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BEHINDERTENHEIM: Fasnacht: Kein Umzugsbesuch wegen Personalmangel

Erstmals seit Jahren können Bewohner einer Stadtluzerner Einrichtung nicht an den Umzug am Güdismontag und an den Monstercorso. Angehörige sind verärgert, die Stiftung wehrt sich.
Kilian Küttel

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch


Sie ist Helene Buchelis liebste Jahreszeit: die fünfte, die Fasnacht. Gleiches gilt für die Schwester der Krienserin. Diese lebt im Behindertenheim Eichwäldli, das die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) betreibt. «Meine Schwester liebt diese Tage», sagt Bucheli. Vor allem, wenn sie die Umzüge besuchen kann – zusammen mit den anderen Bewohnern aus dem Stadtluzerner Heim. Am Güdismontag und am Güdisdienstag begleiteten die Betreuer die Behinderten bisher jeweils an den Umzug und an den Monstercorso.

Das ist Geschichte. Dieses Jahr können die Bewohner nur am Schmutzigen Donnerstag an die Fasnacht. Zudem wurden sie an die Brändi-Fasnacht in Horw begleitet – wie jedes Jahr. Dafür gibt es heuer am Montag keinen Ausflug, der Dienstag ist gar ein normaler Arbeitstag. Keine Böller, keine Konfetti, keine Guuggenmusig. Wieso? Das Eichwäldli hat zu wenig Personal. Das teilt das Heim in einem Schreiben mit, welches unserer Zeitung vorliegt. Helene Bucheli ist enttäuscht. Sie bedauert, dass ihrer Schwester die Freude eines Fasnachtsbesuchs verwehrt wird.

Doch das ist nicht alles: Die SSBL hat eine grosse Neuorganisation hinter sich. Höhepunkt war der Bezug des Heimes in Rathausen (Ausgabe vom 17. November). «Uns wurde erklärt», sagt Buche­li, «dass durch die neuen Strukturen die Abläufe effizienter und besser sind.» Aber das sei nicht passiert. «Im Eichwäldli gibt es Atelierräume, die nicht mehr gebraucht werden. Ebenso wurde eine Köchin entlassen.» Und das, obwohl die Küche neu, gross und gut eingerichtet sei. Bucheli macht nicht der Heimleitung einen Vorwurf, wohl aber der SSBL. Diese würde die Leistungen kürzen, die Betreuung leide. «Dabei zahlen wir genau gleich viel wie vor der Neuorganisation.»

Stiftung wehrt sich gegen Vorwürfe

Rolf Maegli ist Direktor der SSBL. Auf die Vorwürfe angesprochen, gibt er sich verständnisvoll: «Natürlich ist es schade, dass wir die begleiteten Umzugsbesuche zurzeit nicht anbieten können.» Zugleich verweist er auf die grossen Umwälzungen, in denen seine Stiftung derzeit stecke: «Wir befinden uns im zweiten Monat einer radikalen Betriebsänderung. Es braucht Zeit, bis sich alle Abläufe eingespielt haben.»

Nur: Das erklärt den Personalmangel im Eichwäldli nicht. Wie unsere Zeitung weiss, fehlen 200 Stellenprozente. Und das, obwohl die SSBL gar Leute eingestellt hat. Maegli erklärt: «Früher lebten unsere Bewohner in gemischten Gruppen. So waren Personen mit ganz unterschiedlichen Pflegebedürfnissen zusammen.» Mit der Neuausrichtung habe sich das geändert: «Jetzt bestehen die Gruppen aus Personen, die einen ähnlichen Betreuungsbedarf haben.» Was bedeutet: Wo der Bedarf hoch ist, hat es auch mehr Personal. Dagegen verringerte die Stiftung den Personalbestand, wo weniger Betreuung nötig ist – wie im Eichwäldli also. Hinzu kämen vakante Stellen, die noch nicht besetzt werden konnten. Helene Bucheli lässt sich von diesen Antworten nicht beeindrucken. Sie ist unzufrieden, wirft der SSBL vor, die Leistungen aus Sparüberlegungen zu kürzen. Rolf Maegli widerspricht: «Wenn es zu Leistungsverschlechterungen gekommen sein sollte, dann ist das zeitlich beschränkt und durch die Neuorganisation begründet.»

Zeichnet sich noch eine Lösung ab?

Für die Bewohner des Eichwäldlis gibt es aber einen Lichtblick: Nachdem unsere Zeitung die SSBL-Verantwortlichen kontaktiert hatte, meldeten sich diese bei Helene Bucheli. Man prüfe, ob die Bewohner doch noch an die Fasnacht können. «Sicher ist es jedoch nicht», teilte die SSBL mit. Ob Bewohner weiterer Heime auf Ausflüge verzichten müssen, ist Maegli «nicht bekannt».

Für Helene Buchelis Schwester spielt das wohl alles keine Rolle. Bucheli geht zusammen mit ihr an die Fasnacht. «Und dar­über freut sich meine Schwester natürlich auch.»

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