Kommentar

Bei der Sicherheit ist immer mehr der Wahn statt die Vernunft der Treiber - eine ungesunde Entwicklung

Zu gefährlich! Pfadi, Jungwacht und Blauring dürfen nicht mehr Karton einsammeln in der Stadt Luzern. Heikle Vor- oder Unfälle hat es aber - zum Glück! - keine gegeben in jüngerer Vergangenheit. Was ist vom Trend zu halten, Risiken in zunehmendem Mass ausmerzen zu wollen? Nicht viel.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu, Chefredaktor Luzerner Zeitung und Regionalausgaben.

Jérôme Martinu, Chefredaktor Luzerner Zeitung und Regionalausgaben.

Bild LZ

Schluss mit Kartonsammlungen für Jugendorganisationen. Die Stadt Luzern lässt nun das Strasseninspektorat sammeln. Dies aus Sicherheitsgründen und wegen strafrechtlichen Risiken. Ist denn jüngst etwas Schlimmes passiert? Nein, nichts. Die wenigen tragischen Unfälle liegen über ein Jahrzehnt zurück. Der Angriff auf die tragende Einnahmequelle der Jugendorganisationen kommt also aus dem Nichts.

Sicherheit. Auf Spielplätzen werden Gummibeläge verlegt, auf den Rutschbahnen tragen Pimpfe Helme. Die Zahl der Elterntaxis nimmt schneller zu, als Uber wächst. Nebst Kindergärtlern sind inzwischen auch Erstklässer neongelb markiert. Überhaupt, diese Leuchtwesten. Ob Türsteher, Putzpersonal, Handwerker, Velofahrer oder Jogger: Es muss leuchten. Wann tragen wir diese Leuchtweste in der Küche?

Ja, das ist ein bisschen polemisch. Natürlich ist Prävention sehr wichtig, insbesondere im Strassenverkehr. Und wir müssen auch nicht in Zeiten zurück, als Fahrlässigkeit alltäglich war. Bei der Sicherheit scheint aber immer mehr der Wahn statt von die Vernunft Treiber zu sein. Wir können nicht jegliche Risiken ausmerzen. Eine solche Grundhaltung führt früher oder später zu neuen und unnötigen Reglementarien und Gesetzen.

Gerade die Jüngsten und Jungen sollen den Umgang mit Risiken lernen. Etwa bei Kartonsammlungen: Den Jugendlichen hier Verantwortung zu übertragen und Pfadi, Jubla oder andere zu fördern, hierfür lohnt sich jeder Franken.

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