Begleitete Suizide, Teams ohne Chefs und ein «Leuchtturm-Projekt»: Krienser Heime stellen Weichen für die Zukunft

Die Krienser Heime haben ihr erstes Jahr seit der Auslagerung in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft hinter sich. Der Verwaltungsratspräsident blickt zurück – und erklärt, welche Projekte er angehen will.

Stefan Dähler
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Das Pflegeheim Zunacher in Kriens. (Bild: Archiv Luzerner Zeitung)

Das Pflegeheim Zunacher in Kriens. (Bild: Archiv Luzerner Zeitung)

56'000 Franken – so hoch ist der Unternehmensgewinn der Heime Kriens AG im ersten Betriebsjahr 2018. Dies bei einem Gesamtertrag von 27,8 Millionen Franken. Die Bettenauslastung lag bei 97,8 Prozent. 360 Mitarbeiter sind in 277 Vollzeitstellen bei der AG angestellt.

Marco Borsotti, Verwaltungsratspräsident der Heime Kriens AG. (Bild: PD)

Marco Borsotti, Verwaltungsratspräsident der Heime Kriens AG. (Bild: PD)

Marco Borsotti, Verwaltungsratspräsident der Heime Kriens AG, ist zufrieden mit dem ersten Jahr. Sein Ziel ist es, in der noch jungen Gesellschaft einen Paradigmenwechsel vom öffentlichen hin zu einem privatrechtlichen Betrieb zu vollziehen. «Das ist eine Herausforderung, aber wir arbeiten daran.» So habe es vorher die Grundhaltung gegeben, ja keine Fehler zu machen und sich immer abzusichern. «Das ist auch gut so, aber punktuell wollen wir schneller werden.» Das treffe etwa auf die in Zeiten des Fachkräftemangels anspruchsvolle Aufgabe der Personalrekrutierung zu. «Hier wollen wir bei Bedarf flexiblere Modelle anbieten», sagt Borsotti. Zudem soll es auch bei baulichen Massnahmen vorwärtsgehen. «Die Fassadensanierung beim Heim Zunacher ist schon lange pendent, hier wollen wir vorwärts machen.»

Weiter sollen die Heime Kriens auf gesellschaftliche Entwicklungen eingehen. «Wir streben eine Regelung für begleitete Suizide an», sagt Borsotti. Eine solche kennt etwa schon die Stadt Luzern. Borsotti:

«Wir können uns nicht gegen die Zeit stellen. Wenn ein Bewohner sterben will, wollen wir das in einem würdigen Rahmen ermöglichen – sonst tun sie es anderswo in einem weniger angemessenen Umfeld.»

Borsotti rechnet nicht damit, dass das oft vorkommen wird. «Doch wir wollen vorbereitet sein.» Keine Option sei, Personen von anderen Institutionen zu übernehmen. «Es soll keinen Sterbetourismus geben.»

Pilotprojekt mit «selbst führenden Teams»

Auch die Betriebskultur soll sich weiterentwickeln. Bereits angelaufen ist ein Projekt mit selbst führenden Teams – also ohne Chef. Derzeit läuft ein Pilotversuch in vereinzelten Abteilungen. «Das Ziel ist, diese Organisationsform grossflächig einzuführen», sagt Borsotti. «Wir erhoffen uns dadurch eine höhere Motivation der Mitarbeiter, da sie sich stärker beteiligen können, und mehr Offenheit in den Teams.» Diese Umstellung aber sei nicht einfach und benötige Zeit. «Man muss das üben, es ist für viele ungewöhnlich vielleicht auch nicht überall durchführbar.»

Weiter wird im Sommer eine Zufriedenheitsumfrage unter Bewohnern und Angehörigen durchgeführt. «So können wir uns mit anderen Institutionen vergleichen», sagt Borsotti. Beispielsweise in Sursee oder bei Viva Luzern, wo Borsotti früher gearbeitet hat, gebe es auch solche Umfragen. «Wichtig ist mir auch, dass unsere Mitarbeiter vermehrt andere Heime besuchen und von deren Erfahrungen etwas mitnehmen können.»

Neuer Trend: Bewohner kehren nach Hause zurück

Eine Herausforderung für die Heime Kriens ist, wie für andere Institutionen auch, die steigende Zahl der Kurzaufenthalter. Die Leute bleiben grundsätzlich länger in der eigenen Wohnung, dafür gibt es mehr, die etwa während einer Krankheit zur Überbrückung ein paar Wochen im Heim wohnen. «Das hat für uns administrativ und organisatorisch einen grossen Aufwand zur Folge. Doch es ist ein Trend und wir müssen uns darauf einstellen», sagt Borsotti. Man sei aber dank der Krienser Infostelle Gesundheit (KIG) gut auf Schwankungen vorbereitet. Diese nimmt Anfragen entgegen und beurteilt, welches Pflegeangebot jeweils geeignet ist. Borsotti hofft aber, dass das bereitgestellte Angebot an Alterswohnungen den Trend etwas abfedert. Sogenannte Wohnungen mit Dienstleistungen werden im Lindenpark und Schweighof entstehen.

Das grösste anstehende Projekt für die Heime Kriens ist aber der Um- oder Neubau des Heims Grossfeld, hier im Bild:

(Bild: Corinne Glanzmann, Kriens, 1. Februar 2016)

(Bild: Corinne Glanzmann, Kriens, 1. Februar 2016)

«Das ist eine grosse Herausforderung, denn wir bauen für einen Zeithorizont von 30 bis 50 Jahren, doch die Bedürfnisse der Gesellschaft ändern sich fortlaufend», sagt Borsotti.

«Darum soll der Innenausbau möglichst flexibel gestaltbar sein.»

Das Projekt an sich sei aber eine grosse Chance für Kriens. «Heute ist das Grossfeld eng, unwürdig und nicht mehr zeitgemäss.» Weiter grenzt es sich städtebaulich vom Zentrum Hofmatt ab. Das soll künftig anders sein, geplant sind öffentliche Nutzungen wie ein Restaurant und weitere Dienstleistungen. «Wir wollen hier ein Leuchtturmprojekt mit hoher Sozialraumorientierung realisieren», sagt Borsotti.

Die Planung, für die derzeit noch die Stadt zuständig ist, verlief zuletzt  aber etwas schleppend. Nun wird ein Architekturwettbewerb vorbereitet. Der entsprechende Bericht und Antrag soll noch dieses Jahr in den Einwohnerrat kommen, teilt Sozialvorsteher Lothar Sidler (CVP) auf Anfrage mit. Ist der Wettbewerb durchgeführt, wechselt die Verantwortung zu den Heimen Kriens. Diese soll den Bau dann realisieren und auch finanzieren.