Bei ihm ist Corona Trumpf: Fünftklässler Bela aus Luzern kreiert neue Jasskarten – bereits sind über 200 Kartensets vorbestellt

Die Coronakrise hat seine Kreativität angekurbelt: Bela Paavo Müller aus Luzern hat neue Jasskarten gezeichnet. Das Geld für deren Produktion hatte er innert 30 Stunden beisammen.

Evelyne Fischer
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Jassen innerhalb einer Gästegruppe ist erlaubt. Die Utensilien sind gereinigt auf den Tisch zu stellen und im Anschluss wiederum gründlich zu reinigen. Es empfiehlt sich, dass die Gäste ihre eigenen Karten mitbringen.

Punkt 33 der häufigsten «Fragen und Antworten» zum Gastro-Schutzkonzept lässt Schweizer aufatmen: Einem Jass in der Beiz steht selbst während der Pandemie nichts im Wege. Wer schon vor dem ersten Bockspiel alle Blicke auf sich ziehen will, sichert sich nun ein Corona-Jass-Set, das ein Luzerner Fünftklässler während des Fernunterrichts entworfen hat. Sein Name: Bela Paavo Müller. Seine Faszination: Viren.

Der Fünftklässler Bela Müller hat ein Jass-Set zu Corona, Schweinegrippe, Masern und Pest entworfen.

Der Fünftklässler Bela Müller hat ein Jass-Set zu Corona, Schweinegrippe, Masern und Pest entworfen.

Bilder: Boris Bürgisser (Luzern, 9. Mai 2020)

Noch vor der Schulschliessung musste der Zwölfjährige im Bildnerischen Gestalten mit Wasserfarben zwei Jasskarten zu Papier bringen. Dann kam der Lockdown und mit ihm der Auftrag, weiterhin kreativ zu bleiben. Auf der Crowdfunding-Plattform Wemakeit schreibt Bela, wie er diese Aufgabe umsetzen wollte: «Da ich die Form von Krankheitserregern unter dem Mikroskop faszinierend fand, wollte ich etwas mit diesen machen. So entstand die Idee des Corona-Jasskartensets.»

Er hat die «coolsten» Viren ausgewählt

Mit dem iPad «und ein bisschen Hilfe» von seinem Mami, Grafikerin Isabelle Müller, machte er sich ans Werk. Rund einen Monat tüftelte er täglich mindestens eine halbe Stunde an den 36 Karten herum. Er skizzierte. Kolorierte. Kopierte. Verbesserte. Begann wieder von vorn. Das Resultat: Statt Rosen, Schilten, Eicheln oder Schellen ist nun Corona, Schweinegrippe, Masern oder Pest angesagt.

Er habe im Internet nach Viren gestöbert, erzählt Bela. «Ich wählte dann jene aus, die cool aussehen.» Viele andere fanden seine Karten offensichtlich auch sehr cool: Innert 30 Stunden hatte Bela 2500 Franken für die Produktion von 200 Res beisammen. «Ich konnte es fast nicht glauben, dass das so schnell ging.» Er habe vor allem Verwandten von seinem Projekt erzählt. Und Papa Thomas Gisler warb in den sozialen Medien für die Karten des Jungdesigners. In Windeseile erzielte der Facebook-Beitrag über 70 Likes:

Auch via Twitter heimsten Belas Karten Beifall ein:

Seinen Schulkameraden hat der Fünftklässler via Klassenchat vom Erfolg seiner Crowdfunding-Aktion berichtet. «Die meisten waren begeistert. Aber es gibt wohl auch ein paar Neider», meint Bela. Und was, wenn auch gewisse Jasser die – mit Verlaub – doch etwas makabren Sujets in den falschen Hals bekommen? «Davor habe ich keine Angst. Trotz Corona darf man doch den Humor nicht verlieren.» Weil die Jassfarben auf eigenen Zeichnungen basieren, sei übrigens urheberrechtlich alles im grünen Bereich.

Sackgeld gibt's keins

Belas Crowdfunding-Aktion läuft noch 25 Tage, schon über 3000 Franken sind beisammen. Sackgeld verdiene er damit nicht, sagt Bela. «Mit dem Betrag zahlen wir Druck, Produktion und Versand. Damit alle, die wollen, ein Res erhalten.» In der verbleibenden Zeit will er nun zusammen mit Mami Isabelle Müller den Feinschliff vornehmen. Nie hätte sie mit einem derart grossen Echo gerechnet.

«Wir wurden ehrlich gesagt etwas überrumpelt.»

Anfang Sommerferien dürfte das erste Kartenset vorliegen, quasi 300 Gramm Viren, per Post geliefert. Pläne für die unterrichtsfreien Wochen danach gibt's auch bereits: Aus Tschau-Sepp-Spieler Bela soll dann endlich ein echter Jasser werden.

Hinweis: Unter wemakeit.com/projects/corona-jasskarten lässt sich ein Corona-Jass-Set für 20 Franken erstehen.