Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bei der Grasski-WM auf der Marbachegg in Escholzmatt ist Bremsen unmöglich

Nächste Woche (13. bis 18. August) findet auf der Marbachegg die Grasski-WM statt. Ein Lokalmatador hat die Goldmedaille im Visier.
Stephan Santschi
Gemeindepräsident Fritz Lötscher (links) und Grasskifahrer Stefan Portmann auf der Marbachegg. (Bild: Pius Amrein, Escholzmatt, 8. August 2019)

Gemeindepräsident Fritz Lötscher (links) und Grasskifahrer Stefan Portmann auf der Marbachegg. (Bild: Pius Amrein, Escholzmatt, 8. August 2019)

«Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Grasski?» Fritz Lötscher lacht und verneint sofort. «Überhaupt nicht. Ich betreibe zwar viel Sport, jedoch nicht Grasski. Das ist nicht ganz einfach!» So wie dem Gemeindepräsidenten von Escholzmatt-Marbach dürfte es den meisten gehen, die diesen Artikel lesen. Die Grasski-Szene war stets eine Randerscheinung, und sie ist in den letzten Jahren noch kleiner geworden. Gerade mal vier Clubs existieren noch in der Schweiz, aktive Frauen gibt es gar keine mehr.

In den Anfängen war Grasski als Sommertraining für Alpin-Skirennfahrer gedacht. Da mittlerweile fast das ganze Jahr über auf Gletschern trainiert werden kann, rückte Grasski als Alternative in den Hintergrund. «Früher hatten wir 20 bis 25 Vereine und sogar eine Rennserie. Leider werden wir von Swiss Ski und auch vom internationalen Verband nicht gefördert», bedauert Stefan Portmann.

Entlebucher Club feiert sein 40-Jahr-Jubiläum

Portmann, 35-jähriger Metallbauer aus Wiggen, ist einer von drei Mitgliedern des Schweizer Nationalteams und so etwas wie unser Doyen des Grasski-Sports. 14 Weltcupsiege hat er in seiner Karriere bisher errungen, 2014 gewann er sogar den Gesamtweltcup, und wenn nächste Woche von Dienstag bis Sonntag auf der Marbachegg die Weltmeisterschaften über die Bühne gehen, zählt er zu den Spitzencracks. Doch dazu später mehr.

Dass die Schweiz den Zuschlag für die Austragung einer Grasski-WM erhält, ist aussergewöhnlich; erst zweimal war dies in der Verbandshistorie bisher der Fall. Nach Müstair im Jahr 1997 und Goldingen 2011 kommt nun das Entlebuch zum Zug. Der Grund: Der Grasskiclub Escholzmatt-Marbach wird 40-jährig und bettet seine Feierlichkeiten in den Grossevent vom 13. bis 18. August. «Für uns hat es eine ziemliche Bedeutung, dass wir das Jubiläum im richtigen Rahmen begehen», erklärt Fritz Lötscher, der im Organisationskomitee für die Medienarbeit verantwortlich ist.

80 Athleten aus neun Nationen am Start

Ohne Übertreibung darf deshalb behauptet werden, dass auf der Marbachegg noch nie ein Grasski-Anlass dieser Grössenordnung durchgeführt worden ist. Zwar kam es hier in den letzten Jahren regelmässig zu Weltcuprennen, eine WM hat aber nochmals eine andere Kragenweite. Rund 80 Athleten aus neun Nationen werden erwartet und in die umliegenden Hotels und Ferienwohnungen einquartiert. «Das Budget beträgt 150000 bis 160000 Franken. Dank Sponsoren sowie Beiträgen von Swiss Ski und dem Sportfonds von Swisslos kann das OK die Ausgaben decken», berichtet Lötscher.

Wer die Gelegenheit nutzen und sich die Sommer-Skifahrer etwas genauer anschauen will, kann dies an den vier Wettkampftagen mit Gratiseintritt tun. «Wir hoffen auf 1500 bis 2000 Zuschauer», sagt Lötscher. Der Start der WM-Strecke liegt auf 1400 Metern, gleich beim Berggasthaus Marbachegg, das Ziel rund 130 Höhenmeter tiefer. Im Gegensatz zum Schneesportler gleitet der Grasskifahrer nicht auf schmalen Rennlatten, sondern sie fahren auf Rollen den Hang hinunter. «Bremsen ist nicht möglich, deshalb muss man genau wissen, was man tut und von sich überzeugt sein. Grasskifahren ist schwieriger als Skifahren», erklärt Stefan Portmann. Die Strecke auf der Marbachegg gilt aufgrund der steilen Lage und der vielen Wellen sogar als eine der schwierigsten der Welt.

Stefan Portmann: Highlight zum Karrierenende?

Portmann selber hat in seiner reichdekorierten Karriere noch nie eine WM-Medaille gewinnen können. «Vierter war ich schon ein paar Mal, oft fehlten nur ein paar Hundertstelsekunden für das Podest», erzählt der zweifache Familienvater. Auf der Marbachegg will er zum grossen Exploit ausholen, mit WM-Gold seine Karriere krönen und dann wohl auch beenden. Das Sprunggelenk ist seit einem Sturz vor vier Jahren in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, «richtig heilen wird es nicht mehr», bedauert Portmann, fügt aber zuversichtlich an: «Für diese WM bin ich so gut vorbereitet wie schon lange nicht mehr. Ich kenne die Strecke und zähle mich im Riesenslalom und Super-G zu den Topfavoriten.»

Programm (13. bis 18. August). Dienstag: Eröffnungszeremonie (18 Uhr; Mehrzweckgebäude Marbach). – Mittwoch: Super Kombination (11.30 Uhr Super-G, 16 Uhr Slalom). – Donnerstag: Riesenslalom (11.15 Uhr 1. Lauf, 15.15 Uhr 2. Lauf). – Samstag: Slalom (11.15 Uhr 1. Lauf, 15.15 Uhr 2. Lauf). – Sonntag: Super-G (11.30 Uhr).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.