken des Projekts.

Bereitet Ihnen das Gutachten schlaflose Nächte?

Beat Züsli: Ich habe zum Glück nie schlaflose Nächte. Aber natürlich hat uns dieses Gutachten beschäftigt und wird uns weiter beschäftigen. Der Theaterplatz in Luzern ist einer der städtebaulich sensibelsten Orte in der Schweiz – direkt vis-à-vis der Altstadt. Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass wir hier in der Planung nicht ganz frei sein werden. Der Ortsbildschutz ist auch für uns ein sehr wichtiges Anliegen.

Es gab bereits ein Gespräch mit den Kommissionen. Mit welchem Ergebnis?

Es ging um die Interpretation der Aussagen im Gutachten. Im Vordergrund steht eine möglichst ortsbildgerechte Abwicklung des Bauvorhabens gegen die Reuss hin. Dabei spielt die Nordfassade natürlich eine Rolle, aber auch die Präsenz des Gebäudes als Solitärbau. Uns wurde aber auch nochmals versichert, dass ein relativ freier Umgang mit der Bausubstanz im Inneren möglich ist. Wir sind nun daran zu ermitteln, welchen Spielraum wir haben – innerhalb des Rahmens, den uns die Kommissionen vorgeben. Für uns ist wichtig, dass wir eine klare Basis haben, bevor wir den Architekturwettbewerb ausschreiben.

Stadtrat, Regierungsrat und Luzerner Theater sind für einen Abriss und Neubau des Theaters. Was, wenn das nicht möglich sein sollte?

Wir sind nach wie vor überzeugt, dass dies die betrieblich beste Variante wäre. Es geht vor allem um die Frage: Was ist räumlich nötig, um den betrieblichen Anforderungen zu genügen? Das soll eine neue Machbarkeitsstudie zeigen.

Kann man das Bauvolumen noch reduzieren?

Die Testplanung hat ergeben, dass eine Reduktion des Volumens in beiden Fällen – bei Neubau und Erweiterung – anzustreben ist. Das Theater prüft, was betrieblich allenfalls ausgelagert werden kann. Die Probenbühnen befinden sich schon jetzt im Südpol; vielleicht ist dort noch mehr möglich. Denkbar ist allenfalls auch eine Auslagerung einiger Administrativräumen in die Nachbarschaft.

Ist der Standort Theaterplatz unverrückbar?

Für uns hat er höchste Priorität. Wir wollen ein Theater, das nicht nur einen theatralen Zweck erfüllt. Wir wollen ein offenes Gebäude, in dem sich auch Leute aufhalten können, die nicht in eine Theateraufführung gehen, die hier vielleicht ein Café trinken oder einfach etwas verweilen wollen. Ganz viel ist möglich. Das neue Theater soll durchgängig werden, ein Begegnungsort für die Bevölkerung. Dafür braucht es einen belebten, urbanen Raum.

Gemäss dem Mäzen Arthur Waser (er finanziert den Architekturwettbewerb mit 1 Million Franken, gestrige Ausgabe) soll Luzern das «beste Theater Europas» erhalten. Einverstanden?

An diesem städtebaulich heiklen Ort soll ein sehr attraktives Gebäude mit sehr hoher Qualität entstehen.

Ein Pendant zum KKL?

Von der architektonischen Qualität her, ja. Das KKL hat allerdings einen anderen Standort, einen ganz anderen Bezug zur Stadt. Eine grosse Herausforderung auf dem Theaterplatz ist der Bezug zur Jesuitenkirche, mit dem sehr sorgfältig umgegangen werden muss.

Welche Sparten sollen im neuen Theater stattfinden?

Wir streben ein Mehrspartenhaus an – im Sinn der heutigen Zeit, wo sich die Sparten zusehends vermischen. Das Musiktheater wird eine Hauptrolle spielen, das ist unbestritten. Auch aus Sicht der Tradition macht das Sinn, deshalb auch die Zusammenarbeit mit dem Luzerner Sinfonieorchester und dem Lucerne Festival.