Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bei Familie Büchler in Altbüron gedeiht Aussergewöhnliches

Goji-Beeren, Apfelminze, Schabzigerklee oder Thymian: Bauernfamilie Büchler aus Altbüron setzt auf Spezialkulturen. Gemäss einem Experten wird der Anbau «exotischer Pflanzen» aufgrund des Klimawandels weiter zunehmen.
Chiara Stäheli
Fabienne und Toni Büchler setzen auf ihrem Hof in Altbüron auf unkonventionelle Pflanzen – zum Beispiel auf Goji-Beeren, die an diesem Hang gedeihen. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019) Fabienne und Toni Büchler setzen auf ihrem Hof in Altbüron auf unkonventionelle Pflanzen – zum Beispiel auf Goji-Beeren, die an diesem Hang gedeihen. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)
Die getrockneten Blumen finden im hauseigenen Blüemlitee Verwendung. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)Die getrockneten Blumen finden im hauseigenen Blüemlitee Verwendung. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)
Toni Büchler kontrolliert, ob die Peperoncini schon reif sind. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)Toni Büchler kontrolliert, ob die Peperoncini schon reif sind. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)
Auch Goji-Beeren wachsen auf dem Bauernhof Isehuet. Die vitaminreichen Beeren sind besonders in getrockneter Form sehr beliebt. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)Auch Goji-Beeren wachsen auf dem Bauernhof Isehuet. Die vitaminreichen Beeren sind besonders in getrockneter Form sehr beliebt. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)
Peperoncini wachsen vor allem in Südeuropa. Doch auch hierzulande ist deren Anbau möglich. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)Peperoncini wachsen vor allem in Südeuropa. Doch auch hierzulande ist deren Anbau möglich. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)
Hund und Kind streunen durch das Kräuterfeld der Familie Büchler. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)Hund und Kind streunen durch das Kräuterfeld der Familie Büchler. (Bild: Nadia Schärli, Altbüron, 13. August 2019)
6 Bilder

Dort, wo der Kanton Luzern schon fast zu Ende ist, etwas ausserhalb des 1000-Seelen-Dorfes Altbüron, liegt in hügeligem Gelände der Bio-Bauernhof von Familie Büchler. Hier gedeihen inmitten von Kirsch- und Apfelbäumen Luzerner Goji-Beeren (siehe Box). Und lässt man den Blick etwas weiter in Richtung der Berner Kantonsgrenze schweifen, so erblickt man mehrere grosse Kräuterfelder. Nebst Thymian, Apfelminze, Schabzigerklee und weiteren Kräutern wachsen hier auch Peperoncini, Chili- und diverse Paprikasorten.

Der zweifache Vater Toni Büchler betrachtet seine Obst- und Kräuteranlagen. «Ja, unser Hof ist sicher etwas anders als alle anderen», meint er schmunzelnd und ergänzt:

«Es macht Spass, Neues auszuprobieren.»

Es sei ja nicht das Ziel, dass in der Landwirtschaft immer alles beim Alten bleibe, meint er. «Wir haben auf unserem kleinen Betrieb nicht unzählige Möglichkeiten. Deshalb arbeiten wir mit dem, was wir haben und nutzen das möglichst optimal aus.»

Mit der Ernte drei Wochen im Rückstand

Mit knapp 14 Hektaren zählt der Hof von Fabienne und Toni Büchler zu den kleineren im Kanton Luzern. Sie scheinen damit aber ganz zufrieden zu sein: «Auf dieser kleinen Fläche zu Bauern ist eine Herausforderung – doch genau darin liegt für uns der Reiz», erklärt Toni Büchler, während er durch die Obstreihen schreitet. Ab und an hält er inne, begutachtet den Blütenstand und kontrolliert, ob die Goji-Beeren bereits reif sind. Derweil bindet seine Frau Fabienne herunterhängende Äste an das horizontal verlaufende Drahtgebinde. Seit drei Jahren pflanzt Familie Büchler die leicht säuerlichen Goji-Beeren an.

Normalerweise werden diese bereits ab Juli geerntet. «Heuer sind wir wegen dem Wetter aber etwa drei Wochen im Rückstand», erklärt Büchler. Und seine Frau ergänzt:

«Jetzt kommt dann alles auf einmal: Die Kräuter, die Beeren und die Äpfel.»

Den beiden stehen deshalb Tonis Eltern, die den Hof vor zehn Jahren an die jüngere Generation abgegeben haben, tatkräftig zur Seite. «Der Anbau unserer speziellen Pflanzen erfordert viel Handarbeit», sagt Fabienne und reisst mit einem flinken Handgriff Unkraut aus einer Reihe, in der leuchtend rote Peperoncini an kniehohen Pflanzen hängen.

Doch nicht nur der Anbau, auch die anschliessende Verarbeitung ist zeitintensiv. Die Kräuter werden getrocknet, verpackt und von Grossabnehmern verarbeitet. Man findet sie zum Beispiel im «Huustee» der Ramseier AG, in den Kräuterbonbons der Ricola AG oder in der hauseigenen Teemischung von Familie Büchler. Aus den Chili-Schoten stellt Fabienne diverse Gewürze her. Die Goji-Beeren verkaufen die Büchlers sowohl frisch als auch getrocknet – in letzterer Form schmecken sie besonders im Müesli oder auf dem Salat. Momentan aber sind die Lager leer. «Bereits im Januar waren wir ausgeschossen», sagt Toni Büchler. Die Nachfrage nach den vitaminreichen Beeren sei enorm, so der Meisterlandwirt. Verkauft werden die Produkte über den Online-Shop sowie auf verschiedenen Märkten.

Anfangs wurden ihre Innovationen belächelt

Dass Familie Büchler innovativ ist, lässt sich wohl kaum abstreiten. Nichtsdestotrotz habe er zu Beginn der Umstellung auf die biologische Landwirtschaft und den Anbau exotischer Pflanzen ab und zu kritische Stimmen vernommen, erzählt Landwirt Büchler:

«Es gab Leute, die uns nicht zugetraut haben, dass wir mit unserem Konzept Erfolg haben werden.»

Der Kanton Luzern sei ein «Tierkanton» – da werde man mit Kräutern und Beeren belächelt. «Mit der Zeit konnten wir dann aber zeigen, dass diese Art der Landwirtschaft durchaus funktionieren kann», sagt Büchler nicht ganz ohne Stolz.

Einfach sei es aber nicht: «Da wir neue Sachen ausprobieren, gehen wir jedes Mal auch wieder ein gewisses Risiko ein», meint Fabienne, die gerade kontrolliert, wie weit der Trocknungsprozess der Zitronenmelisse bereits fortgeschritten ist. Sie blickt zu ihrem Mann. «Klar, man muss sehr anpassungsfähig sein und immer damit rechnen, dass eine Ernte misslingt», ergänzt dieser. Deshalb führen die beiden mit den 30 Aufzuchtrindern, die unweit der Pflanzenanlagen am Hügel weiden, einen zweiten Betriebszweig. Die Leidenschaft aber – das merkt man den Büchlers an – liegt bei den Pflanzen. In den Köpfen der beiden schwirren bereits weitere Ideen. «Diese sind aber noch nicht spruchreif», sagt Fabienne. Ein kleines Geheimnis lüftet ihr Mann dann doch noch: Er holt aus einer Kiste voller verschiedener Kräuter getrockneten Edelweiss hervor und meint: «Wir wissen noch nicht, was daraus einst werden soll. Aber Spass macht das Tüfteln trotzdem.» Genau diese Freude am Ausprobieren, die hinter Büchlers Innovationen steckt, scheint ihr Geheimrezept zu sein.

Das wächst auf dem Hof von Familie Büchler

Goji-Beeren: Die orange-rote Frucht wird seit Jahrtausenden in Asien angebaut – vor allem in China und der Mongolei. Doch auch hierzulande sind die kleinen Beeren beliebt: Einige schreiben ihnen heilende Kräfte zu und bezeichnen sie als sogenannten Superfood. Viele Ernährungsexperten attestieren den vitaminreichen Beeren immunsystemstärkende und zellschützende Eigenschaften. Meist werden die Beeren getrocknet und im Müesli oder Salat verspeist.

Peperoncini, diverse Chili- und Paprikasorten: Für gewöhnlich stammen die Paprikagewächse aus dem Süden. Doch auch in Altbüron gedeiht das scharfe Gemüse. Dieses wird anschliessend an die Abnehmer verkauft oder von Familie Büchler getrocknet und unter anderem zu Paprika-Gewürz oder Chili-Salz verarbeitet.

Kräuter: Nebst Thymian, Apfelminze, Schlüsselblumen und Salbei wächst in Altbüron auch Schabzigerklee heran. Das aromatische Kraut gibt dem bekannten Glarner Schabziger – einem Kräuterkäse – seinen unverkennbaren Geschmack. Da der Kräuteranbau in der Schweiz genossenschaftlich geregelt ist, erhält jeder Bauer an der jährlich stattfindenden Genossenschaftsversammlung bestimmte Kontingente. Damit werden Absatzgarantien für die jeweiligen Kräuter festgelegt.

Blumen: Auf dem Bauernhof Isehuet wird viel Zeit in die Pflege der Blumen investiert. Im grossen Garten reihen sich Ringelblumen in diversen Farben an Kornblumen und andere Sorten, die getrocknet mit Zitronenmelisse und Minze für den hauseigenen Blüemlitee verwendet werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.